Raumpiraten: Im Namen der Wissenschaft

 

© 2001 Marco Kaas

 

von Marco Kaas

 

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Gemütlich lehnte Sam Johnson im Pilotensessel der "Faint". Die Beine hatte er auf die Konsole gelegt, während er mit dem MPC-Gerät herum spielte. Er hatte auf dem kreditkartengroßen Computer einen aktuellen Artikel über die steigende Rate von Weltraumpiraterie angezeigt, doch er las nicht, sondern drehte das MPC lediglich gelangweilt in der Hand hin und her. Sie warteten hier nun schon seit Stunden in der Tiefe des intergalaktischen Raums. Yxo hatte die Information gekauft, dass ein rentables Angriffsziel diese Position passieren würde, doch der genaue Zeitpunkt war unklar. Sam trommelte mit dem MPC gerade auf die Armlehne seines Sitzes, als Zeycal Gfeye Nhet, die zweite Bewohnerin der "Faint", das kleine Cockpit betrat und sich ans technische Terminal setzte. "Hey, Nhet", begrüßte Sam sie knapp, aber freundlich, in der Hoffnung, sie würde ihn nicht mit irgendwelchem Unsinn nerven. Trotz der geringen Schwerkraft von nur 0,5 g trug Nhet, eine Gfeye, ihren Grav-Anzug, eine Art unterstützende Panzerung, die ihren schlanken Körper und ihre tentakelartigen Beine einhüllten, während ihre oberen beiden Tentakeln und der kammartige Körperfortsatz, der sich am ehesten als Kopf bezeichnen ließe, frei beweglich waren. "Guten Morgen, schon irgendwas entdeckt?" erkundigte sich Nhet. Die Faint, ein kleines Aufklärungsschiff, war mit Scannern und Sensorensystemen ausgerüstet, welche die Reichweite und Leistungsfähigkeit der meisten militärischen Sensoren bei weitem überstiegen, ganz zu schweigen von Zivilschiffen. "Nichts", antwortete der Mensch, "ich hab so das Gefühl, wir können hier noch Stunden bis Tage warten." Sam beschloss, Yxo zu rufen, und aktivierte das Kom der Faint. "Hey, bis jetzt ist es ja irre spannend." "Ich bin schwer beeindruckt, wie zuverlässig deine Quellen doch sind", fügte Nhet hinzu. "Was war das, habt ihr gerade was gesagt?" antwortete Yxo, der wenige Kilometer entfernt in seinem eigenen Schiff "Lebensquell" saß, zynisch. "Wir sollten lieber stark frequentierte Handelsrouten patrouillieren", meinte Sam, "eher fliegt uns da ein fetter Brocken mit haufenweise Kühlmittel an Bord direkt in die Arme, als dass dein komisches 'rentables Angriffsziel', von dem du noch nicht mal weißt, was es überhaupt ist, hier auch nur auftaucht." "Wir sollten wirklich von hier abhauen", bestätigte Nhet, "es ist langweilig." "Ich sag' aber wir bleiben hier", widersprach Yxo. "Du bist überstimmt", argumentierte Nhet. "Ich bin aber der Boss", argumentierte Yxo zurück. "Du bist so wunderbar überzeugend", seufzte Nhet.

   Es dauerte noch weitere zwei Stunden, doch schließlich tauchte außer der "Lebensquell" ein zweiter Kontakt auf dem Sensorenschirm der Faint auf, weit entfernt. "Das könnte unser 'rentables Ziel' sein", vermutete Sam, "es fliegt mit 60 000 Lichtjahren pro Tag auf 524-419." "Das sehen wir uns an", beschloss Yxo über das Kom, "geht in Formationsflug mit mir über, ich schlag' einen Abfangkurs ein." Sam aktivierte den Sub-Hyperantrieb, um Yxos Schiff folgen zu können, das nun mit Höchstgeschwindigkeit direkt auf den Sensorenkontakt zusteuerte, welcher sich problemlos einholen ließ. Mit schrumpfender Distanz zum Ziel wurden auch die Sensorenanzeigen aussagekräftiger, schließlich ließ sich der Kontakt als ein mittelgroßer Terranischer Frachter identifizieren, komplett unbewaffnet, mit geringer Triebwerks- und Schildkapazität. Die Schiffsklasse selbst war Sam unbekannt, wahrscheinlich eine Spezialanfertigung, wenn auch eine in die Jahre gekommene. "Terranischer Transporter", meldete sich Yxo schließlich über alle Frequenzen, "deaktiviert eure Triebwerke und Schilde, wir würden euch ganz gerne einen kleinen Besuch abstatten." Das Angriffsziel beschleunigte. "Nicht sehr gesprächig, hm?" seufzte Yxo. Der Sensorenschirm der Faint zeigte, dass die Lebensquell einige Warnschüsse auf den Frachter abgab. Nun ließ eine Antwort nicht lange auf sich warten. "Hier spricht der Kommandant der mobilen Entwicklungsplattform 'Raymond Kidogo'. Ich rufe die beiden Piratenschiffe. Stellen Sie das Feuer ein, wir leisten keinen Widerstand", versprach ein Terraner mit bestimmtem Tonfall, woraufhin das Ziel aus dem Sub-Hyperraum fiel und die Schilde deaktivierte. Die beiden Piratenschiffe kehrten ebenfalls in den Normalraum zurück. "Sehr gut", antwortete Yxo, "dann können wir die Party ja steigen lassen!"

   Die Lebensquell, ein flaches, stromlinienförmiges Transportschiff von etwa 40 Meter Länge, und die Faint, ein Aufklärer von vergleichbarer Größe, der aus einer abgeflachten Eiform und einem liegenden Kegelstumpf am Bug zusammen gesetzt zu sein schien, rasten auf die 'Raymond Kidogo' zu, ein Schiff von beachtlicher Größe. Obwohl der Rumpf schneeweiß strahlte, wirkte das Schiff irgendwie alt, was vielleicht an dem Design lag, der Aufbau aus kastenartigen Segmenten, und die beiden breiten, hell leuchtenden Triebwerksmodule am Heck.

   Aufmerksam musterte Sam die "Raymond Kidogo" abwechselnd durch die Cockpit-Sichtleiste und über den Sensorenschirm. "Mobile Entwicklungsplattform", grinste Nhet, die ihm über die Schulter sah, "früher hieß so was 'Schrottkübel'. Wenn das eine mobile Entwicklungsplattform ist, was fliegen wir dann? Eine ultraflexible Sensorenphalanx-Waffenplattform-Einheit mit modischer Wohnzimmerküchefrachtraum-Kombination?" "Hey, Terraner", meldete sich Yxo zu Wort, "ich komm' mit meinen Sensoren nicht durch dieses Schiff, ich sehe nur eine gigantische Lebensform-Anzeige." "Das wundert mich nicht", antwortete Sam, "deren Frachtraum scheint voll zu sein mit biologischem Material, aber im gesamten Crewsegment vorne kann ich nur vier Lebensformen ausmachen. Könnte natürlich sein, dass sich im Frachtraum noch weitere Crewmitglieder verstecken."

   Die Piratenschiffe verlangsamten, als sie der Raymond Kidogo näher kamen, um nach einer Andockmöglichkeit zu suchen.

   Erst, als sie sich ihrem potentiellen Ziel bis auf wenige hundert Meter genähert hatten und sich auf einem synchronen Kurs befanden, fiel Sam auf, wie groß die Raymond Kidogo wirklich war. Der Rumpf strahlte in glänzendem Weiß, war aber doch uneben und auf eine gewisse Weise hässlich. Etwas fand der Mensch an diesem Schiff abstoßend. Nhet wippte unruhig mit ihrem Kamm. "Hey, wisst ihr, irgendwas gefällt mir nicht", quietschte sie, "Frachtraum voll mit biologischem Material, 'mobile Entwicklungsplattform', und die haben nicht mal eine gültige ID-Kennung, außerdem senden sie noch immer weder einen Notruf noch eine Piratenwarnung. Das stinkt nach Militär." Ihre Tentakeln bewegten sich unruhig. Sam schüttelte den Kopf. "Das passt nicht zu ihrem Stil. Wenn das hier ein Space-Force-Schiff wäre, ganz unbewaffnet, dann würde es eine schwere Eskorte begleiten, und es wäre in hässlichem Babyblau lackiert. Außerdem protzen Space-Force-Kommandanten immer mit Namen und Dienstgrad." Sam stellte fest, dass der Rumpf des Schiffs absolut unmarkiert war, nichts deutete auf den Besitzer hin. Der Mensch fragte sich, ob die Raymond nicht ein paar Nummern zu groß war, und er vermutete, dass Yxo ähnliche Zweifel hatte, doch offenbar vertraute er auf seine Quellen, denn schließlich rollte sich die Lebensquell doch und startete ein Andockmanöver an eine der Luken im Bug der Raymond. "Terraner, Nhet, ihr dockt direkt neben mir an." Yxo schien Vertrauen in seinen Informanten zu haben, doch war er vernünftig genug, nicht gleich direkt am Frachtraum anzudocken, wie sonst eigentlich üblich. "Raymond Kidogo", rief er das Ziel, "entwaffnet die Crew und haltet euch bereit, das Schiff zu übergeben. Versammelt euch auf der Brücke und leistet keinen Widerstand."

   Mit einem heftigen Ruck dockte die Faint an die Raymond Kidogo, an der Schleuse direkt neben der Lebensquell. Sam aktivierte seinen Blaster, Nhet ihr Impulsgewehr, und so verließen sie durch die Schleuse am Heck die Faint und betraten die Schleusenkammer der Raymond, aber nicht, ohne sich vorher einen halbwegs exakten Deckplan des Crewmoduls vom Sensorencomputer auf die MPCs zu kopieren. Etwas klopfte von innen gegen das Schleusentor. "Ich bin's", meldete sich Yxo über das kleine Kom-Gerät, "ich bin jetzt auf der Raymond Kidogo. Ihr könnt rüber kommen, die Luft ist rein. Das Schleusentor ließ sich problemlos per Knopfdruck öffnen, und nun standen Sam und Nhet direkt vor einem gut 2,50 Meter großen Cilthroiden, ein humanoides Wesen mit einem flachen, fremdartig wirkenden Gesicht, in dem ein schwer zu deutender Ausdruck lag, und blau-orange-weiß gefleckter Haut. Es war Yxo. "Der Korridor scheint leer zu sein", vermutete er und deutete in den breiten, steril weißen Gang, der etwa fünfzig Meter weiter zu einem Schott führte. "Vielleicht haben sie sich tatsächlich auf der Brücke gesammelt", vermutete Sam, "wie du gesagt hast." "Dann wäre es gut, die Brücke zu suchen", stimmte Nhet zu. Sam blickte auf den Deckplan auf seinem MPC und deutete auf die Deckenluke, die sich etwa auf halbem Wege zum anderen Ende des Korridors befand. "Da lang."

   Nach einer knappen Minute erreichten die drei Raumpiraten die Brücke, ohne auf Widerstand gestoßen zu sein. Wie es bei großen Schiffen oft der Fall war, war die Brücke geräumig, doch es war keinesfalls die gesamte Crew versammelt. Im hinteren Bereich des Kontrollraums befanden sich eine Reihe wissenschaftlicher Terminals, der vordere Bereich war über einige Stufen nach unten abgesetzt und enthielt die üblichen Konsolen zur Kontrolle des Schiffs. Ein einziges Crewmitglied saß an einem der Terminals, eine junge menschliche Frau. Als Yxo, Sam und Nhet bewaffnet die Brücke betraten, stand sie vorsichtig auf und erhob die Hände. Sie war unbewaffnet. Sam fiel sofort auf, dass sie durchaus attraktiv war, eigentlich fiel es ihm noch vor allem Anderen auf, doch Yxo hatte als Cilthroide selbstverständlich kein Auge für menschliche Schönheitsideale. "Werde ich senil, hab ich nicht was von 'versammelt euch alle auf der Brücke' gesagt?" erkundigte sich der Cilthroide sarkastisch. "Ihr habt keine Chance, die Raymond zu kapern", entgegnete sie ruhig und gelassen, "dazu sind wir zu viele, und ihr kennt euch auf dem Schiff nicht gut genug aus. Es ist besser für euch, wenn ihr gleich wieder geht." "Tja", seufzte Yxo, "wenn alle hier so unbewaffnet sind, wie du, dann sieht's schlecht aus, für eure Raymond Kidogo. Wo ist die Crew? Warum bist du als Einzige auf der Brücke?" "So ein Schiff kontrolliert sich nicht von alleine", entgegnete sie, "und glaubst du, wir bleiben alle auf der Brücke, wenn du sagst, wir sollen uns da versammeln?" "Und warum bist du dann auf der Brücke", erkundigte sich Sam, "ein plötzlicher Anfall von Patriotismus?" "Eher ein plötzlicher Anfall von Loyalität gegenüber der Crew", erwiderte sie, immer noch ruhig. Sie lächelte, und dabei fiel Sam einmal mehr auf, wie hübsch sie war. Weshalb blieb sie so ruhig? Und saugte sie sich das Alles aus den Fingern, oder waren ihre Antworten wirklich so offen? "Ich weiß noch immer nicht, wo die Crew ist", antwortete Yxo und trat die Stufen nach unten. "Und ich werde dir nicht sagen, wo die Crew ist", lautete die Antwort der Unbekannten. Yxo tat einige weitere Schritte auf sie zu und richtete sein Gewehr genau auf ihren Kopf. Der Emitterkristall berührte ihre Stirn, Yxo trommelte ungeduldig mit einem seiner drei Finger neben dem Abzug. "Erschieß mich doch", lächelte sie. "Suchen wir die Crew einfach", schlug Sam vor, "und wenn wir sie nicht finden, können wir das Schiff wenigstens ungestört plündern." Yxo warf einen Blick zurück zu Sam, der noch immer mit Nhet auf der erhöhten Plattform der Brücke stand, dann machte der Cilthroide auf dem Absatz kehrt. "Nhet, wir durchsuchen das Crewmodul nach der Besatzung", befahl er, "Terraner, du passt auf die Brücke auf!" Entschlossen verließ Yxo die Brücke, gefolgt von Nhet. Sam blieb zurück, wie befohlen. "Was ist das hier für ein Schiff?" wollte er wissen. "Ein Außergewöhnliches", antwortete die Unbekannte.

 

Hinter der Brücke teilte sich der Gang. "Du links, ich rechts", meinte Yxo knapp, und er und Nhet trennten sich.

 

"Wer bist du?" erkundigte sich Sam, überrascht von der Antwort seiner Gegenüber, die nun einige Schritte auf ihn zu tat. Er richtete seine Waffe etwas genauer auf sie. "Ich bin Jenny."

 

Der Gang, in dem für dieses Schiff typischen Weiß gehalten, war nur spärlich beleuchtet. Nhet musste sich eingestehen, dass sie hier lieber nicht alleine wäre. "Ist da jemand?" flüsterte sie unsicher, als sie glaubte, im Zwielicht vor sich Stimmen gehört zu haben.

 

Wütend schritt Yxo den Korridor hinunter. Was machte der Terraner schon wieder für Zicken, was sollte dieses "Suchen wir die Crew einfach", Yxo hätte keine Schwierigkeiten gehabt, zu erfahren, wo sich die Besatzung aufhielt.

 

"Jenny", wiederholte Sam. Kein besonderer Name. Jenny war von Haut- und Haarfarbe her ein etwas dunklerer Typ, mit unverkennbaren asiatischen Einflüssen. Irgendwie durchschnittlich menschlich, und doch außergewöhnlich. "Wofür bist du hier an Bord zuständig?" fragte Sam weiter. "Wer bist du?" lautete Jennys Gegenfrage. Weiterhin ruhig und gelassen, und das würde sich auch nicht ändern.

 

"Hallo?" fragte Nhet und ging etwas langsamer voran, mit erhobenem Gewehr. Lächerlich, sagte etwas in ihr, einfach lächerlich, was sollte da schon sein, das sich nicht mit dem Gewehr aufhalten oder beseitigen ließe?

 

Weiter hinten war der Gang mit Kisten vollgestellt, die zusätzlich Licht verschluckten. Yxo musste den Gewehr-Scheinwerfer aktivieren. Die Schatten der Kisten tanzten durch den Korridor.

 

"Das musst du nicht wissen." "Du dringst auf diese Brücke ein und richtest eine Waffe auf mich", grinste Jenny, "da sollte ich schon wissen, wer du bist." "Sam." "Gut. Ich bin hier für Navigation und Kartographie zuständig. Du bist Pilot." "Woher weißt du das?" erkundigte sich Sam. Er wurde zunehmend unsicherer. "Weil du diese billige Pilotenjacke trägst", erwiderte Jenny lachend. "Ach so." Sie war faszinierend, und sie wirkte fremder, als jeder sonst, den er bisher getroffen hatte.

 

Nhet widerstand dem starken Drang, umzukehren. Vielleicht nur, weil sie dann diesem Korridor den Rücken zuwenden musste? Sie rang sich dazu durch, etwas energischer voran zu schreiten. Sie hatte das Gewehr, und sie hatte den Grav-Anzug, der sogar als Panzerung gegen Impulswaffen taugte. Was hatte sie zu befürchten? Was konnte sich schon in diesem Zwielicht verbergen?

 

Yxo feuerte in den Gang, als er eine Bewegung auszumachen glaubte. Der Lichtblitz des EM-Impulses, der sich, anders als der Scheinwerfer, nicht in einiger Entfernung zerstreute, offenbarte für einen Sekundenbruchteil die scheinbar ewige Länge des Korridors. "Verdammt, das ist doch zum Fressen..." fluchte Yxo. Hinter all diesen Kisten konnte sich eine halbe Armee verschanzt haben...

 

"Was ist denn so außergewöhnlich an diesem Schiff?" griff Sam zurück. Jenny tat einige Schritte um ihn herum, er drehte sich mit, noch immer die Waffe auf sie gerichtet. "Ich", grinste sie fröhlich. Als Sam baff nichts erwiderte, fügte sie lachend hinzu: "Unter Anderem."

 

Nhet erreichte einen Teil des Korridors, der mit Kisten vollgestellt war. Stimmen. Wieder flüsterten diese Stimmen. "Wer ist da?" keuchte sie und drehte sich mit dem Gewehr im Kreis. "Ich bin bewaffnet! Kommt raus!" quietschte sie verzweifelt. Die Stimmen flüsterten unbeirrt weiter, aus unmittelbarer Nähe.

 

Yxo beschloss, eine der Metallkisten zu öffnen. Er feuerte auf das elektronische Schloss, woraufhin der Deckel leicht aufschnappte. Langsam schob der Cilthroide die Abdeckung beiseite.

 

Jenny lächelte zufrieden vor sich hin. "Wir treffen selten andere Menschen", erklärte sie. "Wer ist 'wir'?" "Na die Crew der Raymond Kidogo. Erzähl mir von dir." Sam wurde misstrauischer, und stellte fest, dass er seine Waffe hatte sinken lassen. Nun richtete er sie wieder auf Jenny. "Du denkst, das ist ein Trick", stellte sie fest, "du glaubst, ich will dich komplett verwirren, damit ich dich überwältigen kann, weil ich Angst um mein Leben und um das der Crew habe." "Ja. Ja, das ist so ziemlich genau das, was ich glaube."

 

Nhet feuerte panisch um sich. Erschrocken rannte die Ursache für die Stimmen aus dem Versteck hinter den Kisten und tapste den Korridor entlang, noch immer vor sich hin murmelnd und tuschelnd. Nhet stellte das Feuer ein, als sie das kleine, meerschweinähnliche Wesen sah, wie es auf seinen sechs Beinen ängstlich flüchtete und Geräusche von sich gab, die wie Stimmengewirr klangen.

 

Schleim. Fast schon klischeehafter grüner, zähflüssiger Schleim befand sich in der Kiste. Ein fauliger und doch süßer Geruch stieg aus dem Behälter auf. Yxo schöpfte mit dem Emitterkristall seines Gewehre prüfend etwas Schleim in die Höhe, einige grünliche Fäden zogen sich zwischen Gewehr und Kiste entlang, schließlich streifte der Cilthroide die Substanz am Rand des Behälters wieder ab.

 

"Wenn ich dich überwältigen wollte, würde ich das anders tun", erklärte Jenny und riss Sam die Waffe aus der Hand, drehte sie in ihrer Hand um 180 Grad und richtete sie auf seinen Kopf, noch bevor er realisierte, was los war. "Ich kann dich erschießen", stellte sie fest und hatte dabei nichts von ihrer Ruhe und guten Laune verloren. Sam erwiderte nichts. Daraufhin wandte ihm Jenny den Rücken zu und feuerte einige Impulse auf eine Konsole ab, doch sie wollte nicht treffen, sondern zielte jeden Schuss knapp daneben, so dass die Ladungen harmlos in die Wand einschlugen. Ein Rahmen aus verkohlter, ehemals weißer Wandverkleidung umgab die Konsole, als sich Jenny wieder Sam zuwandte.

 

"Hey, hey, hey", meinte Nhet beruhigend und folgte dem Wesen. Ihre Panik war verschwunden. Es fiel ihr nicht schwer, das Wesen einzufangen und in die Tentakeln zu nehmen. "Na, was bist denn du für ein kleines Tierchen? Hab doch keine Angst."

 

Während Yxo seine Aufmerksamkeit dem Inhalt der Kiste gewidmet hatte, konnte sich der Unbekannte ihm nähern und versetzte Yxo einen gut vorbereiteten Tritt gegen den Unterarm. Die empfindliche Achselhöhle des Cilthroiden hatte er leicht verfehlt, also wirbelte dieser herum und schlug nach dem Angreifer, ein Mensch, der sich jedoch erstaunlich schnell wieder in ein paar Meter Distanz gebracht hatte. Yxo hob sein Gewehr.

 

"Du hättest mich jetzt überwältigen und dir deine Waffe wieder holen können", stellte Jenny fest. "Gib mir meine Waffe wieder", forderte Sam. Jenny gab ihm die Waffe zurück. "Und warum krieg ich sie jetzt wirklich wieder?" "Weil deine Freunde wissen, wo ich bin. Ich hätte keine Chance. Und warum hast du dir nicht deine Waffe mit Gewalt zurück geholt?"

 

Langsam entspannte sich das kleine Wesen wieder und murmelte leise und beruhigend vor sich hin. Nhet setzte sich hin und streichelte es. Es war so friedlich. Sie legte ihr Gewehr ab.

 

Kurz bevor Yxo feuern konnte, trat der zweite Mensch gegen den Gewehrlauf. Er konnte nicht genug Kraft aufbringen, dem Cilthroiden die Waffe aus der Hand zu treten, doch er hinderte Yxo am Schießen, woraufhin der erste Angreifer wieder auf den Cilthroiden zu rannte. Yxo sprang zur Seite, der Mensch prallte gegen die Kiste und konnte sich gerade noch mit rudernden Armen auf den Beinen halten, um nicht kopfüber in den Behälter zu kippen. Mit einem gezielten Kinnhaken schlug Yxo ihn k.o.

 

"Keine Ahnung", meinte Sam. "Weil du nicht bereit bist, mir etwas anzutun", sagte Jenny, "und weil du Angst vor mir hast." "Ich habe keine Angst vor dir." "Doch, du hast Angst vor mir, weil du glaubst, dass ich telepathisch begabt bin und deine Gedanken lesen kann." "Da hast du recht, das ist der Grund", gab Sam zu und ließ Jenny weiterhin nicht aus den Augen, dieses Mal, ohne die Waffe auf sie zu richten. "Es stimmt aber nicht, ich bin kein Telepath", meinte sie, "ich kann Menschen nur sehr gut einschätzen."

 

Nhet fühlte, dass das Wesen glücklich war, und das machte sie glücklich.

 

Yxo konnte das Gewehr auf den zweiten Menschen richten, noch bevor dieser erneut angreifen konnte. Der Terraner hob ruhig die Arme über den Kopf. Dem Cilthroiden fiel nun auf, dass die beiden Menschen die gleichen hellgrauen, fast weißen Overalls trugen, wie die Terranerin auf der Brücke. Dies schien also die Crew des Schiffes zu sein, drei Lebensformen im Besatzungsmodul, dann fehlte ja nur noch eine. Yxo zog sein Kom-Gerät hervor und rief Nhet. "Ich hab zwei weitere Crewmitglieder überwältigt, wie sieht's bei dir aus?" "Es ist so niedlich", lautete Nhets Antwort. Der Mensch vor Yxo schmunzelte, als wisse er, worauf sich Nhet bezog. "Was?!" entgegnete Yxo verständnislos.

 

Jennys Worte beruhigten Sam wieder etwas. Er musterte sie sorgfältig. "Du bist total verrückt", grinste er schließlich, "ich komm' mir vor, wie in einem mobilen Irrenhaus." Jenny lachte. "Wir sind hier vielleicht außergewöhnlich, aber es gibt im Universum viel verrücktere Dinge." Sam steckte die Waffe ein. "Erzähl' doch mal, wer bist du? Ich meine nicht 'Jenny, zuständig für Navigation und Kartographie'. Das beschreibt doch nichts, wer du bist?" Jenny ließ sich im nächsten Sitz nieder. "Nun, wo fang' ich am Besten an...?"

 

"Es ist ja so niedlich, und so friedvoll", seufzte Nhet. Irgendetwas konnte da nicht stimmen. "Der schnellste Weg zum parallelen Gang da drüben!" forderte der Cilthroide den Menschen vor sich knapp auf. "Ja, nur mit der Ruhe", antwortete sein Gegenüber gelassen, "da hinten ist ein Verbindungsweg. Wir sollten ihn aber nicht hier liegen lassen." Yxo blickte den zweiten Menschen an, der bewusstlos am Boden lag, dann packte er ihn und warf ihn sich über die Schulter. "Dann führ' mich auf die andere Seite, und keine Tricks, kapiert, Erdling?" "Ja, was sollte ich auch schon groß für Tricks versuchen?" In etwas schnellerem Gang führte der Mensch Yxo den Korridor hinunter, bis zu einem Schott in der Wand.

 

Sam grinste. "Fang einfach an mit: 'Ich bin auf dieses Schiff gekommen, weil, dieses Schiff ist übrigens so außergewöhnlich, weil', und so weiter." "Na gut... Ich bin auf diesem Schiff aufgewachsen, weil meine Eltern zur Crew gehören, und dieses Schiff ist übrigens so außergewöhnlich, weil es sich um ein Forschungsschiff handelt, in freier Mission, lediglich der Wissenschaft verpflichtet. Und ich bin stolz, eine bedeutende Rolle in dieser Mission zu spielen." "Genaueres werde ich zu dem Schiff nicht erfahren, oder?" "Ganz richtig", grinste Jenny. "Dann geb' ich's auf. Obwohl, etwas würde mich schon noch an dem Schiff interessieren: Ist es nicht langweilig, so eine lahme Kiste zu fliegen?" "Es gibt keine Hektik", antwortete Jenny achselzuckend, "und immerhin haben wir ein Landungsboot, wie es sich für ein richtiges Schiff gehört."

 

Auf dem Weg zu Nhet kam der zweite Mensch wieder zu Bewusstsein, was Yxo prompt nutzte, ihn unsanft fallen und selbst gehen zu lassen. Als die drei Nhet erreichten, glaubte Yxo, seinen Augen nicht zu trauen. Sie saß an eine Kiste gelehnt am Boden und hatte ein hässliches Wollknäuel in den Tentakeln, streichelte es, ihre Waffe hatte sie achtlos auf den Boden gelegt. "Es ist so friedlich", freute sie sich, während ihr Kamm fröhlich hin und her wippte. "Dir geht's wohl zu gut?" rief Yxo und packte das Wesen, um es ihr aus den Tentakeln zu reißen. Es fing laut zu plappern an. "Du machst ihm Angst", rief Nhet außer sich und sprang auf, "lass' es los!" "Nhet, was ist mit dir los, spinnst du?!" Nhet packte ihr Gewehr und richtete es auf Yxo. "Lass' es in Ruhe!" rief sie. Yxo richtete sein Gewehr nun ebenfalls auf Nhet, einer der beiden Menschen schob sich zwischen die beiden. "Das ist etwas heikel", erklärte er, "geben Sie mir mal das Wesen." Verständnislos blickte Yxo zwischen Nhet, dem Wesen und dem Menschen hin und her, schließlich tat er, wie geheißen. Der Terraner streichelte das Wesen. "Ganz ruhig, Felicity, du brauchst keine Angst haben. Komm', lass' jetzt bitte die freundliche Gfeye los, ja? Keine Angst." Langsam sank Nhets angespannter Kamm etwas herab, dann ließ sie auch ihre Waffe sinken. Sie starrte Yxo verdutzt an. "Das klingt jetzt vielleicht ein klitzekleines bisschen lächerlich", sagte sie, "aber ich war nicht ganz ich selbst." "Felicity hier ist empathisch begabt", erklärte der Mensch bereitwillig, während sich das kleine Wesen schutzsuchend in seinen Armen vergrub, "seine Stimmung färbt sozusagen ab... Wer dazu neigt, sehr emotional zu reagieren, sollte sich nicht zu lange mit ihm auseinander setzen." "'Felicity'..." seufzte Yxo gereizt. "Er hat mich richtig in seinen Bann gezogen", meinte Nhet verwundert, "was ist das für ein Wesen?" "Hat die Diskussionsrunde hier vielleicht etwas dagegen, jetzt auf die Brücke zu gehen", erkundigte sich Yxo ironisch, "da wir jetzt die Crew gefunden haben... Ich geh' vor, Nhet, du bildest den Schluss. Ohne Felicity."

 

"Sie reagiert träge, aber unheimlich dynamisch", erzählte Jenny und vollführte dabei eine vergnügte Geste um sich herum. "Tja", entgegnete Sam und folgte ihr in den abgesetzten vorderen Teil der Brücke, "die Schiffe, die ich für gewöhnlich flieg', reagieren alle schnell und akribisch genau." Sie wollte sich an die Navigationsstation setzen. "Hey..." machte Sam bestimmt. Jenny schmunzelte und setzte sich trotzdem an das Terminal, unternahm aber keinen Versuch, auf irgendwelche Sicherheits- oder Kommunikationssysteme zuzugreifen. Sam trat näher an das Terminal und sah ihr zu, viel mehr interessiert, als überwachend. Es gab keinen Steuerknüppel, die manuelle Flugkontrolle lief über Tastaturbefehle. Sam war fasziniert davon, wie ihre Hände über die Kontrollen huschten. Unheimlich dynamisch, und alles Andere als träge. Sie aktivierte die Triebwerke und ließ das Schiff einen engen Looping beschreiben. "Das Handling ist sehr ungewöhnlich", erklärte sie und grinste ihn schief an, als sie den Blick von den Brücken-Sichtfenstern nahm. "Hey", rief sie, "es wäre bestimmt interessant gewesen, während des Manövers die Sterne anzustarren, anstatt der Pilotin." "Ach", entgegnete Sam schulterzuckend, "ob das jetzt wirklich soo viel interessanter gewesen wäre..."

 

"Was, verdammt, was machen wir jetzt?" stöhnte Prof. Dr. Thomas Vuorinen und fuchtelte wild mit den Händen in der Luft herum, während er im Aufenthaltsraum des im Frachtraum befindlichen Labors hin und her trampelte. Der Bildschirm des einzigen Zugriffsterminals im Raum zeigte die Positionen der Crew und der Piraten auf einem Grundriss der Raymond an. "Wir haben zu viert doch keine Chance gegen die", antwortete Dr. Elena Vuorinen verzweifelt, "und die sind auch noch bewaffnet." Sie ließ das Gesicht in die Hände sinken und saß ruhig am Tisch, während ihr Mann weiter auf und ab schritt. "Wenn wir uns ihnen von Anfang an geschlossen entgegen gestellt hätten, wir UND die technische Crew,..." warf Dr. Nowotny schon wieder ein. "...hätten wir auch nichts erreicht", ergänzte Thomas Vuorinen aufgebracht, "sie sind bewaffnet, wir nicht. Sie sind hier eingedrungen. Es war unsere einzige Chance, hier zu bleiben, und der Crew zu sagen, sie soll sich auch verstecken. Die Piraten hätten dann niemanden vorgefunden und ein paar billige Ersatzteile geplündert, oder sonst was, aber die Crew..." "Es war mutig von ihnen", antwortete Elena Vuorinen und bezog sich damit auf Jennys Beschluss, weiterhin die Brücke besetzt zu halten und auf den Versuch der restlichen Crew, den Cilthroiden zu überwältigen. "Es war nicht mutig, es war unvernünftig, nichts als unvernünftig", widersprach die vierte Wissenschaftlerin im Raum, Obuchi, "und dann haben sie auch noch so desorganisiert Widerstand geleistet. Sie sind doch keine ausgebildeten Soldaten, Herrgott, und haben von Taktik und Schiffsverteidigung keine Ahnung! Sie hätten getötet werden können!" "Das können sie immer noch!" schrie Elena Vuorinen. Sie war gerade dabei, die Nerven zu verlieren.

 

Langsam driftete der mächtige, strahlend weiße Rumpf der Raymond Kidogo durch den Raum zwischen den Galaxien. Die Umgebung wurde für Sekundenbruchteile von einem Lichtblitz erhellt, als das kleine, nachtschwarze Raketenboot aus dem Hyperraum auftauchte, ein Missile absetzte und wieder zurück in den Hyperraum verschwand, innerhalb einer knappen Sekunde. Das Missile sprang auf die Raymond Kidogo zu und rammte das Schiff, umhüllte den gesamten Rumpf mit einem elektromagnetischen Impuls.

 

Durch die Kollision mit dem Missile schwankte das Deck kaum merklich, bei Weitem nicht genug, um Yxo, Nhet und die beiden Crewmitglieder von den Füßen zu reißen. Viel mehr Effekt hatte der EM-Impuls, den das Missile frei gesetzt hatte. Das Licht fiel aus, die Gruppe verlor den Boden unter den Füßen, als die künstliche Schwerkraft aussetzte. Lediglich Yxos Fluchen und das aufgeregte Geplapper von Felicity störten die totale Stille, die einige Sekunden lang herrschte, bis tief in den Eingeweiden des Schiffes die Notstrombatterien in Betrieb gingen und wieder die normalen Umweltbedingungen herstellten. "Was war das", rief Nhet aufgeregt, "wobei ich persönlich ja nichts dagegen hätte, wenn wir die Schwerkraft runter gedreht lassen würden..." Die Menschen hatten in dem kurzen Chaos keinen Fluchtversuch unternommen. "Die Sub-Hyperspule ist ausgefallen", stellte eines der Crewmitglieder unruhig fest, "Notstrom online." "Wir hatten kurz vor dem Ausfall einen leichten Zusammenstoß mit irgendetwas", merkte Yxo an und zückte sein Kom-Gerät, "Yxo an Sam, was zum Tixem ist da passiert?!"

 

Prof. Dr. Vuorinen ließ sich von dem Zugriffsterminal sofort die Sensorenaufzeichnungen anzeigen. Irgendetwas, wahrscheinlich ein Schiff mit Tarnkappe, hatte einen Blitzangriff auf die Raymond durchgeführt. "Dieses Missile hat gezielt unsere Sub-Hyperspule außer Gefecht gesetzt", meinte Vuorinen, zu erkennen. "Nicht ganz", widersprach ihm Dr. Obuchi, "der EM-Impuls hat einfach sämtliche Verbindungen zur Spule außer Gefecht gesetzt, Energierelais, Kühlmittelpumpen, alles!" Das bedeutete ein Problem... Thomas Vuorinen beschloss, die Funkstille zu brechen und damit zu riskieren, den Piraten seine Position im Schiff preis zu geben.

 

Sam hatte gerade ein "Keine Ahnung..." heraus gebracht, als die Meldung kam. Yxo erkannte die Stimme des Menschen wieder, mit dem er kurz vor Betreten der Raymond Kidogo gesprochen hatte: "Vuorinen an gesamte Crew! Das Schiff ist beschossen worden, unbekannter Gegner, die Sub-Hyperspule läuft heiß! Gleich fliegt uns die Spule um die Ohren!" Die beiden Crewmitglieder blickten Yxo fragend an. "Wenn das ein Trick ist, dann kriegt ihr Ärger", drohte der Cilthroide, "jetzt geht schon und unternehmt irgendwas!" Yxo und Nhet folgten den beiden Menschen, als sie den Korridor entlang rannten, tiefer in den Rumpf der Raymond Kidogo, während einer von ihnen sich laut meldete: "Thomas, hier ist Doyle! Wir kümmern uns um die Spule."

 

"Jenny, was zur Hölle war das?" rief Sam, während sie versuchte, Daten aus dem Navigationsterminal heraus zu holen. "Thomas scheint recht zu haben", erklärte sie schnell, zeigte jedoch keine wirkliche Aufregung, "es war ein Angriff, ein Tarnkappenschiff hat auf uns geschossen, der Computer hat keine weiteren Daten über den Angreifer sammeln können. Und ich kann hier einfach keinen Zugriff auf die Hyperspule nehmen." "Vielleicht war es ein Impulsmissile", vermutete Sam und blickte sich nervös um, in der Hoffnung, eine Möglichkeit zu finden, etwas zu unternehmen. Sollte eine zweite Piratenbande Interesse an der Raymond Kidogo haben? "Impulsmissile ist sogar sehr wahrscheinlich", bestätigte Jenny und zeigte mit diesem unvollständigen Satz erstmals ein Zeichen von Hektik, "aber das war etwas Besonderes. Der Impuls hat tatsächlich nur die Elektronik um die Sub-Hyperspule betroffen, jegliche Verbindungen dazu sind ausgefallen." "Das heißt, die Spule wird über ihre eigene Energieversorgung selbstständig weiterlaufen und ohne Kühlmittelzufluss überhitzen..." führte Sam den Gedankengang fort. "Ganz recht", bestätigte ihm Jenny und gab den Versuch auf, von ihrem Terminal aus irgendetwas zu bewirken. In diesem Augenblick meldete sich Yxo über das Kom. "Yxo an alle, wer auch immer das sein mag, wir sind jetzt im Maschinenraum." "Wir versuchen, die Spule manuell zu deaktivieren", bemerkte eines der Crewmitglieder. "Total kaputt", drängte sich auch Nhet in die Verbindung, "alles um die Spule ist zusammen geschmort! Da hat irgendwer ganz irre Arbeit geleistet..." "Du", rief der andere Techniker, "geh' an die Feldprozessoren achtern und entferne sie vom Hauptkörper der Spule, wir übernehmen Steuerbord und Backbord!" "Aber immer!" bestätigte ihm Nhet hastig. Die Kom-Verbindung war von einem immer weiter anschwellenden Dröhnen hinterlegt. Sam kaute auf seiner Lippe herum. Jenny hörte aufmerksam den Geschehnissen zu. Klappernde Geräusche, ein Zischen. "Ich krieg' diese jämmerlichen Feldprozessoren nicht von der Spule, so ein gequirlter Dreck hier auch!" fluchte Nhet. Sam zuckte zusammen, als Waffenfeuer über die Verbindung zu hören war. "Bist du wahnsinnig", rief ein Techniker und hatte damit die Beherrschung verloren, "hör' auf, auf die Feldprozessoren zu schießen!" "Anders kriegen wir die Teile nicht außer Betrieb!" entgegnete Nhet. Sam raufte sich die Haare. Weiterhin Waffenfeuer, schließlich klang das dröhnende Geräusch schnell ab und erstarb schließlich. "Die Spule ist außer Betrieb!" meldete einer der Techniker, nicht ohne einen gewissen Triumph in der Stimme. "Na, und wem habt ihr das natürlich zu verdanken?" erkundigte sich Nhet vielsagend. "Ihr könnt wirklich froh sein", bestätigte Yxo, "Nhet hat euch allen euer Scheiß-Leben gerettet. Die Raymond Kidogo wäre uns allen um die Ohren geflogen." "Und es hätte im Nachhinein wie ein technischer Defekt ausgesehen", erkannte Jenny grübelnd. Sam zog überrascht die Augenbrauen hoch, als er begriff, was Jenny damit sagen wollte. "Du meinst, es war ein Mordanschlag?" erkundigte er sich verständnislos. "Das halte ich sogar für sehr wahrscheinlich", stimmte ihm Prof. Dr. Thomas Vuorinen zu. Er und Elena Vuorinen standen in der Tür zur Brücke. Unbewaffnet. Beides charismatische Menschen eher fortgeschrittenen Alters, deren leicht faltige Gesichter eine gewisse Weisheit verbargen. Sie trugen zivil. Sam fuhr herum und richtete seine Waffe auf die beiden. "Wer sind Sie?" wollte er bestimmt wissen. "Ich bin Prof. Dr. Thomas Vuorinen, und das ist meine Frau Dr. Elena Vuorinen." "Was wollt ihr hier", fragte Jenny, "im Labor wart ihr sicher!" Elena Vuorinen blickte Sam an. "Nehmen Sie uns als Geiseln. Lassen Sie Jenny gehen, und sagen Sie Ihren Verbrecherkollegen, sie sollen Doyle und John frei lassen, dafür stellen wir uns Ihnen als Geisel zur Verfügung." Sam kniff die Augen zusammen. "Alles, was wir wollen, ist irgendetwas von Ihrem Schiff, woraus man Geld machen kann, dann dürfen Sie alle wieder gehen, mitsamt Ihrem Schiff." "Was ist denn da oben los", erkundigte sich Yxo über das Kom, "meint da jemand, Geiselaustausch machen zu können, oder was? So was wie Geiseln gibt's hier nicht, wir wollen nur eure Fracht, natürlich nur, wenn dann niemand auch einen Mordanschlag auf uns verübt... Wir kommen jetzt auf die Brücke, aber auf dem Weg könnt ihr uns schon mal erzählen, was zur Hölle hier vor geht! Was ist das für ein Schiff? Was ist eure Fracht? Warum will euch jemand aus Spaß an der Freude umbringen?" "Ihr habt ja keine Ahnung", stieß Prof. Dr. Vuorinen wütend hervor, "ihr findet hier an Bord nichts, das euch dreckiges Geld bringt!" Jenny stand vorsichtig auf und drängte sich vor Sam, um die Schusslinie zu blockieren. Sam senkte seine Waffe. "Und warum finden wir hier nichts, was uns 'dreckiges' Geld bringt?" erkundigte er sich. "Weil dies hier ein spezialisiertes Laboratorium ist, und kein Müllfrachter!" entgegnete Vuorinen. "Hat das irgendwas mit dem grünen Schleim im Korridor zu tun", fragte Yxo, "oder mit den wirren Lebensform-Anzeigen aus dem Frachtraum?" Vuorinen schien immer wütender zu werden, über das Eindringen der Piraten auf sein Schiff, während seine Frau ruhig neben ihm stand. Doch es war nicht die Ruhe, welche die Crew ausstrahlte, sondern eher eine unnatürliche, gedrängte Ruhe. "Hören Sie mir zu, Sie sind ja so ignorant", brach Thomas Vuorinen hervor, "wir sind die Götter des vierten Jahrtausends!" Jenny seufzte leise, als hätte sie eine derartige Äußerung erwartet, während sich Sam nun sicher war, mit einem Wahnsinnigen zu sprechen. "So", erkundigte er sich zynisch, "und können Sie mir auch erklären, warum Sie die Götter des vierten Jahrtausends sind?" "Ihren Sarkasmus können Sie sich schenken", ärgerte sich Vuorinen, "dies ist das effektivste genetische Labor, das überhaupt existiert. Sind Sie jetzt zufrieden? Werden Sie jetzt gehen und uns in Frieden lassen? Wir haben hier nichts, das für Sie von Wert wäre, keine teuren Produkte, keine Erze. Nur biologisches Material und Lebensformen, die Sie sich in Ihren Träumen nicht vorstellen könnten." Sam dämmerte allmählich, was hier vor sich ging. Was Klonen oder künstliches Leben anging, waren die Terranischen Gesetze sehr strikt. Genetiker waren in ihrer Handlungsfreiheit sehr eingeschränkt, künstliches biologisches Leben war ein Tabuthema. Vuorinen war ein durchgeknallter Wissenschaftler, der in den Tiefen des Weltraums, fernab von staatlicher Aufsicht, Gott spielen wollte. Der Anschlag auf die Raymond Kidogo war ein Beweis dafür, dass gewisse Subjekte nicht mit Vuorinens Arbeit einverstanden waren. Sam richtete seine Waffe wieder auf den Wissenschaftler, drängte Jenny mit sanfter Gewalt beiseite. Er antwortete dem Genetiker jedoch nicht, sondern wandte sich an die junge Frau: "Jenny... Wie lautet dein Nachname?" "Es ist schwierig zu erklären..." wich sie aus. "Etwa Jenny Vuorinen?" wollte Sam wissen. "Du verstehst das nicht", entgegnete sie, "Thomas und Elena Vuorinen sind praktisch meine Eltern." In diesem Augenblick betraten auch Yxo, Nhet und die anderen beiden Crewmitglieder die Brücke. "Stammt die gesamte Crew aus dem Reagenzglas des Möchtegern-Herrschers?" wollte Sam wissen. Nun ließ er Vuorinen keine Sekunde mehr aus den Augen. "Sam, wir sind aus freiem Willen hier", rief Jenny, "Thomas ist kein fanatischer Psychopath!" "Seid ihr seine Schöpfungen?" rief Sam. "Sie sind UNSERE Schöpfungen", brach Elena Vuorinen heraus. "Sie sind krank", stellte Sam fest. "Wer ist hier krank", widersprach Vuorinen, "wer hat eine Waffe in der Hand? Verlassen Sie mein Schiff. Gehen Sie, lassen Sie uns in Frieden!" Sam überkam der plötzliche Drang, von diesem Geisteskranken so weit weg zu kommen, wie nur möglich. "Er hat recht", stieß er hervor und ging auf die Bodenluke zu, die zu den angedockten Piratenschiffen führte, ohne jedoch die beiden Wissenschaftler aus den Augen zu lassen, "hauen wir hier ab. Wir sind nicht krank genug für dieses Schiff..." "Hey", quietschte Nhet, "und wenn der komische Alte lügt, und die haben doch wertvolles Zeug hier...?" "Da ist mir egal, ich muss hier raus!" Mit diesen Worten machte sich Sam auf den Weg durch die Luke. "Hey, warte!" rief ihm Jenny nach. Nhets Kamm wippte leicht. "Vielleicht hat er was Falsches gegessen", vermutete sie. Jenny sprang ebenfalls durch die Luke, um Sam zu folgen, die Vuorinens riefen ihr nach, doch Yxo hinderte die beiden mit einem Gewehrwink daran, ihr auch noch zu folgen. "Ach, versteh' einer die Terraner", seufzte der Cilthroide, "Nhet, du passt auf die Terraner hier auf, ich geh' und hol' den Terraner und die Terranerin..." Damit machte sich auch Yxo auf den Weg nach unten.

 

Das große Schott am Ende des Korridors hatte sich gerade wieder geschlossen. Offenbar war jemand geflüchtet, als Sam das Deck betreten hatte, und er wollte wissen, wer. Er rannte ebenfalls den Gang entlang, das Schott öffnete sich vor ihm, und kurz bevor es sich hinter ihm wieder geschlossen hatte, hörte er Jenny rufen. Verdammt, die waren doch alle total verrückt... Und er selbst hatte auch den Eindruck, daran verrückt zu werden... Er befand sich nun in einem weiteren Gang, natürlich auch in freundlichem Weiß, und wieder konnte er eine sich schließende Tür sehen, dieses Mal in der Wand des Korridors. Er folgte seinem Ziel, und konnte mit dem Arm gerade noch den Hieb abblocken, den ihm jemand mit einer Stehlampe versetzen wollte, als er den Raum betrat. Sam richtete seine Waffe direkt auf den Kopf des Angreifers, woraufhin dieser die Lampe fallen ließ und die Hände hob. "Wer bist du", schrie Sam ihn an, "bist du auch so ein Psycho?! Was willst du?" Der Mensch, deutlich jünger als Dr. Vuorinen, gab bereitwillig mit zittriger Stimme Auskunft: "Nowotny, Dr. Pierre Nowotny, ich suche Prof. und Dr. Vuorinen... Verdammt, sind Sie einer von diesen Piraten? Haben Sie uns angegriffen?" Der Mann wirkte so ängstlich, dass Sam sich instinktiv wieder beruhigte. "Keine Sorge", versicherte er Nowotny, "den Vuorinens geht es gut." Dann fügte er noch hinzu: "Zumindest körperlich... Glauben Sie auch, Sie sind ein Gott des vierten Jahrtausends?" Obwohl Sam noch immer mit der Waffe auf ihn zeigte, schien der Wissenschaftler sich deutlich zu beruhigen, als Sam aufhörte, ihn anzubrüllen. Nowotny schmunzelte sogar. "Wie ich sehe, haben Sie auch schon festgestellt, dass die Vuorinens ein wenig exzentrisch sind..." Ein wenig exzentrisch... Sam hätte fast laut aufgelacht. Sein Blick fiel an die Wand hinter dem jungen Wissenschaftler, und erst jetzt fiel ihm auf, dass er sich offenbar in der Kabine von irgendjemandem befand. An dieser Wand hing ein 3-D-Foto, und es fesselte Sam so, dass er ganz vergaß, auf Nowotny aufzupassen. Der Wissenschaftler begab sich vorsichtig aus der Schusslinie, während Sam das Bild betrachtete. Es zeigte die dreiköpfige Crew der Raymond Kidogo, darunter auch Jenny, nur im Jugendalter. Außerdem waren auf dem Foto die Vuorinens zu sehen, sowie Nowotny, ebenfalls erkennbar jünger, und eine vierte Person, dem weißen Kittel nach, den alle Wissenschaftler auf dem Bild trugen, wohl auch eine Genetikerin. Außerdem waren auf dem Foto noch zwei weitere Crewmitglieder der Raymond Kidogo zu sehen, in ihren typischen Overalls, und sie alle standen lächelnd zusammen, gemeinsam mit einer Gruppe insektoid wirkender Lebewesen, vor einem großen, kuppelförmigen Steingebäude. Sam hatte diese insektoide Spezies und den Kuppelbau schon einmal gesehen, und zwar in den Nachrichten. Die Spezies hieß Yeebac. Vor Jahren tobte auf dem Heimatplaneten dieser Spezies, deren Regierungsgebäude eben dieser unverkennbare, auf Stelzen errichtete Kuppelbau war, eine unheilbare Seuche, die Millionen dahin raffte. Eines Tages war diese Seuche so schnell verschwunden, wie sie aufgetaucht war. Die Regierung der Yeebac hatte keinerlei Informationen zum Sieg über die Seuche preisgegeben. Und gerade auf diesem Foto, das im Schlafzimmer von jemandem hing, wie ein Familienbild, standen Crew und Wissenschaftler der Raymond Kidogo friedlich und glücklich zusammen mit den Yeebac. Jenny betrat den Raum. "Ihr habt die Yeebac-Seuche besiegt", vermutete Sam baff. Jenny lächelte. "Alles hat zwei Seiten, auch die exzentrischen Wissenschaftler." Sam wandte sich zu Jenny um. "Was seid ihr für Typen?" "Wirst du mir auch zuhören?" Nun betrat auch Yxo den Raum. Sam nahm Jennys Hand und versicherte ihr: "Ich werde dir zuhören." Yxo seufzte. "Ich komm' später noch mal, wenn das Gesülze vorbei ist, okay?" Sam ignorierte Yxo und blickte Jenny erwartungsvoll an. "Ich bin doch kein Monster", meinte sie, erstmals hastig, als müsse sie alles so schnell wie möglich loswerden, "es ist dir überlassen, was du von Thomas und Elenas Art und Weise, eine Familie zu gründen, denkst, aber du darfst uns nicht verurteilen. Sicher, die beiden haben ein oder zwei Schrauben locker, aber ich bin ein Mensch aus Fleisch und Blut, und sie sind auch Menschen aus Fleisch und Blut." "Menschenpack..." murmelte Yxo vor sich hin. Jenny stand auf und ging im Raum auf und ab. "Die Genetiker der Raymond Kidogo sind keine Psychopathen, sondern Visionäre", fuhr sie fort. Nun meldete sich auch Dr. Nowotny zu Wort: "Wir spielen hier nicht willkürlich mit Leben rum, wie Sie vielleicht vermuten", meinte er, "wir haben konkrete Ziele: Bekämpfung von ganz bestimmten Seuchen und Erbkrankheiten. Und wir praktizieren hier keine grausamen Versuche, sondern seriöse, vorsichtige Medizin. Außerhalb der Terranischen Gesetze, zugegeben." "Heiligt der Zweck die Mittel?" wollte Sam wissen und warf einen weiteren Blick auf das Foto. "Ja", versicherte ihm Nowotny. "Ich will gar nicht wissen, was für Mittel das sind", seufzte Sam und wandte sich wieder Jenny zu: "Aber ihr, du und deine Geschwister, ihr werdet hier doch benutzt. Ihr seid eine gezüchtete Crew." Jenny schüttelte den Kopf und deutete auf die zwei zusätzlichen Crewmitglieder auf dem Foto. "Siehst du die beiden da?" "Ja. Ich hab' sie an Bord noch nicht gesehen." "Das liegt daran, dass sie nicht an Bord sind", grinste Jenny, "der hier ist ebenfalls Pilot geworden, und die hier hat sich als Farmerin abgesetzt. Weil sie es so wollten." "Und ihr wolltet als Besatzung auf der Raymond Kidogo bleiben?" Jenny stellte sich mit verschränkten Armen vor das Foto und betrachtete es. "Ich möchte solche Momente um nichts in der Welt verpassen. Die Raymond Kidogo hat damals Milliarden gerettet, und ich war ein Teil davon. Ich bin hier, um dabei zu helfen, Leben zu retten." Sie blickte Sam aus den Augenwinkeln an. "Und ich kann dabei auch noch ein ziemlich cooles Raumschiff fliegen", fügte sie lachend hinzu. Sam blickte sie forschend an. Es war schwierig, ein Urteil zu fällen, und genauso schwierig war es, sich keines zu bilden. Sicher war nur, dass Jenny von dem, was sie tat, überzeugt war. "Es beeindruckt mich, dass du etwas tun kannst, von dem du derart überzeugt bist", gab er schließlich zu. Sie lächelte. "Nun, da das geklärt ist", meldete sich Yxo wieder, "können wir uns vielleicht ENDLICH irgendetwas Wertvolles von diesem Schiff schnappen, und dann verschwinden, oder wollen wir uns hier etwa ein Nachtlager einrichten? Ich hätte ein paar Decken auf meinem Schiff, wir können uns zum Abendessen grünen Bio-Schleim grillen und dabei singen..."

 

Auch nach wiederholter Durchsuchung fanden die Raumpiraten an Bord der Raymond Kidogo nichts Verkaufbares, außer einigen alten Ersatzteilen, so dass schließlich die Laderäume der beiden Piratenschiffe mit wertlosem Plunder gefüllt und Yxo ziemlich gereizt war.

   Die Luke zur Faint stand offen, drinnen begann Nhet bereits, die Systeme des kleinen Schiffs für die Flucht zu checken. "Ihr seid Piraten und wollt euch jetzt nach einem mehr oder weniger gelungenen Coup auf die Flucht machen", stellte Jenny amüsiert fest, "aber wir stehen uns hier gegenüber wie am Raumhafen." "Tja, es ist ein immerhin Abschied", seufzte Sam, "und um das mal gleich zu erwähnen, wahrscheinlich werden wir uns niemals wieder sehen." "Ach, das hättest du wohl gerne, hm", lachte Jenny, "hast du auf jedem Schiff eine, oder ist dir deine weibliche Begleitung auf der Faint so wichtig?" "Ich bin sprachlos", grinste Sam. Dann fügte er hinzu: "Bleibt wohl ein 'Auf Wiedersehen'." "Auf Wiedersehen", sagte auch Jenny. Beide taten ohne ein weiteres Wort einige Schritte zurück, bis sich schließlich das Schleusentor schloss.

   Als Sam das Cockpit der Faint betrat, meldete sich prompt Yxo über das Kom: "Sag mal, was sollte das Rumgesülze die ganze Zeit? Als ich mich von Xil getrennt hab', gab's auch nicht so ein Theater, und wir waren immerhin fünf Jahre zusammen!" "Eben", antwortete Sam knapp und ließ sich in den Pilotensitz fallen.

 

Zwei helle Lichtblitze entstanden, als die Lebensquell und die Faint in den Sub-Hyperraum eintraten, während die Raymond Kidogo träge, aber dynamisch vor sich hin trieb.

 

ENDE