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2001 Marco Kaas
von Marco Kaas
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Angespannt saßen Sod, Svenia Huygens und Celtros um das Steuerungselement der Kapsel. Sod kannte sich als Esialo und als Pilot mit der Nahtransportkapsel am besten aus, deshalb steuerte er das Flugobjekt über die weitflächigen Wohnkomplexe der Esialoschen Stadt, in Richtung Raumflughafen. "Wie wär's, wenn wir uns ein bisschen beeilen?" erkundigte sich Svenia sarkastisch. "Ich sag's dir jetzt zum dritten Mal", maulte Sod zurück, "diese Kapsel kann nicht schneller fliegen! Außerdem sollten wir jetzt nicht die Verkehrssicherheitsverordnungen verletzen, wo alles glatt gelaufen ist." "Ewig haben wir aber auch nicht Zeit..." Eine Meldung leuchtete an der kleinen Steuerungskonsole im Zentrum des Flugobjekts auf. Sod schnaubte. "Jetzt hat sich das sowieso erübrigt, wir werden von Bullen verfolgt." "Dann können wir uns jetzt ja beeilen", entgegnete die Terranerin. Sod antwortete nicht, sondern ließ die Transportkapsel auf den nächsten freien Platz sinken. "Seid ihr euch sicher, dass es so eine gute Idee ist, jetzt zu landen?" wollte Celtros unruhig wissen.
Die kuppelförmige, etwa vier Meter durchmessende Kapsel fuhr lange, gekrümmte Stützbeine aus und federte damit die Landung auf dem kargen, leeren Innenhof ab. Sekunden später setzte die eher kantige, schwarze Polizeikapsel im Hof auf.
"Ich hoffe, du hast einen verdammt guten Plan", seufzte Svenia. "Eigentlich nicht", gestand Sod und öffnete die Eingangsluke. Eine Esialo-Beamtin betrat die enge Kapsel. Ihr Körper besaß eine reptilienartige Form, was besonders am Kopf deutlich wurde, allerdings ohne jegliche Schuppen. Dass es sich um einen weiblichen Esialo handelte, war an der geringeren Körpergröße und der gelblichen Farbgebung der Haut, sowie an einem Knochenkamm unterm Kinn zu erkennen. Sie musterte die Personen in der Kapsel. Sod war ein Esialo, Svenia ein Mensch und Celtros ein Oren, mit einer wulstigen Nasenform und einem augenähnlichen Organ an der Stirn, mit dem er Radiowellen registrieren konnte. "Hallo", begrüßte Sod die Beamtin freundlich. "Hallo", antwortete die Beamtin, nicht ganz so freundlich, "na, haben wir es ein wenig eilig?" "War ich etwa zu schnell?" erkundigte sich Sod unschuldig. "Ja. Zeigen Sie mir bitte ihre ID." "Das klingt jetzt vielleicht etwas unglaubwürdig, aber ich habe meine ID verloren." Svenia ließ ihren Kopf stöhnend in die Handflächen sinken. "Sie haben Ihre ID verloren?" erkundigte sich die Beamtin sicherheitshalber. "Ja." "Kann mir dann bitte jemand von Ihren Fluggästen seine ID zeigen?" Sod lächelte unschuldig. Die Beamtin lächelte genervt zurück. "Haben Sie alle Ihre IDs verloren?" "Ich weiß, das klingt sehr unwahrscheinlich", gab Sod zu. "Aber es ist wahr" bestätigte Celtros und warf dabei einen unauffälligen Blick auf Sods Hand, die langsam unter den Sitz glitt, wo der Impulsblaster versteckt war. "Eine Gruppe wie Sie trifft man hier sowieso nicht jeden Tag", erklärte die Beamtin und erwartete offenbar eine Reaktion. "Aber sicher", entgegnete Svenia, "wissen Sie, Sie haben allen Grund, misstrauisch zu sein: Wir haben unsere IDs gar nicht verloren. In Wahrheit sind wir in der gesamten Republik gesuchte Kriminelle. Piraten. Wir kommen vom Datenzentrum, da wir dort unbemerkt hochbrisante Informationen geraubt haben, und nun wollen wir auf schnellstem Wege zum Raumflughafen, um von dort aus unser gestohlenes Kanonenboot zu erreichen. Im Augenblick hat jeder von uns eine Waffe unter dem Sitz versteckt, ich zum Beispiel habe einen selbst zusammen gebastelten Impulsblaster, der auf höchster Stufe in der Lage wäre, diese Kapselhülle und sämtliche Wände des Gebäudes dort drüben zu durchschlagen." Die Beamtin warf einen unbeeindruckten Blick auf den Wohnkomplex, dann lachte sie. "Okay, Sie haben Recht, ich will mal nicht so sein. Passen Sie aber das nächste Mal auf, wie Sie mit mir reden. Und wenn Sie noch mal die Verkehrssicherheit gefährden, dann muss ich Sie mit zur Zentrale nehmen. Sie verabschiedete sich knapp und verließ die Kapsel wieder. Sod und Celtros glotzten ihr verdutzt hinterher. "Na, worauf wartest du", grinste Svenia, "jetzt flieg schon los."
Seit der Terranische Tankerkonvoi auf IG-25 eingetroffen war, war das "Starlight", die Bar der Handelsstation, absolut überfüllt, und zwar fast ausschließlich von Menschen. Sogar eine kleine Band hatte sich zusammen gefunden und spielte gerade eine unheimlich schlechte Imitation von "Beyond The Ports". "Und was machst du beruflich", erkundigte sich Tiana bei Sam, "im Konvoi hab' ich dich noch nie gesehen." Ja, gute Frage. Es war schwierig, geschickt zu antworten. "Ich gehöre nicht zur Konvoibesatzung", antwortete Sam schließlich, "ich bin Pilot bei der Konkurrenz." "Cool. Ein Onkel von mir ist Copilot eines Starliners bei Intertrans. Bei welcher Gesellschaft bist du?" "Naja, ich bin nicht Verkehrspilot. Eher unkonventionell." "Oh, Entschuldigung. Ich weiß, Kampfpiloten reden manchmal nicht so gerne über ihren Job." Sam nickte. Dass sie glaubte, er war Kampfpilot, war gut, vor allem, da es eigentlich sogar der Realität entsprach. Wenn sie sich nichts dazu dichtete. "Hey, Terraner!" Sam drehte sich um, Tiana blickte den Cilthroiden, der Sam angesprochen hatte, ein wenig ängstlich an, was auch verständlich war, in Anbetracht seiner Körpergröße von über zweieinhalb Metern. Das Wesen besaß eine kräftige, humanoide Körperform und eine weiß, blau und orange gefleckte Haut. Ob Sam vortäuschen sollte, Yxo nicht zu kennen? Er entschied sich dagegen. "Was ist denn los?" zischte er Yxo gereizt an. "Sod hat mich angerufen, er schlägt uns einen ganz interessanten Coup vor, das solltest du dir aber auch mal anhören." Tiana verzog das Gesicht und blickte Sam sehr merkwürdig an. Sam blickte Yxo sehr merkwürdig an. "Ähm, Yxo..." "Okay, der Überfall könnte etwas heikel werden, aber wir werden zumindest nicht auf die Space Force treffen." Nun bemerkte Yxo Tiana, die mittlerweile beide misstrauisch ansah. "Sorry", meinte er schließlich, "es ist nicht so eilig, du kannst dich natürlich vorher mit der Terranerin... äh... beschäftigen." Tiana schien es plötzlich recht eilig zu haben, aufzustehen. "Also weißt du, ich würde ja gerne noch ein Weilchen mit dir plaudern, aber bei Parasiten wie dir krieg' ich das große Kotzen." Sie warf Sam noch einen verächtlichen Blick zu, dann verschwand sie. "Hab' ich was Falsches gesagt?" erkundigte sich Yxo. "Ausschließlich", antwortete Sam, "also, was ist mit Sod?"
Sam lehnte im Pilotensitz seines Jägers und hatte eine visuelle Kom-Konferenzschaltung mit Sod und Yxo aufgebaut, wobei der Cilthroide in seinem Transporter wenige hundert Meter entfernt saß, der Esialo hingegen Millionen Lichtjahre von IG-25. "Ist die Verbindung sicher?" erkundigte sich Sod. "Ja, ziemlich", bestätigte Yxo. "Nun gut. Svenia, Celtros und ich haben ein paar interessante Informationen in die Hände gekriegt, was einen Transport betrifft. Eine Handvoll Irralias - eine Bande Terroristen, soweit ich weiß - ist im Besitz einer Singularitätswaffe." Sam schluckte. "Vielleicht ist die Verbindung doch nicht sicher genug, für diese Konversation", überlegte Yxo. "Terroristen besitzen eine Armageddon-Waffe?" rief Sam. Dass er noch nie zuvor von einer Spezies namens Irralias gehört hatte, beunruhigte Sam nur noch mehr. "Keine Sorge", wiegelte Sod ab, "die Bombe ist nicht sehr leistungsfähig. Es ist eine taktische Waffe, aber immer noch mächtig genug, um eine kleine Kriegsflotte auszulöschen. Wir besitzen diese Information aus einer Datenbank der Esialo-Regierung, und die gehen davon aus, dass die Irralias-Terroristen mit den Wahren Esialos zusammen arbeiten und die Waffe damit letztendlich gegen die Republik Esialo eingesetzt werden wird." "Wenn die Wahren Esialos diese Waffe in die Hände bekommen, sind vermutlich Zivilisten das Ziel." "Siehst du, du kannst also sogar etwas Gutes tun", grinste Sod. Die Frage war nur, ob er noch grinsen würde, wenn tatsächlich jemand eine Singularitätswaffe über einer Stadt abwerfen sollte, die von seinen Artgenossen bewohnt wurde. "Jedenfalls hat der Esialo-Geheimdienst ganze Arbeit geleistet", setzte Sod fort, "sie wissen genau darüber bescheid, wann, wo und wie diese Waffe transportiert werden soll. Ein kleiner Konvoi der Terroristen wird in einer Woche von irgendwo in der Milchstraße nach Chabsoom Prime aufbrechen. Dieser Konvoi wird aus fünf Kanonenbooten bestehen und einem Frachter, der die Bombe trägt. Diese Irralias benutzen Korridore zur Fortbewegung, was unheimlich praktisch ist. Die Reise des Terroristen-Konvois erfordert sieben Korridor-Etappen, und die Esialo-Navy hat vor, den Konvoi am Ende der letzten Etappe abzufangen, wenn er im Orbit von Chabsoom Prime aus dem Korridor auftaucht. Das gibt jemand Anderem, der auch gerne die Singularitätswaffe hätte, sechs Möglichkeiten, den Konvoi vorher abzufangen. Natürlich vorausgesetzt, irgendjemand will diesen Konvoi abfangen." "Du willst also, dass Yxo und ich für euch diese Waffe organisieren?" "Genau. Wir wissen, wo wir diese Waffe zu einem sehr fairen Preis weiterverkaufen können. Ihr überfallt den Konvoi, stehlt die Waffe, dann erfahrt ihr von uns unsere Position, wir einigen uns über eure Beteiligung am Gewinn, und ihr bringt die Waffe zu uns." "Klingt verlockend", musste Yxo zugeben, "aber eine Eskorte von fünf Kanonenbooten klingt unangenehm. Wieso helft ihr uns nicht?" "Weil derjenige, der uns die Waffe abnehmen wird, unsere ständige Anwesenheit hier verlangt. Es ist kompliziert. Wie ihr an die Waffe kommt, wäre dann eure Sache. Seid ihr dabei?" "Wir sind dabei", beschloss Yxo, ohne Sam zu fragen. Toll. Also hatte er ihn umsonst aus dem Starlight geholt. "Gut", antwortete Sod, "aber das bedeutet nicht 'mal sehen, ob's geht, vielleicht sind wir dabei', sondern 'wir sind dabei'!" "Klar." "Na gut. Ich sende euch jetzt sämtliche Daten, die wir haben." "Und euch zu geben bereit sind", sagte Sods Blick aus. Sams Bordcomputer empfing ein paar verschlüsselte Dateien, dann unterbrach Sod die Verbindung. "Weißt du, was du tust?" erkundigte sich Sam bei Yxo. "Mal sehen", entgegnete der Cilthroide.
Abschnitt 2
Sam starrte auf den Kom-Bildschirm seines Jägers "Savage Eagle". Yxo hatte, nachdem sich beide die Daten über die Terroristen gründlich durchgesehen hatten, etwas organisiert, das sich mit viel gutem Willen als Briefing bezeichnen ließe. "Also", fing der Cilthroide an, "wir wissen, dass der Frachter, mit dem die Bombe transportiert werden soll, mit einem Korridor-Initiator ausgerüstet ist. Seine Begleitschiffe sind lediglich Kanonenboote. Ich hab' mich also mal schlau gemacht." Auf dem Bildschirm erschien eine anspruchsvolle technische Risszeichnung eines Korridor-Initiators, die Yxo vermutlich genauso wenig nachvollziehen konnte, wie Sam, doch die Maßangaben an der unregelmäßigen, mit Geräten gespickten Kugel waren interessant. "So ein Korridor-Initiator ist ein ganz schöner Brocken", stellte Sam fest, in Anbetracht des Durchmessers von fast 50 Metern. "Du hast es erfasst, Terraner. So ein Ding passt unmöglich in ein Kanonenboot, und hinzu kommen noch eine gewisse Anzahl Emitter. Das bedeutet, der Transporter selbst wird das einzige Schiff in der gesamten Eskorte sein, das einen Korridor aufbauen kann." "Ist das irgendein Vorteil für uns?" "Und ob. Dies macht nämlich die gesamte Eskorte nutzlos. So ein Korridor ist, einmal aufgebaut, eine Einbahnstraße, und zwar immer nur von der Seite aus passierbar, auf der sich gerade der Initiator befindet. Außerdem können aus Sicherheitsgründen niemals zwei Schiffe gleichzeitig durch einen Korridor fliegen." Sam grinste. "Das bedeutet, die Eskorte muss die Korridore grundsätzlich vor dem Transporter passieren und kann dann nicht mehr zurück kehren?" "Genau. Wir warten, bis die Eskorte weg ist, und dann schlagen wir zu!" Sam grübelte. "Das hört sich gut an, aber wie stellst du dir das vor? Wir müssen irgendwo unbemerkt warten, bis der Transporter seine Eskorte vorgeschickt hat. Der Frachter wird den Korridor allerdings nur Sekunden nach den Kanonenbooten passieren. Wir können unmöglich rechtzeitig ankommen, um ihn abzufangen!" "Tja, wie dumm. Erinnerst du dich noch an die Tarnkappe, die du für deinen Jäger gekauft hast, als wir Ilcs Syndikat für die Cilthroidsche Regierung ausfindig gemacht haben?" "Ja, und ich erinnere mich auch noch gut daran, warum ich sie wieder ausgebaut habe. Nach zwei Tagen hat die Strahlungsemission der Tarnkappe meine Computer absolut verrückt spielen lassen. Terranische Schiffe und Tarnkappen sind nicht gerade perfekt kompatibel." "Aber gut genug für unsere Zwecke. Du lässt diese Tarnkappe wieder einbauen, wartest an einer der Etappenpausen auf den Konvoi, darauf, bis die Eskorte im Korridor ist, und dann jagst du ein Missile in den Korridor, der daraufhin implodieren wird, so dass der Waffentransporter ganz alleine ist, ohne eine Fluchtmöglichkeit. Dann komme ich und gemeinsam holen wir uns die Singularitätswaffe aus dem Transporter." "Es bleibt also an mir hängen." "Ganz genau, immer auf die Terraner." "Wieso installierst du dir keine Tarnkappe?" "Ich hab' mich schon erkundigt. Unser Freund hat im Moment keine zu verkaufen, und die alte Tarnkappe, die du soweit ich weiß irgendwo in einem Laderaum hier auf IG-25 gebunkert hast, ist nicht leistungsstark genug, um meinen Transporter zu verstecken." Sam seufzte und lehnte sich in seinen Pilotensitz. "Hin, verstecken, warten, angreifen, auf dich warten. Hört sich einfach an. Wir haben da doch diese Der-Terraner-kriegt-30-Prozent-vom-Gewinn-Regel... Ist es nicht an der Zeit, an wenig daran zu feilen?" "Nein." "Tja." Sam lehnte weiterhin gemütlich in seinem Sessel und pfiff eine schlechte Imitation von "Beyond The Ports" vor sich hin. "Ihr Terraner seid verdammte Ratten!" "Danke", grinste Sam, "ich will 60 Prozent." "Das kommt überhaupt nicht in..." "Bitte, lass uns doch das fertig bringen, was unsere Regierungen nicht schaffen", entgegnete der Mensch mit einem fiesen Grinsen, "eine friedliche Einigung darauf, dass wir Menschen mehr zu kriegen haben." "Ratte." "Hä? War das etwa ein 'gerne doch'?" Yxo knurrte. "Okay..." "Bitte, ich hab' dich nicht verstanden." "Okay, Terraner, du kriegst 60 Prozent des Gewinns!" "Na bitte, es geht doch. Ich mach' mich gleich auf die Suche nach jemandem, der eine Tarnkappe einbauen kann."
Sie hatten sich dazu entschieden, den Transport abzufangen, wenn er das vorletzte Mal aus dem Korridor auftauchte. Dass er an dieser Position auftauchen würde, war recht sicher, denn zum Einen war sie in den Daten, die Sod gestohlen hatte, vermerkt, und zum Anderen war der Ort sehr günstig, um einen Korridor aufzubauen. Sam hatte allerdings keine Ahnung, warum das so war. "Tarnkappe aktiviert", meldete er, während er die Savage Eagle durch die Finsternis des intergalaktischen Raums steuerte. "Gut, du bist jetzt nicht mehr auf meinem Scannerschirm ", stellte Yxo fest. Sam hingegen konnte Yxos kleinen Transporter "Lebensquell" noch deutlich ausmachen. "So weit, so gut", meinte Sam, "Zielposition erreicht. Falle jetzt aus dem Hyperraum." Ein blendender Lichtschein zuckte durch das Cockpit der Savage Eagle, als der Jäger wieder in den Normalraum eintrat, als er den Zielpunkt erreicht hatte. "Dann drehe ich jetzt ab und fliege außer Sensorenreichweite", kommentierte Yxo sein Manöver. Langsam verschwand die Lebensquell von Sams Scannerschirm. Nun war er alleine. Er führte noch eine letzte, knappe Diagnose der Missiles durch, die unter den Pylonen seines Schiffs hingen, und dann wartete er.
Der Konvoi lag gut eine Stunde hinter dem Zeitplan, aber ansonsten waren Sods Informationen absolut korrekt. Es begann als leichte Temperaturerhöhung auf Sams Scannerschirm, dann riss der Korridor aus dem Nichts auf. Zuerst verschwamm das dünn gesäte Sternenfeld, dann schienen die Lichtpunkte plötzlich in die Unendlichkeit gezerrt zu werden. Ein Trichter tauchte im Raum auf, krümmte die Lichtstrahlen, als ob das Sternenpanorama eine Leinwand wäre, die nach hinten in die Länge gezogen wird. Sam stockte der Atem. Ein kurzer Blick auf die Instrumente verriet ihm, dass die Öffnung im Raum den Durchmesser eines kleinen Mondes hatte. Schließlich tauchte ein kleiner Lichtpunkt daraus auf, ein vergleichsweise winziges Sensorenecho, das sich kaum vom Korridor hervor hob. Gefolgt von noch einem. Vermutlich Kanonenboote. Die beiden Kundschafter schwärmten in der näheren Umgebung umher und kamen sogar in direkte Sichtweite der Savage Eagle, schienen den ungebetenen Gast allerdings nicht zu bemerken, sondern kehrten schließlich in unmittelbare Nähe des Korridors zurück, woraufhin drei weitere kleine Schiffe aus dem Riss auftauchten, letztendlich gefolgt von einem größeren Transporter. Der Korridor verschwand so schnell, wie er aufgetaucht war, und erlaubte den Scannern der Savage Eagle einen genaueren Blick auf die Konvoischiffe. Die Kanonenboote waren wohl gestohlene Esialo-Schiffe, mit ihren typischen, schroff-keilförmigen Rümpfen, allerdings offenbar ohne einen Sub-Hyperantrieb, was sie vom Korridor abhängig machte. Der Transporter selbst bestand praktisch aus einem Frachtcontainer und einem dahinter angebrachten, kugelförmigen Korridor-Initiator, umringt von Pylonen, an welchen die Korridor-Emitter saßen. "Hauptgewinn", murmelte Sam vor sich hin. Sämtliche Kanonenboote nahmen Positionen um den Transporter ein, und es dauerte nicht lange, bis der Transporter die nächste Etappe vorbereitete. Die Emitter an den Pylonenenden begannen, in grellem weiß zu glühen, wurden im Laufe von Minuten immer heller, bis der gesamte Transporter schließlich nur noch aus einem hell scheinenden Lichtkreis zu bestehen schien. Plötzlich öffnete sich ein Korridor, genau wie vorher, nur dieses Mal vor den Schiffen. Sofort rasten die beiden Kundschafter in die Öffnung und wurden davon verschluckt. Dabei strahlten sie Tachyonen ab, und zwar in sehr hoher Konzentration. "Verdammt." Sam flüsterte, als ob ihn die Terroristen sonst hören würden. Die hohe Tachyonenstrahlung schien die Kapazität seiner Tarnkappe zu übersteigen. Einige der Teilchen wurden nicht mehr auf die andere Seite des Jägers weiter geleitet, sondern ganz normal reflektiert. Jetzt konnte Sam sein Schiff nur absolut still halten und hoffen, dass die Irralias ihn nicht bemerkten. Er leitete etwas entbehrliche Energie in die Tarnkappe und verhinderte so eine zu frühe Entdeckung. Nach einigen Minuten steuerte ein weiteres Kanonenboot in den Korridor. Wieder wurde die Tarnkappe enorm belastet, wieder reflektierte die Savage Eagle einige Teilchen. Das vierte von fünf Kanonenbooten machte sich auf den Weg in den Korridor, raste auf die klaffende Öffnung im Raum zu, drehte dann allerdings ab, um direkten Kurs auf die Savage Eagle zu nehmen. Sam schluckte. Die anderen Schiffe - der Transporter und ein weiteres Kanonenboot - blieben auf Position, offenbar waren sie sich der Präsenz eines fremden Schiffes nicht sicher, sondern hatten nur irgend etwas Unklares bemerkt. Der Kundschafter, der auf die Savage Eagle zusteuerte, setzte nun Aktivsensoren ein. Je länger er den Terranischen Jäger nicht fand, desto schwerer würde es werden, ihn doch noch zu entdecken, denn die Tachyonenstrahlung nahm langsam wieder ab, als kein Schiff mehr durch den Korridor flog. Das war gut. Sam schaltet das matte Licht in seinem Cockpit endgültig aus, um nicht optisch erkannt zu werden. Der lästige Spion umschwärmte die Position der Savage Eagle ein paar Mal, dann kehrte er wieder zum Korridor zurück. Sam atmete auf. Das Boot steuerte erneut auf den Korridor zu, hielt aber kurz davor die Position und feuerte mit seinen Bordkanonen einige Ionenladungen hinein. Weitere verräterische Tachyonenstrahlung wurde frei, als die geladenen Teilchen in dem Raumriss verschwanden. "Clever", murmelte Sam beunruhigt vor sich hin, "verdammt clever." Nun näherte sich das Kanonenboot erneut der Savage Eagle. Sam strich erwartungsvoll über den Feuerknopf am Steuerknüppel. Er verfolgte den Lichtpunkt, der sich auf ihn zu bewegte, aufmerksam, wie er immer größer wurde. Allmählich ließ sich der keilförmige Umriss des Schnüfflers erkennen. Sam zweifelte nicht mehr daran, dass sein Gegenüber die Savage Eagle bereits mit bloßem Auge ausmachen konnte und drückte den Feuerknopf durch. Die beiden Bordgeschütze des Jägers nahmen das Kanonenboot unter Beschuss, ließen dessen Schutzschilde aufblitzen und hämmerten schließlich Trümmer aus dem Rumpf. Sam schaltete seine Geschütze auf Überladungsmodus um und beschleunigte die Savage Eagle, ließ sie direkt an dem Kanonenboot vorbei rasen, so dass er mit bloßem Auge die Anzeigen seines Scanners bestätigen konnte. Das Boot, zum Teil mit abgerissener Panzerung, war außer Gefecht gesetzt worden. "Yxo, jetzt ist der richtige Zeitpunkt!" rief der Mensch ins Kom.
Während der Waffentransporter beschleunigte, um in den Korridor einzutreten, schlug das übrige Kanonenboot einen Abfangkurs gegen die Savage Eagle ein.
Sam beschloss, den Angreifer zunächst zu ignorieren und feuerte zwei Missiles ab, die selbstständig Kurs auf den Korridor nahmen. Beide wurden vom Kanonenboot abgeschossen, das selbst allerdings einige Treffer aus Sams Bordgeschützen über sich ergehen lassen musste, der Frachter steuerte weiter unbeirrt auf den Durchlass zu. Yxos Schiff erschien auf dem Scannerschirm und würde bald eintreffen.
In seiner Manövrierfähigkeit eingeschränkt, flog der Pilot des Kanonenboots eine Schleife, die ihn hinter den Korridor führte, um Sam auf einen Abfangkurs zu zwingen, der ihm kein freies Schussfeld auf den Transporter ermöglichte.
Doch das wollte der Mensch auch gar nicht. Er schoss einfach ein weiteres Missile auf den Korridor ab und setzte erst dann seinen Zweikampf mit dem Kanonenboot fort.
Der Pilot des Frachters versuchte offensichtlich, sich ein Beschleunigungsduell mit Sams Missile zu liefern, wer zuerst denn Korridor erreichen würde.
Die Savage Eagle wurde, als sie hinter dem Korridor im Schussfeld des Kanonenboots auftauchte, bereits von einer Salve Ionenladungen erwartet. Durch den Beschuss geriet der Jäger ins Trudeln, die vorderen Schilde brachen zusammen. Sam gelang noch ein weiterer gezielter Schuss, doch das Kanonenboot raste an der nicht von den Geschützen abgedeckten Unterseite der Savage Eagle vorbei, weiter feuernd.
Sams taktische Rakete erreichte den Korridor vor dem Transporter. Die Energieentladung der Detonation brachte den Riss zur Implosion, der Korridor stürzte in sich Zusammen, kurz bevor der Frachter ihn erreichen konnte, selbst wurde der Transporter von der Explosion des Missiles zurück geschleudert und geriet ins Trudeln.
Sam gelang es durch ein spiralförmiges Flugmanöver, der nächsten Salve des Kanonenboots auszuweichen und selbst einige gezielte Schüsse darauf abzugeben. Die große Ionenkanone im Bug des keilförmigen Feindschiffes explodierte und warf es auf einen Kurs direkt in Richtung des Frachters. Der Transporter brach zur Seite weg, ganz knapp taumelte das Boot an dem Ladecontainer mit seinem gefährlichen Inhalt vorbei. Sams Schilde waren nun endgültig ausgefallen, gerade rechtzeitig hatte er seinen Gegner sicher unschädlich gemacht. Leider nicht seinen vorherigen. Das vermeintlich außer Gefecht gesetzte Kanonenboot mit seinem neugierigen Piloten feuerte eine perfekt gezielte Salve auf Sams Jäger ab, doch die Ionenladung schlug in Yxos stromlinienförmige "Lebensquell" ein, die plötzlich auftauchte, und ließ deren Schutzschilde harmlos aufleuchten. Yxos Schuss hingegen traf sein Ziel besser und riss das Kanonenboot auseinander.
"Wow", rief Sam, "was war das?" "Timing", antwortete Yxo knapp.
Abschnitt 3
Sam deaktivierte die Tarnkappe, um die Systeme seines Jägers zu schonen. Nun war schließlich nur noch der Frachter da, mit dem Yxo nun in einen Formationsflug über ging, um einige wahllose Schüsse darauf abzugeben. "Hallo Leute", begrüßte der Cilthroide die Frachterbesatzung über das Kom, "wir hätten so gerne einen taktischen Singularitätssprengkörper, habt ihr zufällig einen für uns?" Der Transporter antwortete nicht, woraufhin Yxo eine weitere Energieladung auf den Frachtcontainer abfeuerte, die deutliche Spuren in der Hülle zurück ließ. "Die haben wahrscheinlich eine recht starke Infanteriebesatzung", vermutete Sam, "und hör' endlich auf, auf den Frachter zu schießen, da kannst du gleich mit einer Handgranate Pingpong spielen!"
Der Waffentransporter versuchte weiterhin, mit maximaler Beschleunigung zu entkommen, doch im Vergleich zu dem Potential der beiden Piratenschiffe kroch er regelrecht vor sich hin.
"Wie stellst du dir dann bitte vor, uns die Bombe aus dem Transporter zu holen, wenn nicht mit Erpressung?" erkundigte sich Yxo. "Mit deinem Metall-Viech." "Meinem was?" "Deinem Mehrzweck-Einsatzroboter." "Eigentlich keine so schlechte Idee, Terraner. Und wenn sie ihn dort drin abschießen?" "Er muss ja gar nicht rein", meinte Sam und schätzte die Ausmaße des Frachtraums ab, "wir können ihn den Rumpf aufschneiden lassen, und dann kann ich mit der Savage Eagle reinfliegen und die Bombe rausschleppen." "Wenn du es fertig bringst, deinen Jäger an die Bombe anzudocken", wandte Yxo ein, "und das dürfte da drin unmöglich sein. Nein, der Roboter kann zwar die Hülle aufschneiden, aber dann müssen wir wohl oder übel selber mit Raumanzügen rein." Sam seufzte. "Ich hab' mir ja gleich gedacht, dass es darauf hinaus läuft..."
Der knapp menschengroße Roboter, in den Weltraum ausgesetzt, brauchte wenige Minuten, um mit einem geeigneten Laserschneider ein zwei mal zwei Meter großes Loch in die schwache Hülle des Frachters zu brennen. Dann kehrte er zur Lebensquell zurück und beide Piratenschiffe starteten Andockmanöver. Sie fuhren ihre Landestützen aus und hefteten sich damit direkt am glatten Rumpf des Ladecontainers fest.
Nachdem Sam sich den Raumanzug angelegt hatte, pumpte er die Luft aus der Kabine und öffnete die Luke in der Panorama-Sichtkuppel, um mit seinem Blaster bewaffnet das Schiff zu verlassen. Die schwachen Steuerdüsen des Raumanzugs halfen ihm dabei, in die Nähe der aufgebrannten Öffnung im Rumpf des Frachters zu gelangen, wo er fast gleichzeitig mit Yxo ankam. Sam aktivierte die magnetischen Stiefel des Raumanzugs, so dass er sich halbwegs normal auf der Hülle des Schiffs bewegen konnte. "Okay, wir gehen rein", befahl Yxo und stürzte sich als erster mit vorgehaltenem Gewehr in den Frachtraum, direkt gefolgt von Sam. Nun standen beide an der Innenwand des Laderaumes, doch niemand sonst war in der dunklen, luftleeren Halle, in der unzählige kleine Ladegefäße verschiedenster Art verankert waren. "Die haben hier ja allen möglichen Scheiß geladen", kommentierte Sam die Ausstattung des Raumes und leuchtete mit seinem Helmscheinwerfer umher. "Das wird sie sein", vermutete Yxo und deutete auf ein etwa fünf Meter langes, zylindrisches Objekt, das im Zentrum des Laderaums verankert war. Behutsam näherten sich die beiden der Waffe. "Wieso sind nicht zig Infanteristen hier, um die Bombe zu bewachen?" wunderte sich der Mensch. Yxo ging nicht darauf ein, sondern sagte nach einigen Sekunden: "Jetzt stehen bleiben." Sam folgte dem Befehl sofort. "Feuere eins von deinen Projektilen knapp über die Waffe", beschloss Yxo. Sam zuckte die Achseln, richtete seinen Blaster knapp über die Bombe und tat, wie geheißen. Von gut fünf verschiedenen Seiten nahmen Selbstschussanlagen das Projektil ins Kreuzfeuer und ließen es vorzeitig explodieren. Yxo feuerte nach Gutdünken auf eines der ziemlich gut versteckten Geschütze und erzielte einen Volltreffer. Die Trümmer der Schussanlage trieben durch den schwerelosen Frachtraum. "Mit deinem Gewehr musst du nur unnötig zielen", grinste Sam und schoss explosive Projektile in die ungefähren Richtungen der Selbstschussanlagen, jede der Detonationen riss ein Geschütz mit sich. "Nicht schlecht", meinte Yxo und näherte sich nun der Singularitätswaffe, um sie mit einigen Gewehrschüssen aus der Verankerung zu reißen. Nun war sie frei schwebend. "Nichts wie raus damit", rief Sam und dirigierte das schwere Objekt zusammen mit Yxo zurück zur Öffnung nach draußen. Der Mensch ging vor und zerrte die Bombe in den freien Raum, dann warf er einen Blick zurück in den Frachtraum, der gerade von einer Reihe Infanteristen betreten wurde, um ihre Selbstschussanlagen zu ersetzen. "Pass' auf, hinter dir!" rief Sam, als auch schon einige Partikelladungen in die Rumpfwand neben Yxo einschlugen. Der Cilthroide zog sich nach draußen und gab einige schlecht gezielte Gewehrschüsse auf die Gestalten in Raumanzügen ab. Ein weiterer regelrechter Feuerschwall hagelte aus dem Frachtraum, doch Sam und Yxo waren draußen in Sicherheit. "Ich kümmere mich um die Bombe", keuchte Yxo, "geh' du auf dein Schiff!" Während der Cilthroide das Kunststück vollbrachte, die Waffe alleine mit den Manöverdüsen seines Raumanzugs zur Lebensquell zu bringen, stieg Sam wieder in seinen Jäger. Yxo war gerade dabei, die Bombe in die Luftschleuse seines Schiffs zu dirigieren, als die Infanterie des Frachters den Laderaum verließ, um die Piraten nach draußen zu verfolgen. Kurzerhand deckte Sam die Außenhülle des Transporters mit einem Energievorhang aus seinen Bordgeschützen ein. "Was machst du da?" erkundigte sich Yxo über das Kom, als er sich irritiert umdrehte und nur noch den verkohlten Rumpf des Waffentransporters sah. "Och, nichts."
Der Cilthroide deponierte die Beute in seinem Laderaum und dockte dann vom Transporter ab, Sam es tat ihm gleich. "So, dann rufen wir mal Sod an", beschloss Yxo und wollte schon eine Kom-Verbindung aufbauen, als ein Objekt auf seinem Scannerschirm auftauchte. "Ein Schiff nähert sich uns", stellte er fest, "und zwar ein Zerstörer oder leichter Kreuzer... Könnte ein Esialoscher Leichtkreuzer sein." "Ich sehe ihn auch", antwortete Sam, "er sendet keine ID-Kennung. Ist ungewöhnlich, für ein Esialo-Schiff." "Die Kanonenboote waren auch Esialo-Schiffe..." erinnerte Yxo. "Du meinst, dieser Kreuzer gehört auch den Terroristen? Verdammt, es war doch eigentlich klar, dass sie irgendwo Verstärkung in der Nähe haben mussten!" "Wir sollten lieber abhauen, so lange wir noch können", beschloss Yxo und startete in den Sub-Hyperraum, gefolgt von der Savage Eagle. Der Kreuzer folgte den beiden. "Hier spricht der Kreuzer 'Sieec' der gleichnamigen Irralias-Gilde. Sie haben etwas, das uns gehört." "Das haben wir einfach so in dem aufgebrannten Frachtraum dieses beschädigten Transporters ohne Eskorte gefunden", entgegnete Yxo. "Bitte, machen Sie es uns nicht schwer. Wir können Sie problemlos vernichten." "Natürlich nur, wenn wir nicht im Sub-Hyperraum wären", erwiderte Yxo, "und wenn nicht die Singularitätswaffe eure Ärsche auf einen unendlich kleinen mathematischen Punkt zustürzen lassen würde, falls ihr auf uns schießt." "Genauso, wie eure. Seid doch vernünftig, dann sind wir auch vernünftig. Ihr könnt nicht ewig im Hyperraum bleiben, und die politische Neutralität von irgendwelchen Handelsstationen ist uns ehrlich gesagt relativ egal." "Tja. Wieso sollten wir vorhaben, zu solch einer Handelsstation zu fliegen, wenn wir doch einen Planeten unter der Schirmherrschaft der Republik Esialo direkt in der Nähe haben? Und ich hab' gehört, ihr versteht euch nicht so gut mit der Esialo-Regierung. Terraner, wir nehmen Kurs auf Chabsoom Prime." "Klar." Die beiden Piratenschiffe legten einen Kurs auf das ursprüngliche Ziel des Terroristen-Konvois ein. "Und dann", erkundigte sich der Kommandant des Irralias-Kreuzers, "glaubt ihr dann, dort seid ihr sicher vor uns bösen Irralias? Ihr werdet schon noch sehen, was ihr davon habt." Der Kreuzer drehte wieder ab. "Und tschüss!" rief Sam. "Also, wir sollten wirklich erst mal nach Chabsoom", beschloss Yxo, "dort kontaktieren wir Sod und sehen weiter."
Abschnitt 4
Chabsoom Prime bot keinen
sonderlich eindrucksvollen Anblick. Ein kleiner, graubrauner Planet in einem
durchschnittlichen System in einer winzigen Sternenballung zwischen den Galaxien.
Was allerdings interessant war, war die Flotte aus drei Esialoschen
Leichtkreuzern - tatsächlich mit ID-Kennungen der Esialo-Navy - welche im Orbit
stationiert war, und vermutlich den Terroristen-Konvoi abfangen wollte, der
niemals ankommen würde. "Was für ein hässlicher Felsklumpen",
murmelte Yxo vor sich hin. Sam musterte den Himmelskörper, eine dünne Sichel,
irgendwo auf der Nachtseite leuchteten einige kleine Städte in den Weltraum
hinaus. "Chabsoom City Flight Control ruft die beiden sich nähernden
Schiffe", meldete sich eine Computerstimme, "haben Sie etwas zu
verzollen?" Och, nur eine Armageddon-Waffe, dachte sich Sam.
"Negativ", antwortete Yxo, "erbitten Landeerlaubnis für
vorübergehenden Aufenthalt." "Landeerlaubnis gewährt. Ihnen werden die
Landefelder CC45 und CC51 zugewiesen. Daten werden Ihnen übermittelt." Von
Chabsoom Prime aus wurden ein Lageplan des Raumhafens und eine grobe Übersicht
über die Gesetze des Republik Esialo auf die Bordcomputer der beiden Piraten
kopiert, sowie Einflugvektoren. "Das war's", erkundigte sich Sam
verdutzt, "keine Zollkontrollen, nichts?" "Wozu sollten sich die
Esialos unnötig Umstände machen", entgegnete Yxo, "dieser Planet ist
nichts wert. Was weiß denn dein schlauer Bordcomputer über Chabsoom?" Sam
rief die Daten ab, welche in der ohnehin recht knapp gehaltenen und lange nicht
mehr aktuellen UTSF-Datenbank der Savage Eagle über den Planeten zu finden
waren. "Chabsoom Prime ist wohl nicht gerade das begehrteste Objekt im
Galaxienhaufen", meinte er, "ewig hat niemand Ansprüche auf den
Planeten gestellt. Keine Mineralien, ursprünglich sehr dünne Atmosphäre. Einige
Pioniere, Kolonisten und Ausgestoßene verschiedener Spezies haben den Planeten
im Verlauf der letzten paar Jahrtausende dünn besiedelt und sogar erfolgreich
Terraforming praktiziert. Schließlich hat sich die Republik Esialo dazu
erbarmt, die Schirmherrschaft über den Planeten zu übernehmen. Viel hat es
ihnen aber nicht gebracht. Einen Orbit mehr zu kontrollieren, ein paar
Unterstützungsgelder mehr zu zahlen. Sie haben wohl gehofft, Chabsoom als Basis
für weitere Kolonisation im Sternhaufen zu verwenden, aber es ist noch immer
der einzige Esialo-Planet hier." "Klingt ja einladend."
Der Landeanflug auf die betonierten Landfelder war kein Problem, da in der näheren Umgebung weder Berge noch besonders hohe Gebäude in den Luftraum ragten. Die Landeplätze waren alle nicht sehr groß, und die meisten der für Raumschiffe vorgesehenen Betonfelder waren leer. Wenige Schiffe standen lediglich in der Nähe eines flachen Terminalgebäudes. Die Savage Eagle hatte kein Problem, aufzusetzen, doch die spinnebeinartigen Landestützen der beladenen Lebensquell drückten den Beton um einige Zentimeter ein. Die beiden Piraten verließen ihre Schiffe und trafen sich auf einem leeren Landefeld dazwischen. "Viel ist hier wohl nicht los", stellte Sam fest und blickte sich um. Ein paar Esialosche Wachen schlenderten umher, veraltetes Ladegeschirr beförderte gerade klirrend verschiedene Kisten in einen antik wirkenden Transporter. Einige Leute standen auf der Aussichtsplattform am Terminaldach und beobachteten das Landefeld. Die Sonne blendete. "Also, ich will hier so schnell wieder weg, wie möglich", meinte Yxo, "wir haben hauptsächlich zwei Ziele: Sod kontaktieren, ohne dass die Irralias-Terroristen es bemerken, und dann zu ihm kommen, ohne dass die Irralias-Terroristen uns abfangen." "Das sind Scheiß-Ziele", grinste Sam, "schau dich doch mal um. Glaubst du, du findest hier eine fortschrittliche Kommunikationseinrichtung, die Verschlüsselungssequenzen oder ähnlichen Kram unterstützt?" Er machte eine demonstrative Handbewegung, die vor allem das verstaubte Terminalgebäude einschloss. Der Cilthroide seufzte. "Wir müssen wohl davon ausgehen, dass Irralias hier sind, schließlich war dies das geplante Ziel der Lieferung. Sie wissen wahrscheinlich von uns, und dass wir die Bombe haben." "Und die beiden Techniker da wissen auch bald, dass wir die Bombe haben", ergänzte Sam und deutete auf zwei Gestalten, die gerade einen externen Versorgungsschlauch an die Lebensquell anschlossen. Die Wesen selbst waren magere, gräuliche Gestalten mit sieben beweglichen Gliedmaßen, wobei eines der Beine offenbar im Laufe der Evolution zu einem langen, mehrfach beweglichen Kopf geworden ist, der mit einer Reihe Augen besetzt war. "Hey", rief Yxo und rannte auf die beiden zu, "was macht ihr?!" Eines der Wesen drehte sich um und streckte Yxo interessiert seinen Kopf entgegen. "Wir schließen die Kühlmittelleitung an Ihr Schiff an, Mr.", antwortete es. "Ich habe aber nicht nach Kühlmittel verlangt!" Das Wesen bäumte sich vor Yxo auf zwei Beine auf und erreichte damit fast die Körperhöhe des Cilthroiden. "In unserem Dienstplan steht: 'Landefeld CC44, Kühlmittelversorgung aufbauen.' Und ich folge meinem Dienstplan grundsätzlich." Yxo ergriff eine der Landestützen seines Schiffes und musterte es kurz demonstrativ. "Dieses Schiff steht aber auf Landefeld CC45." Der Techniker produzierte einen klickenden Laut und sank wieder auf alle Gliedmaßen herab. "Tatsächlich?" "Ja, tatsächlich!" "Dann entfernen wir die Leitung eben wieder." "Nein, Moment... Ich kann sowieso eine neue Tankfüllung gebrauchen." Und ich werde das Kühlmittel bei euch bestimmt nicht bezahlen, fügte er in Gedanken hinzu. Damit wandte er sich wieder zu Sam. "Ich vertrau' denen hier nicht", flüsterte er, "ich geh' noch mal schnell auf die Lebensquell und verstärke das Sicherheitssystem im Frachtraum. Geh' schon mal vor zum Terminal und hör' dich um." Sam nickte. Während der Cilthroide wieder sein Schiff bestieg, machte sich Sam auf den Weg zum Raumhafengebäude. Dieser Raumhafen erweckte eher den Eindruck eines freien Landeplatzes, um den man ein paar nützliche Einrichtungen gebaut hatte, als den eines seriösen, repräsentativen Raumhafens. Nun, in gewisser Weise stand er wohl doch repräsentativ für den Rest des Planeten.
Das Innere des Terminals war auch sehr einfach gehalten, und anstatt diversen Schaltern, Wartesälen und öffentlichen Stellen war es eher ein frei zugängliches Lagerhaus, in dem sich ein paar Geschäfte eingesiedelt hatten. Nicht einmal seine Waffe war Sam abgenommen worden. Wesen verschiedenster Spezies tummelten sich hier, und Sam konnte eigentlich keine Vorherrschaft von Esialos erkennen. Was sollte er nun tun? Er konnte schlecht einen Info-Schalter suchen und dort nach einer abhörsicheren Kom-Verbindung fragen. Er verließ das Terminal-Gebäude wieder, um der ein oder anderen Raumschiffcrew draußen ein paar blöde Fragen zu stellen, als gerade einer der siebengliedrigen Wartungstechniker in das Gebäude rennen wollte und fast mit Sam zusammen gestoßen wäre. Das Wesen klickte kurz, dann meinte es hastig: "Sind Sie der Pilot des Terranischen Jägers?" "Ja, warum?" Es klickte noch ein paar mal unruhig, während es auf der Stelle von einem Bein aufs nächste trat, dann meinte es: "Folgen Sie mir bitte." Es rannte eine Treppe nach unten in die unterirdischen Lagerbereiche des Raumhafens, wobei seine Beine mit jedem Schritt ein klapperndes Geräusch auf dem Betonboden verursachten. Sam folgte ihm gereizt und kam nicht halb so schnell die für Menschen ungeeignete Treppe hinunter. "Moment, was ist denn überhaupt los?" rief er dem Wesen nach, das nun hinter einer Ecke im unterirdischen Gang verschwunden war. Als er selbst um die Ecke bog, wurden sein Kopf, seine Arme und seine Beine von je zwei Gliedmaßen ergriffen und er so gegen die Wand gepresst. Die drei Wesen - für ihren Angriff auf Sam fast unkenntlich ineinander verschlungen - übten zusammen genug Kraft aus, dass sich der Mensch nicht verteidigen konnte. Er konnte nicht unterscheiden, welches der Wesen ihn hierher geführt hatte, oder ob die Techniker, die sich an Yxos Schiff zu schaffen gemacht hatten, unter den Angreifern waren. "Wie kommen wir an unsere Waffe?" wollte eines der Wesen wütend wissen. "Welche Waffe?" Diese Antwort schien dem Fragesteller nicht zu gefallen, also nutzte er eine seiner Gliedmaßen, um gegen die Kehle des Menschen zu drücken. Instinktiv legte Sam den Kopf nach vorne und presste mit dem Kinn gegen die Extremität des Angreifers, erreichte damit allerdings nichts, vor allem, da sein Kopf von zwei weiteren Gliedmaßen relativ unbeweglich gehalten wurde. Sam röchelte, sog sämtliche Luft in die Lungen, die er durch seine strangulierte Kehle erreichen konnte, und schmetterte seinen eigenen Kopf zurück gegen die Wand. Persönlich verspürte er keinen starken Schmerz, da zwei Gliedmaßen des Angreifers den Aufschlag seines Hinterkopfes auf die harte Betonwand abfingen. Allerdings schienen diese nicht sehr flexibel zu sein. Ein Geräusch wie berstendes Holz erklang, das Wesen, dem die Arme gehörten, brach in ein wahres Konzert aus klickenden Lauten aus und taumelte zurück, seine geknickten Gliedmaßen nach sich schleifend. Sam wendete die gleiche Methode gegen das Wesen an, das zu seiner Linken sein Arm und sein Bein festhielt, indem er seine geballte Faust rückwärts gegen die Wand schnellen ließ, dieses Mal war das knackende Geräusch nicht so laut, jedoch schien der Angreifer so starke Schmerzen zu haben, dass er von Sam abließ. Er nutzte sein wieder frei gewonnenes Bein, um ihm einen kräftigen Tritt zu versetzen, dem Dritten rammte er die Faust gegen die Kopf-Extremität, das Wesen klappte zusammen, wie ein Drahtgittergestell. Der Mensch zog seine Waffe und rannte wieder die Treppe nach oben zum Landefeld. Die beiden siebengliedrigen Techniker von vorher machten sich noch immer an Yxos Schiff zu schaffen. "Verflucht!" Der Mensch umrundete das Landefeld, auf dem die Lebensquell stand, unbemerkt, indem er Kisten und Tanks als Deckung benutzte. Er hörte Yxo sagen: "Hey, ihr seid ja immer noch hier." Offenbar hatte der Cilthroide sein Schiff eben wieder verlassen. "Ja, der Betankungsvorgang ist noch nicht abgeschlossen", lautete die Antwort. Hinter dem Kühlmitteltank angekommen, aus dem die beiden Wesen Yxos Schiff betankten, machte Sam eine grausige Entdeckung: Zwei der siebengliedrigen Wesen waren mit zerknickten Beinen notbedürftig halb unter dem Tank versteckt worden. Eine schwarze Flüssigkeit bildete unter den Körpern eine Lache. Die beiden Leichen waren unbekleidet, die Wesen bei Yxos Schiff hingegen trugen um jede Extremität einen Teil der blauen, bandförmigen Techniker-Uniform gewickelt. Doch es war nicht schwer, aus der Situation zu schließen, wer die wirklichen Techniker waren. Was taten die falschen Techniker also an der Lebensquell? Sam wollte das ungern heraus finden, also sprang er hinter dem Tank hervor und schoss auf eines der beiden Wesen, das gerade mit Yxo diskutierte. Dessen Kumpane und der Cilthroide waren so verdutzt, dass Sam problemlos auch einen gezielten Schuss auf den zweiten vermeintlichen Techniker abgeben konnte. Sam kletterte über den Tank und rannte auf Yxo zu. "Weg mit der Kühlmittelleitung!" rief er. "Warum? Spinnst du, was sollte das?" Einige der umstehenden Leute beobachteten die Situation wortlos. "Das waren keine richtigen Techniker! Irgendwie hab' ich den Eindruck, dass diese Pseudo-Spinnen Irralias sind!" "Irralias", stieß Yxo verächtlich hervor, "heißen genauso, wie sie aussehen..." "Hey!" Der Ruf stammte von einem Esialo-Sicherheitsbeamten, dessen Aufmerksamkeit durch die tuschelnden Schaulustigen geweckt worden war. "Verdammt", fluchte Yxo, "wir hauen lieber ab!" Sam rannte sofort los in Richtung seines Schiffes, während Yxo in der Luke der Lebensquell verschwand. "Stehen bleiben, oder ich schieße!" rief der Esialo-Beamte. Sam spurtete, so schnell er konnte. Ein Schuss zischte, die Ladung zielte knapp an Sam vorbei. Wenigstens hörte er hinter sich die Triebwerke der Lebensquell anlaufen. Er wirbelte einmal kurz herum und gab mit seiner eigenen Waffe zwei Schüsse nach hinten ab, dann rannte er weiter, sprang, als er sein Schiff erreicht hatte, stieg in eine Rille in der Backbord-Scannerkapsel der Savage Eagle, um ganz auf den Backbord-Pylon des Jägers zu springen. Ein weiterer Blasterschuss schlug in die Panzerung der Savage Eagle ein und wurde davon absorbiert. Sams Schuhsohlen erzeugten ein dumpfes Geräusch auf dem Rumpf des Jägers, als er auf die Panorama-Sichtkuppel sprang, um durch die obere Luke einzusteigen, doch er warf sich sofort bäuchlings auf den Rumpf, als von der anderen Seite an Esialo-Beamter auftauchte und auf ihn feuerte. Der Schuss verfehlte sein Ziel, doch Sam rutschte an der Panzerung des Jägers ab und stürzte auf das Landefeld. Es gelang ihm, den Sturz halbwegs abzurollen, doch ein heftiger Schmerz zuckte trotzdem durch seine Schulter. Er schrie kurz auf, fand aber schnell wieder die Orientierung und schoss erneut auf den Beamten, der ihn zuerst entdeckt hatte. Er verfehlte sein Ziel, doch er konnte sehen, dass die Lebensquell nicht mehr auf ihrem Platz stand. Noch bevor er sich fragen konnte, weshalb das so war, hörte er das pfeifende Geräusch eines sich im Sturzflug befindenden Raumschiffs. Er sprang auf und rannte, hörte Schüsse eines schweren Geschützes hinter sich. Die Lebensquell deckte das Landefeld aus der Luft mit einer Salve ihrer Bordkanonen ein, um den Beamten den Weg zu Sam abzuschneiden, der Mensch konnte die Explosionen und die Hitze fühlen, hörte das Klatschen des geschmolzenen Betons, der in die Luft geschleudert wurde und auf die Savage Eagle tropfte. Etwa fünfzig Meter über dem Boden begann die Lebensquell, den Sturzflug abzufangen und raste nicht mehr als zwanzig Meter über Sams Kopf hinweg, um einen erneuten Anflug zu starten. Sam streckte dem Cilthroidschen Transporter den gehobenen Daumen entgegen, während er rannte. Noch ein paar Meter, dann konnte er hinter einigen technischen Einrichtungen Deckung finden. Er hörte schon wieder, wie hinter ihm Befehle gerufen wurden, mittlerweile schien sich eine halbe Armee eingefunden zu haben. Gerade rechtzeitig konnte sich Sam hinter einem klobigen technischen Wartungsfahrzeug in Sicherheit bringen, als die Sicherheitsleute das Feuer eröffneten. Der Pilot, der im Inneren des Fahrzeugs wartete, suchte schnell das Weite, als Schüsse sein Fluggerät trafen. Sam nutzte die Chance, um sich ins kugelförmige Cockpit des Transporters, das als Anhängsel am Nutzlastcontainer angebracht war, zu flüchten. Zu spät merkte er, dass er hier in der Falle sitzen würde. Er wollte schon wieder das Cockpit verlassen, als er bemerkte, dass die Energiezufuhr des Fahrzeugs noch immer aktiviert war. Ein kurzer Blick auf die Konsolen verriet ihm, dass es sich um ein Esialosches Fahrzeug handelte, das er im Notfall fliegen könnte. Besser, als nichts. Er ließ sich endgültig im Pilotensitz nieder, legte seine Hände auf die Steuerungselemente, die er brauchen würde, und beschleunigte. Das Fahrzeug machte einen Satz nach vorne und überrumpelte einige Kisten, bevor Sam die richtige Steuerungsachse für den Start gefunden hatte. Schwerfällig gewann sein unpassendes Fluchtfahrzeug an Höhe, in einem engen Bogenflug überquerte er einen Containerstapel und sank dann wieder auf eine niedrigere Flughöhe, um die Container als Deckung zu benutzen, während er Distanz zwischen sich und die Sicherheitskräfte brachte.
"Habe ich das richtig verstanden", erkundigte sich die Kommandantin des leichten Esialo-Navy-Kreuzers, "nach einer Schießerei hat es ein Mensch geschafft, vor den Sicherheitskräften in ein Wartungsfahrzeug des Raumhafens zu fliehen, unterstützt von einem Cilthroidschen Frachter der ST-300-Klasse, der das Landefeld einem Bombardement ausgesetzt hat, und nun flüchtet der Mensch mit diesem Wartungsfahrzeug?" "Ganz genau, Ma'am", antwortete der Beamte, mit dem die Kommandantin in Kom-Verbindung stand, "wir würden Ihre Unterstützung sehr begrüßen, Ma'am." "Nun, wenn Sie alleine nicht weiter kommen..." Die Kommandantin aktivierte den Gefechtmodus, der ihr über ein komplexes, steuerknüppelähnliches Gerät die direkte Waffen- und Navigationskontrolle über ihren Kreuzer gab.
Nach einigen hundert Metern änderte Sam den Kurs und steuerte auf die Stadt zu, seine Möglichkeiten, sich dort zu verstecken, waren immerhin größer, als seine Chance, zu entkommen. Der Luftverkehr über der Stadt war nicht sehr dicht, und erst jetzt realisierte Sam, dass es sich bei zwei der Aerojets um Esialosche Polizeikapseln handelte, die direkt auf ihn zuhielten. Sie rasten knapp an den Flanken den Transportfahrzeugs vorbei, um dahinter eine Schleife zu drehen und die Verfolgung wieder aufzunehmen, doch Yxo vereitelte dies, indem er die Lebensquell direkt auf beide herab sinken ließ. Eine der Kapseln drängte er nach unten, woraufhin sie eine unsanfte Bruchlandung hinlegte, dann zog er die Lebensquell wieder nach oben und kollidierte mit der zweiten Kapsel, was diese ebenfalls zur Landung zwang. Zwei weitere Sicherheitskapseln starteten aus der Stadt. Hier würde Sam kein Versteck finden. Er änderte erneut den Kurs und nahm sich einen entfernten Bergkamm zum Ziel. Es würde mit seinem Fluggerät ein paar Minuten dauern, bis er die Felsformation erreicht hatte, doch dort könnte er vielleicht eine Gelegenheit finden, in die Lebensquell umzusteigen. Die Kapseln folgten Sam und Yxo, allerdings trauten sie sich nicht näher als einige hundert Meter an die Lebensquell heran.
Kurz vor dem Bergkamm fielen die Verfolger einige weitere hundert Meter zurück. "Was soll das?" murmelte Sam vor sich hin. Hatte sich in der Stadt etwas ereignet, das mehr Polizeipräsenz erforderte? Sam ließ seinen fliegenden Untersatz weiter aufsteigen, um einen ersten Felsenkamm zu überqueren, der bereits mehrere hundert Meter hoch war. Sollten die Sicherheitskräfte beschlossen haben, dass die Verfolgung zwecklos war? Oder hatten sie einen besseren Weg gefunden, die Piraten abzufangen? Die Antwort bot sich Sam schneller, als ihm lieb war, denn plötzlich erhob sich etwas Mächtiges, Schwarzes hinter dem Felsenkamm. Der keilförmige Rumpf eines Esialoschen leichten Kreuzers stieg aus seinem zweckmäßigen, felsigen Versteck auf, die Ionengeschütze, die an kurzen Pylonen saßen, richteten sich auf die beiden Piraten aus, würden allerdings nicht zum Feuern kommen. Die Lebensquell stach sofort nach unten und ging in einen Tiefflug am Fuße des Felsenkamms über, den Kamm als Deckung nutzend, während der bei weitem nicht so manövrierfähige Raumhafen-Transporter mit den Schutzschilden des Kreuzers kollidierte. Das Energiefeld, von dem das Kriegsschiff umgeben wurde, blitzte auf, als das Nutzfahrzeug regelrecht über die Schilde hinweg glitt und dabei Teile seines unteren Rumpfes und seines Antriebs verlor. In einer ballistischen Flugbahn stürzte es auf den felsigen Untergrund zu und erhielt Bodenkontakt mit dem Fuße des Felsenkamms, glücklicherweise in einem geeigneten Winkel, um relativ harmlos daran hinab zu rutschen. Der Kreuzer konzentrierte sich auf die Lebensquell und nahm die Verfolgung auf. Mit überwältigender Beschleunigung sprang das schwere, mehr als 200 Meter lange Raumschiff nach vorne und überwalzte Schlicht und einfach den Felsenkamm, um der Lebensquell auf den Fersen zu bleiben, während die Rutschpartie des Raumhafen-Transporters an einigen Felsbrocken in einer Talsenke ein Ende fand.
Abschnitt 5
Nun hatte Yxo ein Problem, und zwar in Form eines mit zwölf Ionengeschützen bestückten Kriegschiffes. "Du willst einen Dogfight?" murmelte der Cilthroide trotzig vor sich hin, während das Schiff hinter ihm eine Reihe schwerer Lawinen verursachte, als es die Felsformationen rücksichtslos überwalzte. "Hier spricht der Esialosche Kreuzer 'Eeshar'", meldete sich dessen Kommandantin über die Koms, "ich rufe den Cilthroidschen Transporter. Landen Sie Ihr Schiff und erwarten Sie unsere Bodentruppen, oder wir eröffnen das Feuer." Yxo zog in Erwägung, sich auf ein Beleidigungsduell mit der Kommandantin einzulassen, entschied sich aber dagegen und jagte sein Schiff stattdessen in einer engen Kurve in ein steiniges Tal, das sich nach einigen hundert Metern zu einer Schlucht verengte. Der Kreuzer folgte dem kleinen, wendigen Transporter und bewies, dass die Schutzschilde eines Großkampfschiffes stärker waren, als die Wände einer Felsenschlucht. Mittlerweile schob der Kreuzer regelrechte Moränen aus Schutt vor sich her, was ihn allerdings weder in seiner Manövrierfähigkeit noch in seinem taktischen Potential einschränkte. Dann fiel Yxo das Ass ein, das er noch im Ärmel hatte. "Lebensquell an 'Eeshar'", sprach er ins Kom, "hättest du vielleicht die Güte, meinen Frachtraum einem Scan zu unterziehen?"
Die Kommandantin verzog das Gesicht. Was sollte das jetzt? Mit einem kurzen Blick forderte sie einen ihrer beiden Brückenoffiziere dazu auf, den Transporter zu scannen.
Yxo wartete einige Sekunden grinsend, bis die Kommandantin des Kreuzers reagierte. "Cilthroidscher Transporter, Ihre Fracht fällt nicht nur unter das Waffengesetz, sondern stellt auch einen Bruch diverser politischer Verträge dar. Wir fordern Sie ein letztes Mal dazu auf, sich zu ergeben!" "Ich weiß, ich weiß, oder ihr eröffnet das Feuer." Yxo stieg aus der Schlucht auf, womit er sein Schiff als nahezu perfektes Ziel präsentierte. "Tu' dir keinen Zwang an", grinste er, "aber du solltest eine verdammt gute Schützin sein, denn du weißt, was passiert, wenn meine Fracht etwas abbekommt - dein süßer kleiner Knochenkamm wird zusammen mit dem Rest des Kreuzers in einen theoretischen mathematischen Punkt gezogen." "Genau, wie Sie auch." "Das höre ich heute öfter. Du kannst es ja versuchen. Schieß' mich ab. Ich verschwinde jetzt jedenfalls." Damit schaltete Yxo in 200 Metern Höhe aus dem sicheren Atmosphären-Flugmodus in normalen Flugmodus und beschleunigte, raste in den Weltraum hinaus. Der Kreuzer folgte ihm, eröffnete aber nicht das Feuer. Die Lebensquell folgte bei voller Beschleunigung einige hundert Kilometer über der Felswüste der Oberflächenkrümmung des Planeten, der Kreuzer konnte nicht mithalten und fiel immer weiter zurück, bis er schließlich hinter dem Horizont verschwunden war. Damit beschloss Yxo, etwas Distanz zwischen sich und den Planeten zu bringen und nahm Kurs auf den Stern Chabsoom, um dort, in der Korona des Sterns versteckt, eine nahe Umlaufbahn einzuschlagen.
Beide Polizeikapseln waren neben dem abgestürzten Raumhafen-Transporter gelandet, vier Beamte näherten sich dem zertrümmerten Wrack behutsam mit gezogenen Waffen. Das Cockpitmodul war durch seine stoßfangende Verbindung zum Hauptcontainer noch relativ intakt, die Sichtscheiben waren, wie der Rest des Wracks, mit Staub bedeckt. Je zwei Esialos postierten sich auf einer Seite des Moduls. Je einer riss die Tür auf, die anderen richteten ihre Waffen ins Innere, doch das Cockpit war leer. "Wo ist er?" "Jedenfalls nicht hier drin", antwortete der Sicherheitsbeamte, der den engen Innenraum einer genaueren Untersuchung unterzog, "und er kann sich auch nicht einfach in Luft auflösen." Er stieg wieder aus dem Wrack und suchte den Boden nach Fußabdrücken ab, doch er fand keine. Windstöße fuhren hin und wieder durch das Tal, und die Landung der Sicherheitskapseln hatte eventuell auch Fußspuren verweht. "Er kann jedenfalls noch nicht weit sein." Der Esialo warf den anderen Beamten befehlende Blicke zu. "Zuecal, Chilam, ihr geht zurück in die Kapseln und durchsucht die Umgebung aus der Luft, wir schwärmen zu Fuß aus." Die Beamten taten, wie geheißen, beide Kapseln stiegen wieder in den Himmel auf und verschwanden hinter den hohen, schroffen Felsformationen. Die übrigen zwei Esialos verließen die Absturzstelle zu Fuß.
Nach einigen Minuten beschloss Sam, sein Versteck zu verlassen. Er stieß die Abdeckplatte im Heck des Wracks mit den Füßen auf und kroch aus dem engen Ladeabschnitt des Transporters. In der zusammengekrümmten Haltung hatte seine schmerzende Schulter die ganze Zeit gegen die Wand gedrückt, aber zumindest hatte die Wunde, die er sich beim Absturz an der Stirn zugezogen hatte, zu bluten aufgehört. Was jetzt? Sollte er versuchen, zu Fuß zur Stadt zurück zu kehren? "Hallo, Sie!" Sam wirbelte herum und richtete die Waffe auf den Esialo, der auf einem Felsvorsprung stand. Dieser nahm sofort ängstlich die Hände hoch. Er trug keine Uniform, sondern simple, braune Arbeitskleidung, vielleicht ein Farmer oder Bergarbeiter. Sam steckte die Waffe wieder ein und entschuldigte sich knapp. Vielleicht könnte ihm dieser Esialo irgendwie helfen. "Wer sind Sie?" rief der Unbekannte. Sam bedeutete ihm mit einer Handbewegung, etwas leiser zu sprechen und stieg die Talwand nach oben. "Ich bin Sam Johnson", antwortete der Mensch, "ich bin Pilot. Und Sie?" "Oouchal, ich arbeite in den Bergwerken hier. Es hat hier einen Haufen Lärm gegeben, und ein Kreuzer hat das Dorf überflogen, ich wollte nachsehen, was los ist. Geht es Ihnen gut?" "Ja, halbwegs. Ein paar Piraten haben am Raumhafen Ärger gemacht, ich bin vor ihnen geflohen. Sagen Sie, könnten Sie mich vielleicht zurück zur Stadt bringen?" "Natürlich, ich habe eine eigene Transportkapsel", bot Oochal bereitwillig an, "kommen Sie erst mal mit zum Dorf."
Sam folgte dem Esialo zu einer kleinen Siedlung, die aus einer Reihe Steinhäuser in einer tiefen Schlucht bestand. Verschiedene Stollen führten in die Klippen der Schlucht. Hier schienen mit uralten Robotern und Förderbändern hauptsächlich irgendwelche Erze abgebaut zu werden, die allesamt nicht sehr wertvoll waren. "Nettes Städtchen", kommentierte Sam. "Danke. Hören Sie, bevor ich Sie zum Raumhafen bringen kann, will ich meine Kapsel noch mit etwas Erz beladen, damit ich nicht leer fliege. Sie können sich meinetwegen in der Kantine stärken, ich brauche nicht allzu lange." Der Esialo deutete auf ein Gebäude im Zentrum des Dorfes und machte sich auf den Weg zu einer alten Frachttransportkapsel, die in der Nähe eines der Stollen abgestellt war. Sam zuckte die Achseln und näherte sich der Kantine. Es war ein simples, aber zweckmäßiges Steingebäude, wie alles hier ein wenig verstaubt. Als er eintrat, war er überrascht. Er hatte mit einem Raum voller Esialos gerechnet, doch stattdessen waren die verschiedensten Spezies hier versammelt, alle in brauner Arbeitskleidung. Dies schien hier tatsächlich ein bunt zusammen gewürfeltes Dorf zu sein, das vom Bergbau lebte. Die Anwesenden, die sich an einigen wenigen besetzten Tischen tummelten, blickten den Neuankömmling interessiert an. Der Mensch lächelte kurz, was den Leuten offenbar reichte, also gingen sie wieder ihren Beschäftigungen nach. "Was soll's denn sein?" Der Barkeeper war kein Roboter, sondern ein Esialo aus Fleisch und Blut. "Was haben Sie denn?" erkundigte sich der Mensch. "Weiß nicht so recht, ob irgendwas für dich dabei wäre", antwortete der Barkeeper, "vielleicht solltest du dich mal auf Wasser beschränken." "Ja, okay. Wasser." Sam bekam einen Becher mit einer trüben Flüssigkeit vorgesetzt. "Bist du das erste Mal hier?" wollte jemand wissen. Der Mensch drehte sich um und erblickte eine Lebensform, die überhaupt nicht zu den Bergarbeitern passen wollte. Es war ein etwa einanhalb Meter großes Wesen, dessen Körperform nicht mehr ganz als humanoid zu bezeichnen war. Anstatt Armen besaß es zwei lange, flexible Tentakeln, die Beine schienen ähnlich strukturiert zu sein, und der Kopf war ein dünner, weich erscheinender Fortsatz des Körpers, auf dem ein langgezogener Kamm aus festerer Biomasse saß. Beine und Rumpf des Wesens steckten in einer dunklen, beweglichen Panzerung, die aus mehreren kleinen Metallplättchen bestand und damit genauso flexibel war, wie der grün-rot gestreifte Körper. "Ja, kann man so sagen", antwortete Sam, "und was ist mit dir? Gehörst du zu den Bergleuten?" "Nein, ich bin Händlerin. Ich habe ein eigenes Schiff", erklärte sie stolz. "Gibt's in dem Kaff so viel zu handeln?" grinste Sam. "Stadtgeheimnis", antwortete sie. Ein eigenes Schiff, überlegte Sam. Ihm kam eine Idee. "Aha. Was ist denn das für ein Schiff?" "Ein interstellarer Transporter." Interstellar... Sam stöhnte innerlich. "Eventuell hätte ich Fracht", bot Sam an, "wie groß ist denn das Ladevolumen deines Schiffs?" "Etwa 40 000 Kubikmeter. Was für eine Art Fracht soll's denn sein, und wohin?" "Kommt darauf an, wo der nächste große intergalaktische Raumflughafen liegt." "Das dürfte Ceerer II sein, knapp 15 Lichtjahre von hier." "Gut. Die Fracht wären ein oder zwei kleine Raumschiffe und zwei Personen. Nennen wir es einen Überführungsflug." Die Händlerin hob den Kamm an ihrem Kopf interessiert. "So, ein Überführungsflug also", antwortete sie vielsagend, "könnte teuer werden. In was willst du mich bezahlen?" "Trenomien." "5000", forderte die Händlerin. "3000", forderte Sam. "5000", beharrte seine Gegenüber. "4000", schlug Sam vor. "5000." "Also gut, 5000." "Na bitte, es geht doch." Sam streckte ihr die Hand entgegen, die Händlerin umschlang sie mit ihrem Tentakel und schüttelte. "Ich bin Zeycal Gfeye Nhet", stellte sie sich vor. "Sam Johnson." "Kann ich mir sowieso nicht merken", gab Zeycal Gfeye Nhet zu. "Dann einfach Sam." "Okay", meinte die Händlerin, "Nhet. Einfach nur Nhet reicht auch. Das 'Zeycal Gfeye' ist eher politisch." In dem Augenblick betrat Oochal den Raum. "Hey, Mensch, ich weiß nicht, was du auf dem Kerbholz hast, aber ich habe die Bullen, die nach dir gefragt haben, abgewimmelt." Nhets Kamm zuckte. "Haben wir uns eben auf 5000 Trenomien geeinigt", erkundigte sie sich, "ich meinte natürlich 10 000."
Erwartungsvoll saß Yxo in seinem Cockpit. Vor einer Stunde hatte Sam ihn auf einer notbedürftig verschlüsselten Radiofrequenz kontaktiert und eine baldige sichere Abholung versprochen, doch wie der Terraner sich das vorstellte, war Yxo unklar. Er wartete nun schon den halben Tag auf der Rückseite der Chabsoom-Sonne in deren Korona. Als das Kom erneut piepste, öffnete der Cilthroide die Frequenz und wartete. "Yxo, bist du da irgendwo?" Die Stimme klang wie die von Sam. "Kann schon sein", antwortete der Cilthroide, "bist du's, Terraner?" "Nein, weißt du, ich bin in Wahrheit der Oberterrorist, und ich hab' mir nur in einer langwierigen Operation Sams Stimmbänder einpflanzen lassen, deswegen hat's auch so lange gedauert." "Okay, du bist es wirklich. Meine Position ist 45-732." "Huhu, jetzt kommen die bösen Terroristen." "Halt die Klappe."
Nach einigen Minuten erschien ein Raumschiff auf Yxos Scannerschirm, das sich von der anderen Seite des Sterns näherte. Oder zumindest so eine Art Raumschiff. Die Wärmeabstrahlung war für seine Größe von etwa 100 Metern enorm, die Hüllenstabilität schien miserabel. Als das Raumschiff schließlich in Sichtweite kam, zog Yxo ernsthaft in Erwägung, sich lieber den Irralias im Kampf zu stellen, als mit diesem Schiff zu fliegen. "Das ist ja ein Gastank mit einem Hyperantrieb dran", meinte Yxo entsetzt und traf damit die Realität ziemlich gut. An einen zylindrischen Tank war mit sehr einfachen Mitteln ein Hyperantrieb angebracht, oder zumindest die Teile, die man für einen Hyperantrieb benötigte, alles offen liegend. Oben auf dem Tank saß ein kleines Besatzungsmodul, das auch absolut nicht zum Rest der Konstruktion passte. In die Unterseite des Tanks war eine große Luke geschnitten worden, die von einer externen Frachtklappe abgedeckt werden konnte. Im Augenblick war die Luke offen. "Flieg' die Lebensquell in den Laderaum", forderte Sam Yxo auf, "dann stell' ich dir die Eigentümerin des Schiffs vor. Ach ja, und wenn du aussteigst, wäre es vielleicht eine gute Idee, eine Atemmaske aufzusetzen, die Luft hier drin ist etwas dünn." Yxo war so verdutzt, dass er wortlos der Aufforderung folgte, seinen Transporter in den Frachtraum des notbedürftig zusammen gezimmerten Schiffes manövrierte und mit den Landestützen andockte. "Die Ladeluke ist geschlossen, du kannst rauskommen", meldete Sam. Yxo stand auf, ging zum Ausrüstungsschrank und kramte dort seine Sauerstoffmaske heraus. Mit dieser Atemhilfe verließ er die Lebensquell über die Luftschleuse, um sofort schwerelos in den Frachtraum zu entschweben. Er fluchte, doch es gelang ihm gerade noch, sich an einer Landestütze festzuhalten. Wenn er seinen Raumanzug angezogen hätte, hätte er wenigstens Magnetstiefel zur Verfügung gehabt. An den gewölbten Wänden des Frachtraums liefen Haltegriffe entlang, einige Halteseile waren kreuz und quer durch den gewaltigen, leeren Frachtraum gespannt, doch Yxo konnte keines davon erreichen. "Na toll", knurrte er. In dem Augenblick schwebten von oben zwei Gestalten in den Raum. Sam mit Atemmaske und eine kleinere, irgendwie majestätisch wirkende Figur. "Was machst du da unten für einen Blödsinn?" rief Sam dem Cilthroiden zu.
Abschnitt 6
Nachdem Nhet Yxo aus seiner misslichen Lage befreit hatte, versammelten sich die drei im Aufenthaltsraum des Frachtschiffs. "Also", begann Nhet, dem Cilthroiden die Lage zu erklären, "ich bin Zeycal Gfeye Nhet, und ich bring' euch und das Schiff für 10 000 Trenomien zum Raumflughafen von Ceerer II, 15 Lichtjahre von hier." Die Händlerin trug nicht mehr den panzerungsartigen Anzug, mit dem sie sich an zu hohe Gravitation anpasste. Hier, in der Schwerelosigkeit ihres Schiffes, bei niedrigem Luftdruck, konnte sie sich ohne Hilfsmittel mit einer atemberaubenden Grazilität bewegen. "Nur mein Schiff?" erkundigte sich Yxo. "Die Esialos haben meinen Jäger", seufzte Sam. Yxo brummte und sah sich um. Dieses Schiff war eine fliegende Müllhalde, milde ausgedrückt. Der Innenraum wirkte dunkel, trostlos, irgendwie zusammen gezimmert. Ein auf- und abklingendes Dröhnen erfüllte den gesamten Innenraum. "Wie lange werden wir mit diesem... ähm... Schiff ungefähr brauchen, bis Ceerer II?" erkundigte sich der Cilthroide. "Etwa zehn Tage", antwortete Nhet. Yxo verzog das Gesicht. "Und wird es hier die ganzen zehn Tage über so schwerelos sein, so luftlos und so heiß?" "Es ist heiß?" fragte Nhet nach. "Ja, sehr heiß." "Oh, gut zu wissen. Sie krümmte sich regelrecht zusammen, um sich mit sämtlichen Tentakeln an der Wand abzustoßen, katapultierte sich so in den Raum nebenan, der offenbar als eine Art Maschinenraum fungierte. Dort begann sie, an einigen mechanischen Bedienungselementen herum zu spielen. "Wisst ihr, ich habe kein Temperaturempfinden, so gesehen ist eure Anwesenheit ganz gut. Normalerweise bemerke ich ein Überhitzen des Hyperantriebs erst dann, wenn irgendwo ein Feuer ausbricht." Sie lächelte. Yxo lächelte ebenfalls und sprang aus seiner provisorischen Null-g-Sitzhaltung auf. "Terraner, du kannst ja gerne die 15 Lichtjahre hier mitfliegen, aber ich nehm' lieber mein eigenes Schiff, ich geh' sogar lieber zu Fuß!" "Moment, Moment", rief Sam, "da draußen ist ein Kreuzer voll mit siebenarmbeinköpfigen Psychos, und die warten nur auf ein Schiff der ST-300-Klasse mit einem Cilthroiden und einer speziellen Fracht an Bord, und wenn du denen vor die Geschütze kommst, dann geht's rund!" Yxo seufzte und blickte in den Nebenraum, wo Nhet gerade damit beschäftigt war, eine Art großes Ventil aufzudrehen.
Im unteren Rumpf des Frachters öffnete sich ein Ventil, eine dunkle, schaumartige Masse strömte in den Weltraum hinaus und gefror dort, die Eispartikel drifteten auf den extern angebrachten Hyperantriebs-Block zu, um in dessen Nähe wieder zu schmelzen, in jede der zahlreichen Ritzen und Öffnungen der Maschine einzudringen und schließlich endgültig zu verdampfen.
"Jetzt müsste die Temperatur sinken", meinte Nhet zufrieden, "ich habe das Kühlsystem aktiviert. Sagt aber, wenn es zu kalt wird, sonst kann der Antriebsblock gefrieren. Und bevor ihr erfriert, könnt ihr meinetwegen auch selbst das Ventil dort schließen." Sie deutete auf das große Rad, an dem sie eben gedreht hatte, dann seufzte sie. "Scheiß-Technik. Aber wenn ihr schon da seid, könnt ihr auch gleich im Kommandoraum Wache halten, um Kollisionen mit anderen Schiffen zu vermeiden. Gute Nacht." Sie zog sich in ihren Schlafraum zurück. "Kollisionen mit anderen Schiffen vermeiden", murmelte Yxo verständnislos vor sich hin. "Der Antriebsblock kann gefrieren", konterte Sam verständnisloser und rückte sich verdutzt die auf Chabsoom gekaufte Atemmaske zurecht, die einem Menschen nicht so recht passen wollte.
Nhets gemütlicher Schlaf dauerte fünf Tage. Fünf Tage, in denen Yxo und Sam sich um das Schiff kümmerten, Ventile öffneten, schlossen, in Schicht arbeiteten und jede halbe Stunde mit einem neuen technischen Problem konfrontiert wurden, von dem Sam glaubte, es sei seit Beginn der bemannten Raumfahrt ausgestorben. Sam drehte gerade an dem Kühlschaum-Ventil, als Nhet träge, aber grazil in den Raum schwebte. "Ist es auf so einem Schiff nicht etwas gefährlich, fünf Tage Schlaf zu brauchen?" wollte Sam gereizt wissen. "Ich brauche gar keine fünf Tage Schlaf", entgegnete Nhet und warf selbst einen prüfenden Blick auf die dröhnenden, schmutzigen Maschinen im Raum, "aber wo ihr sowieso die Drecksarbeit macht, kann ich genauso gut auch mal ausschlafen." Mit diesen Worten begab sie sich in den Aufenthaltsraum, um im Kühlschrank nach einem geeigneten Frühstück zu suchen. Sam hangelte sich ebenfalls nach nebenan. "Ähm, weißt du, es ist wohl gesünder für dich, wenn du Yxo in dem Glauben lässt, dass du wirklich fünf Tage Schlaf brauchst." Nhets Kamm bewegte sich überrascht, als sie den Kühlschrank durchsuchte. "Habt ihr keine eigenen Vorräte?" beschwerte sie sich in Anbetracht der ziemlichen Leere in ihrem Kühlschrank, umschlang schließlich eine klebrige Substanz mit einem Tentakel und presste sich die Masse unter den Knochenkamm, wo ihre Haut langsam die Nährstoffe aufnahm. Was übrig blieb, schleuderte Nhet in den Abfallbehälter. "Ach, man hätte nicht alles an dem Zeug essen dürfen?" erkundigte sich Sam. In dem Augenblick kam auch Yxo in den Raum. "Na, du, gut geschlafen?" fragte er aggressiv. "Ich kann nicht klagen", antwortete sie. "Was bist du überhaupt für eine Spezies, ich weigere mich, dich mit deinem Namen anzusprechen." "Ich bin eine Gfeye. Das lässt sich aus 'Zeycal Gfeye Nhet' doch wohl entnehmen!" "Ach so, dann ist ja alles klar. Nhet kann ich trotzdem besser aussprechen." Der Cilthroide wandte sich nun an Sam. "Heute ist uns der Leichtkreuzer der Irralias nicht mehr über den Weg geflogen. Sieht so aus, als hätten sie doch nur einfach patrouilliert, und keinen Verdacht geschöpft. Ich würde es auch niemandem, der aus der Zivilisation kommt, zutrauen, mit so einem Schiff hier zu reisen." "Irralias sind hinter euch her?" interessierte sich Nhet. Vermutlich hätte sie gegrinst, wenn sie es könnte. "Was seid ihr für Typen", wollte sie wissen, "Schmuggler, Piraten, oder irgendwas Anderes?" "Das geht dich absolut nichts an", antwortete Yxo und schob Nhet mit einer Handbewegung mühelos beiseite, um den Raum zu verlassen, "und ich gehe mich jetzt auch mal ausruhen. Gute Nacht."
Yxo brachte es fertig, die nächsten beiden Tage demonstrativ zu verschlafen, Sam hingegen hielt daraufhin nicht mehr als zehn Stunden Schlaf durch. Den Rest der Reise war die Atmosphäre an Bord etwas entspannter, so dass Nhets Schiff nach zehn Tagen Ceerer II erreichte.
Der Planet war von den Umweltbedingungen her nichts weiter als ein grauer Felsbrocken, vergleichbar mit Merkur oder dem Erdenmond, doch in seinem Inneren beherbergte er gewaltige Vorkommen verschiedenster wertvoller Mineralien, die den souveränen Planeten unheimlich reich und seinen Raumhafen zu einem Verkehrsknotenpunkt der näheren und mittleren Umgebung machten.
Nhets Schiff war nicht unbedingt das ideale Landungsschiff. Die Erschütterung der Triebwerke, die stetig durch einen Fusionsreaktor erhitztes Gas ausspieen, ließ das Schiff während der gesamten Landung vibrieren. Sam und Yxo hatten beschlossen, den Landeanflug auf der fraglos sehr viel sichereren Lebensquell zu verbringen, doch nicht einmal die computergesteuerten Landestützen der Lebensquell waren in der Lage, die Vibration, die den Laderaum von Nhets Schiff erfüllten, komplett abzufangen. Yxo fürchtete mehrmals, dass der Frachter um sein Schiff herum einfach auseinander fallen würde, doch als das Rütteln schließlich stoppte und das Dröhnen der Wasserstofftriebwerke abklang, gewann er wieder an Zuversicht. Schwerkraft war wieder da, und im ersten Moment fühlte sich der Cilthroide dadurch etwas eingeschränkt. Er hätte zwar während der Reise von Chabsoom bis hierher die künstliche Schwerkraft der Lebensquell aktivieren und auf seinem kleinen Transporter bleiben können, doch das Vorhandensein einer künstlichen Gravitationsquelle hätten die Terroristen schon bei einem kurzen Scan von Nhets Schiff feststellen können, und das Letzte, was Yxo wollte, war ein Flug in Nhets Schrottmühle und trotzdem von den Irralias entdeckt werden. "Okay, Terraner", wandte sich Yxo an Sam und erhob sich in Anbetracht der herrschenden Schwerkraft etwas unsicher aus seinem Pilotensitz, "ich will so schnell wie möglich wieder von hier weg, bevor die Irralias doch noch irgendwie unsere Spur aufnehmen. Wir machen uns besser auf die Suche nach einer Kom-Einheit, von der aus wir unbemerkt eine Nachricht an Sod schicken können." Sam nickte und presste sich aus dem Copilotensitz, doch es schien dem Menschen schwerer zu fallen, als dem Cilthroiden, sich nach zehn Tagen Schwerelosigkeit wieder an das eigene Körpergewicht zu gewöhnen. "Frag' mal Nhet", grinste Yxo, "vielleicht leiht sie dir ihren Grav-Anzug." "Seit wann seid ihr Cillys denn so witzig?" Sam setzte sich wieder hin, was für ihn offensichtlich deutlich bequemer war. Yxo zerrte ihn aus dem Sitz und schleifte ihn mit nach draußen.
Gemütlich legte sich Nhet in die Polster der Antigrav-Kammer. Der Aufenthalt in dieser Einrichtung des Raumhafens war zwar nicht billig, aber die Gfeye genoss doch immer wieder das Gravitationsniveau, wie es auch auf ihrer Heimatwelt herrschte. Hier konnte sie auf den lästigen Grav-Anzug genauso verzichten, wie auf Haltegriffe in völliger Schwerelosigkeit. Sie spielte mit dem Gedanken, doch lieber auf ihr Schiff aufzupassen, zu dem sie ihren beiden Fluggästen freien Zugang gewährt hatte, allerdings bezweifelte sie, dass die beiden sich dazu herab lassen würden, irgendetwas daraus zu stehlen. Außerdem schienen sie schwer bewaffnet zu sein - wenn sie Nhets Eigentum wollten, hätten sie es ihr schon vor Tagen nehmen können. Vielleicht war es doch ein Fehler gewesen, die beiden mitzunehmen. Sie schienen vor irgendjemandem entkommen zu wollen, und Nhet könnte Ärger kriegen, wenn der unbekannte Verfolger davon Wind bekam, dass sie den beiden geholfen hatte. Zumindest hatten sie bereits die Hälfte als Vorschuss bezahlt. So weit sie den Plan ihrer Passagiere mitbekommen hatte, wollten sie zuerst irgendeine Nachricht senden und dann nach einer weiteren Mitfluggelegenheit suchen, und dann würden sie Nhets Frachter verlassen. Das war nun Stunden her. Nhet genoss noch eine Weile die geringe Schwerkraft, bis das Kom-Gerät in ihrem Grav-Anzug piepste. "Antworten", sprach sie knapp und meldete sich dann: "Ja, wer ist da?" "Yxo", lautete die Antwort, "wir sind fertig. Ich hol' mir jetzt mein Schiff, und dann kannst du weiter fliegen." Nhets Kamm zuckte. "Ja, aber den Entladevorgang überwache ich lieber selbst", antwortete sie hastig und zog sich wieder den Grav-Anzug an. Sie traute es diesem Cilthroiden nicht zu, sein Schiff ohne Überwachung aus dem Laderaum zu manövrieren, ohne irgend etwas kaputt zu machen. Außerdem schuldeten die beiden ihr noch 5000 Trenomien. "Dann musst du dich aber ganz schön beeilen", entgegnete Yxo und unterbrach die Verbindung.
Nhet machte sich so schnell wie möglich auf den Weg zurück zu ihrem Schiff, doch als sie ankam, waren der Cilthroidsche Transporter und ihre Passagiere bereits verschwunden. Sie hatten die Gfeye nicht vollständig bezahlt, doch damit hatte sie eigentlich auch nicht gerechnet, die 5000 Trenomien, die sie erhalten hatte, waren bereits mehr Geld, als sie sich jemals hätte erträumen können. Zumindest war ihr kostbares Schiff unversehrt. Sie machte sich an die Startvorbereitungen, um nach Chabsoom zurück zu kehren.
Abschnitt 7
Langsam erhob sich der schwere Rumpf von Nhets Schiff in den finsteren Himmel des kraterübersäten Planeten, von einem Strahl aus erhitztem Wasserstoff in die Höhe katapultiert, auf eine Flugbahn, die den Transporter aus der Umlaufbahn in den interplanetarischen Raum führen würde, wo das Schiff seinen alten Hyperantrieb in Betrieb nehmen könnte.
"Guten Flug", verabschiedete sich der Flight Controller von Nhet. Sie bedankte sich knapp und schaltete dann das energieaufwändige Kom ab. Es würde noch einige Stunden dauern, bis sie weit genug von der Gravitationsquelle Ceerer II entfernt war, um mit dem alten, zusammen geschraubten Antrieb in den Hyperraum eintreten zu können.
Zufrieden umklammerte Reen'ch mit drei seiner Gliedmaßen den Steuerknüppel des Kreuzers. Der Innenraum der Kommandozentrale war für die Irralias enorm umgestaltet worden, doch die Bedienungselemente waren die gleichen, wie bei jedem Esialoschen Leichtkreuzer. Die Anzeige der Sensoren zeigte Nhets Schiff, das dem Kreuzer direkt voran flog. Die primitiven Scanner des Frachters konnten den Kreuzer auf dieser Position nicht entdecken. "Den Transporter rufen", befahl Reen'ch, woraufhin eine Kom-Verbindung aufgebaut wurde. "Frachtschiff", sprach der Irralias, "wir wissen von der Fracht, die Sie auf ihrer letzten Reise transportiert haben. Wo befindet sich die Ladung im Augenblick?" Es dauerte eine Weile, bis die angesprochene Kommandantin antwortete: "Wer und wo sind Sie?" "Das ist nicht von Belang. Wo ist Ihre Fracht im Augenblick?" "Welche Fracht meinen Sie überhaupt? Meine letzte Reise war ein Leerflug." "Und Ihre jetzige Reise ebenfalls? Leerflug hin, Leerflug zurück? Sie sind nicht in der Position, uns anzulügen." "Wenn Sie dann glücklich sind: Ich habe keine Ahnung. Wenn ich es wüsste, wäre ich jetzt nicht hier, sondern bei der Fracht, denn ich wurde nicht ausreichend bezahlt. Sind Sie jetzt zufrieden?" "Eigentlich nicht", antwortete Reen'ch und feuerte ein Missile auf den Transporter ab. Der Bildschirm zeigte, wie das kleine Objekt sich dem Frachter mit seiner ahnungslosen Kommandantin näherte, um schließlich mitten in den Rumpf einzuschlagen. Der Tank, der den Hauptteil des Schiffs bildete, wurde von der Explosion der Rakete zerfetzt, die Erschütterung riss die Bestandteile des Hyperantriebs auseinander, das Crewmodul zerbrach unter der Belastung, ein einziges Trümmerfeld blieb von Nhets Schiff übrig. "Dann holen wir uns unsere Informationen eben woanders."
Als Nhet wieder zu Bewusstsein kam, war das Erste, was sie feststellte, dass es finster war. Lediglich ein matter Lichtschein drang durch das kleine Sichtfenster und zeigte an der gegenüber liegenden Wand einen kleinen Teil der Verwüstung, die im Aufenthaltsraum herrschte. Erst, als sich Nhet langsam aufrichtete, stellte sie fest, dass Gravitation herrschte, erkannte aber gleich darauf, dass es keine Schwerkraft war, sondern dass sie durch die Fliehkraft an die Wand des Raumes gedrückt wurde. Ein Blick aus dem Sichtfenster verriet ihr, dass sich das Schiff in Rotation befand. Neben den gleichen Sternenformationen, die immer wieder vorbei rasten, waren auch Wrackteile im Weltraum verstreut. Wrackteile von ihrem eigenen Schiff - sie konnte deutlich eine halbe Hyperspule ausmachen, die Ladeluke, und hin und wieder trieb sogar ihr Cockpit vorbei. Sie hatte ja gleich gewusst, dass es eine gute Idee war, die Wände des Aufenthaltsraums zu verstärken und den gesamten Raum in ein Rettungsmodul umzubauen. Langsam und vorsichtig zog sich Nhet näher zum Fenster, um Genaueres erkennen zu können. Ein Ausrüstungskoffer flog vorbei. Den hatte sie eigentlich schon lange gesucht. Plötzlich erschien eine Form, die nicht zu ihrem Schiff gehörte, weit entfernt. War dies der Angreifer? Sie wartete, bis die nächste Umdrehung ihres Rettungsbootes vollendet war. Dieses Mal war das Schiff näher - ein Transportschiff, wahrscheinlich Terranische Bauart: Eine langgezogene Stromlinienform mit einem kastenartigen Frachtmodul am Heck, an das zwei kurze, nach Steuerbord und Backbord deutende Pylonen anschlossen. Wenn dies nicht der Angreifer war, würde die Crew vermutlich auf einer Rettungsmission sein, doch ohne Kom-Gerät in ihrer Rettungskapsel würde Nhet kein Notsignal senden können... Ihr kam ein schrecklicher Gedanke: Was wäre, wenn dieses Schiff ihre Rettungskapsel nur für ein Wrackteil halten würde, was sie ja eigentlich auch war... Niemand würde sie retten, und sie würde jämmerlich verrecken müssen... Das fremde Schiff aktivierte einen Suchscheinwerfer und begann, die Wrackteile zu beleuchten, dann verschwand es wieder aus dem Sichtfeld des Fensters, bis zur nächsten vollendeten Umdrehung. Ein Lampe! Sie musste noch irgendwo eine Lampe haben. Während sie die Trümmer im Raum durchkramte und die Dunkelheit nach ihrer Lampe abtastete, erschien das Schiff erneut, dieses Mal schon nach einer halben Umdrehung - es war an der Rettungskapsel vorbei geflogen, bald würde es das Trümmerfeld wieder verlassen. Wo war die verdammte Lampe? Verzweifelt fuhr Nhet mit ihren Tentakeln durch die Trümmer, betastete jedes Stück, das sie in der Dunkelheit fand. Eine weitere Umdrehung, die Form des suchenden Schiffes schrumpfte, und es hatte seinen Scheinwerfer wieder deaktiviert. Da war die Lampe. Nhet schaltete sie ein, der Raum wurde erleuchtet, doch die Gfeye interessierte sich nicht für das Chaos, das nun erst sichtbar wurde. Sie wartete bis zur nächsten vollendeten Umdrehung, richtete die Lampe aus dem Fenster, auf das ferne Flugobjekt, und schaltete sie nach Gutdünken ein und aus. Bei der nächsten vollendeten Umdrehung war das Schiff wieder verschwunden. Nhet fluchte und schleuderte die Lampe wütend gegen die Wand. Ein splitterndes Geräusch war zu hören, dann wurde es wieder finster, die Hülle der Kapsel dröhnte unter der Belastung. Als Nhet den stark deformierten Kühlschrank öffnete, erkannte sie, dass sie nicht verhungern durfte, sondern an Sauerstoffmangel sterben musste.
Sam streckte sich und ließ sich rücklings auf die Couch fallen. Die Kabine war zwar nur Touristenklasse, allerdings nicht zu verachten, und für eine Einzelkabine sogar ziemlich groß. Der einzige Haken war, dass es kein Fenster gab, um die Sterne zu beobachten. Ein ganz leises Summen verriet, dass die Tür geöffnet wurde. "Stell' es auf den Tisch!" befahl Sam dem Service-Roboter. "Ich bin's, Yxo", antwortete der Cilthroide, und erst jetzt blickte Sam auf und stellte fest, dass der Eindringling gar nicht der Service-Roboter war. "Wie wär's mit Klingeln?" erkundigte sich Sam zynisch. "Es war offen", lautete Yxos Antwort, "ich wollte mich nur vergewissern, dass du es dir nicht zu bequem machst." "Und warum nicht?" entgegnete der Mensch und richtete sich träge wieder von der Couch auf. "Frag' nicht so dumm, hast du vergessen, wo wir sind?" "Das weiß ich schon noch", antwortete Sam und hob eines der weißen Kissen von der Couch hoch, das golden mit dem Schriftzug "SS Stellar Pearl, Starfarer Line" und einem stilisierten Schiffsumriss bestickt war. "Terraner", seufzte Yxo, "wir können nicht sicher gehen, dass sie uns nicht folgen, vielleicht sind sie sogar an Bord. Wenn man Zollbeamte und einen Raumschiffkommandanten besticht, damit er ein nicht registriertes Raumschiff im Laderaum mitnimmt, wissen schon mal Leute von uns, die vielleicht nicht sehr verschwiegen sind, wir sollten also wenigstens aufmerksam sein. Außerdem sind meine zwei Stunden rum, jetzt bist wieder du dran, auf die Lebensquell aufzupassen." Sam seufzte und verließ wortlos die Kabine. Die Lebensquell war dort, wo sie nun stand, zwischen Stapeln von Containern und Stückgut im Frachtraum der 'SS Stellar Pearl', wohl relativ sicher, und wenn sich jemand an dem Schiff zu schaffen machte, würde Yxos Kommunikationsgerät das sofort melden. Allerdings war es trotzdem sicherer, wenn Sam und Yxo abwechselnd ein Auge auf den kleinen Transporter warfen, aufgrund seiner brisanten Ladung.
Sam trabte durch die Gänge der Stellar Pearl, bis er den Eingang zum Frachtraum erreichte. Er hielt seinen MPC knapp an das Kontaktfeld neben dem Schott, und der Code, den der Kommandant des Passagierfrachters den Piraten verkauft hatte, öffnete den Zugang. Sam betrat den Laufsteg, der quer durch den Laderaum führte und links und rechts von Containerstapeln gesäumt war, und ihm fiel im Zentrum des gewaltigen Laderaums - fernab der gut versteckten Lebensquell - ein Frachtstück auf, das bei seiner letzten Schicht noch nicht da gewesen war. Es ließ sich wohl am besten als formloses Trümmerstück bezeichnen, und einige menschliche Techniker mit Laserbrennern und Pressorhämmern unternahmen große Anstrengungen, die Hülle des Wrackteils zu öffnen, überwacht vom Kommandanten, dem Wachoffizier und der Ärztin der Stellar Pearl, alle drei in die Jahre gekommene Terraner. Sam versteckte sich hinter einem Container und beobachtete den Vorgang. Nach einigen Minuten hatten die Techniker ein großes, rundes Loch in das Trümmerstück gebrannt, woraufhin langsam ein grün-rot gestreifter Tentakel aus dem dunklen Inneren auftauchte, gefolgt von noch einem. Die Menschen halfen einer Gfeye aus dem Wrackteil, und Sam hatte das Gefühl, dass es sich dabei um Zeycal Gfeye Nhet handelte. Dieses Gefühl bekräftigte sich, als er der Konversation lauschte, welche die Terraner nun mit der Gfeye führten. Nach den üblichen Erkundigungen nach dem Wohl der Schiffbrüchigen stellte sie sich eindeutig als Zeycal Gfeye Nhet vor und erwähnte, dass ihr Reiseziel Chabsoom war. "Was ist geschehen?" wollte der Kommandant der Stellar Pearl wissen. "Mein Schiff ist angegriffen worden", antwortete Nhet. Also ist es nicht von alleine auseinander gefallen, dachte Sam und musste dabei unwillkürlich grinsen. "Jemand hat mich angefunkt, und sich nach dem Verbleib von zwei Fluggästen erkundigt", erzählte sei munter weiter, "aber natürlich wusste ich nicht, wo die waren, und dann wurde ich ohne Vorwarnung angegriffen. Ich bin Ihnen wirklich unheimlich dankbar, dass Sie mich doch noch entdeckt und gerettet haben." "Keine Ursache", antwortete der Kommandant großzügig und setzte unwillkürlich einen düsteren Blick auf, "aber was waren denn das für Fluggäste?" "Betriebsgeheimnis", antwortete die Gfeye knapp, und setzte dann fort: "Wo fliegen Sie denn hin?" "Wir sind auf dem Weg nach New Alamogordo", erklärte der Wachoffizier bereitwillig, und als er sah, dass Gfeyes Kamm weiterhin interessiert auf ihn gerichtet war, fuhr er erklärend fort: "New Alamogordo ist eine Terranische Kolonie in der Andromeda-Galaxie, nahe an der Grenze zu den Esialos. Sie werden selbstverständlich für die Dauer der Reise an Bord untergebracht. Auf New Alamogordo werden Sie den Behörden wohl einige Fragen beantworten müssen, Sie können selbstverständlich auch bereits hier unsere Koms nutzen, um mit Ihrer Versicherung in Kontakt zu treten." "Wir kümmern uns um Ihre Rettungskapsel", versprach der Kommandant, "nun begleiten Sie Dr. Kolesnikow erst einmal zur Krankenstation."
Die Kabine, die Nhet nach der medizinischen Untersuchung zugewiesen wurde, behagte ihr sehr. Sie konnte sogar die Schwerkraft auf ein erträgliches Maß reduzieren, was ihr zumindest den Grav-Anzug ersparte. Das Interessanteste, das Nhet allerdings während ihres gesamten bereits fünfstündigen Aufenthalts hier entdeckt hatte, war etwas, das die Terraner "Fernsehen" nannten, offenbar ein Medium für verschiedene Zwecke. Die Darstellung gespielter Gewalt wirkte auf die Gfeye unheimlich beruhigend, aber am besten gefielen ihr die Konsum-Entscheidungshilfen, die sehr häufig und in regelmäßigen Abständen gezeigt wurden. Außerdem waren die Nachrichten zum Teil sehr interessant, und die Einfuhr von Esialo-Truppen ins Chabsoom-System zur Suche nach einer geraubten Singularitätswaffe hatte sich sogar einen kleinen Beitrag in den 21-Uhr-Nachrichten verdient. Nhet musste innerlich schmunzeln, als sie hörte, dass die Esialos nach einem Menschen, einem Cilthroiden und einem Transporter der ST-300-Klasse fahndeten. Plötzlich piepte die Türklingel. "Herein!" forderte Nhet den Besucher auf und war sehr überrascht, als Sam und Yxo die Kabine betraten. "Wisst ihr, dass ihr im Fernsehen seid?" erkundigte sie sich. "Kann schon sein", grinste Sam, "was zum Teufel ist passiert?" Die Gfeye erzählte den beiden Piraten knapp von dem Angriff auf ihr Schiff, oder zumindest das, was sie davon wusste. "Es ist wichtig, dass niemand - und ich meine damit niemand - erfährt, dass wir an Bord deines Schiffes waren", erklärte Yxo, "und das ist keine freundliche Bitte." "Schon kapiert", antwortete Nhet, "das trifft sich unheimlich gut, da ihr mir noch 5000 Trenomien und ein neues Raumschiff schuldet." Lächelnd packte Yxo die Gfeye an beiden oberen Tentakeln und zerrte sie aus dem Sessel, dem sie ihre Körperform perfekt angepasst hatte. "Jetzt hör' mir mal zu", stieß er hervor, "du bist nicht in der Lage, uns zu erpressen. Mach' uns Ärger, und ich probier' aus, wie viel Schwerkraft du ohne deinen Grav-Anzug aushältst!" "Wieso seid ihr jetzt überhaupt zu mir gekommen, ihr Intelligenzbestien?" lautete die Gegenfrage der Gfeye, die sich verzweifelt in Yxos Griff wand. "Ganz einfach: Bevor du dich von diesen Irralias erpressen oder bestechen lässt, sollst du wissen, dass wir auch ungemütlich werden können, kapiert?" "Ziemlich harte Worte für jemanden, der zehn Tage lang freiwillig die Drecksarbeit für mich gemacht hat." "Yxo..." presste Sam zwischen den Zähnen hervor, wohl wissend, dass der Cilthroide nun beruhigt werden musste, "vielleicht etwas diplomatischer?" "Genau, vielleicht etwas diplomatischer", stimmte die Gfeye zu. "Ganz richtig, vielleicht etwas diplomatischer", bestätigte der Kommandant der Stellar Pearl. Er stand alleine in der Tür. "Ich habe mir ja gleich gedacht, dass ich Sie drei im Auge behalten muss", sagte er, "und was ich sehe, gefällt mir überhaupt nicht. Ich muss Sie alle bitten, mein Schiff zu verlassen." Er trat in den Raum, so dass sich die Tür hinter ihm schließen konnte, verdutzt ließ Yxo Nhet los. Die Gfeye fiel gemächlich zu Boden und federte sich dort sanft ab. "Wieso, was hab' ich denn getan?" wollte Nhet außer sich wissen. "Ich will hier nicht mit Ihnen diskutieren. Mein Schiff transportiert scheinbar eine geraubte taktische Singularitätswaffe, und Sie alle drei stecken da irgendwie mit drin. Ich muss Sie nochmals ersuchen, die Stellar Pearl zu verlassen, oder ich werde den Zoll einschalten." Der Kommandant sprach ruhig und selbstsicher. "Einfach so das Schiff verlassen?" fragte Yxo trotzig nach. "Einfach so", antwortete der Kommandant und nickte, "aber nehmen Sie Ihr kleines Frachtschiff und Ihre Bombe mit." Er atmete tief durch. "Sie haben die Zugangscodes zum Frachtraum, mit denen Sie auch die Außenklappe öffnen können. Ich will, dass Sie drei innerhalb von einer Stunde mein Schiff verlassen, dann sehe ich auch davon ab, Behörden einzuschalten." Mit diesen Worten wandte sich der Kommandant um und verließ den Raum wieder. Er wollte es offensichtlich ebenfalls vermeiden, den Zoll zu informieren, immerhin könnte auffliegen, dass er sich hat bestechen lassen, und dem Ansehen seines Schiffes würde es allemal schaden. Nhets Kamm bewegte sich hin und her. "Das wird doch toll", meinte sie und legte Sam und Yxo je einen Tentakel um die Schultern, "wir unternehmen wieder zusammen eine Reise."
Abschnitt 8
Während Sam und Nhet in den beiden Copiloten-Sitzen der Lebensquell warteten, machte Yxo den Transporter startklar. Die Bildschirme zeigten die große, geöffnete Ladeluke in der Unterseite der Stellar Pearl, durch die man die Sterne erkennen konnte, die langsam vorbei zogen. Der Passagierfrachter flog bereits seit einiger Zeit mit Sub-Hyperantrieb, doch ob er von Ceerer II aus genug Distanz hinter sich gebracht hatte, dass die Irralias die Lebensquell nicht mehr entdecken würden, war unklar. "Wo wollt ihr jetzt eigentlich hin?" erkundigte sich Nhet, während Yxo einige letzte Systemchecks der Lebensquell vornahm, doch die Gfeye beantwortete ihre Frage gleich selbst: "Ach ja, wollt ihr mir bestimmt nicht sagen." "Du hast es erfasst", antwortete Yxo, "aber das siehst du schon noch, denn wir lassen dich hier nicht gehen, bevor wir unsere Fracht..." "Die Bombe", unterbrach Nhet den Cilthroiden. "...unsere Fracht los sind", setzte Yxo unbeirrt fort, "damit du nicht plaudern kannst." "Danke, sehr umsichtig", entgegnete Nhet sarkastisch, "wie's aussieht, ist es euch auf Ceerer gelungen, eine Verbindung zu eurem Kontaktmann aufzubauen. Aber wie habt ihr die Bombe auf die Stellar Pearl gebracht?" "Halt die Klappe, oder den Kamm, oder was auch immer!" "Aber mein Interesse ist rein geschäftlich." Yxo seufzte. "Etwas Bestechung hier, etwas Bestechung da", meinte er. "Bei Terranern soll das mit Bestechung ja ganz einfach sein", stimmte Nhet zu und blickte Sam mit wackelndem Kamm an. "Was schaust du mich so an", fragte der Mensch, "ich bin kein Terraner." "Nicht?" "Ich bin geboren in einer Kolonie auf Beteigeuze-City, aber eigentlich ist es ja auch egal." "Eben", stimmte Yxo leicht gereizt zu, "wir sind jetzt jedenfalls startbereit."
Freundlich lächelte der Kommandant der Stellar Pearl den Passagieren zu, während er das saftig grün bepflanzte Freizeitdeck überquerte. Wenn die wüssten, dass eine Massenvernichtungswaffe an Bord ist, überlegte er. In Kürze würde die 60-minütige Frist, die er den drei Kriminellen gesetzt hatte, vorbei sein, und er hoffte stark, dass sie bereits von Bord sein würden, wenn er auf der Brücke ankam, um den Wachoffizier abzulösen.
Wenn ein Passagierschiff in eine Gefechtssituation gerät, ist die Wirkung sogar auf erfahrene Offiziere furchteinflößend. In einer scheinbar perfekten, wunderschön konstruierten Welt für sich bricht plötzlich das Chaos aus. Die Trägheitskompensatoren der Stellar Pearl liefen im Flugmodus auf absolutem Minimum, so dass das Freizeitdeck plötzlich steil zur Seite zu kippen schien, als sie angegriffen wurde. Passagiere wurden von den Füßen gerissen, schrieen auf, Gegenstände flogen plötzlich quer durch das breite Deck. Die Beleuchtung flackerte und fiel kurzzeitig aus, und eine ruhige Stimme versicherte den Passagieren, alles sei in Ordnung und unter Kontrolle.
Die Lebensquell war kurz vor ihrem Start bereits im Gefechtsmodus, wie es für das Piratenschiff normal war, so dass die Trägheitsaufhebung nur einen leichten Stoß durch das Cockpit des Transporters fahren ließ, doch die Sterne auf der anderen Seite der Ladeluke schienen plötzlich zu tanzen, und das verriet die plötzliche Fluglageänderung der Stellar Pearl. Der Hyperraum-Rückfallblitz der Stellar Pearl erhellte kurzzeitig den Laderaum, Sam brachte gerade noch ein "Was...?" hervor, bevor ihn ein lautes, krachendes Geräusch unterbrach, ein immer lauter werdendes Donnergrollen. Ladecontainer waren aus ihrer Verankerung gerissen worden, manche stürzten auf die Lebensquell, einige weitere drifteten direkt aus der Ladeluke. Das Außenbild verriet, dass unter den losgerissenen Containern ein regelrechter Domino-Effekt ausgelöst worden war. "Keine Sorge, kein Problem für unsere Panzerung", rief Yxo. "Was zum Teufel ist da los?!" ergänzte Sam seinen begonnen Satz von vorher. "Keine Ahnung", antwortete Yxo, "aber ich hab da so einen Verdacht." Yxo startete die Manövertriebwerke und versetzte der Lebensquell eine kurze Vorwärts-Beschleunigung, um sie zwischen zwei der nach draußen stürzenden Container bringen, dann verursachte er einen gezielten Schub nach unten, um auf Parallelkurs mit den Containern zu kommen und zwischen ihnen nach draußen zu driften. "Nettes Manöver", kommentierte Nhet, als sie aus dem Laderaum des Frachters stürzten, "und wozu war das gut?" Yxo nahm den Scanner in Betrieb und deutete auf den Kontakt am Bildschirm, der eindeutig als Esialo-Leichtkreuzer identifiziert werden konnte. "Dazu war das gut!"
Langsam driftete die Lebensquell vom gewaltigen Rumpf der Stellar Pearl weg, während der leichte Esialosche Kreuzer dem Passagierfrachter immer näher kam. Einer der Pylonen am Heck der Pearl war beschädigt, Kühlmittel trat dort aus. Das Schiff rotierte langsam und steuerlos, die zum Teil beschädigten Container, die aus dem Laderaum schwebten, bildeten eine wunderschöne Spiralform um die Pearl.
"Warum greifen die Esialos ein Passagierschiff an?" fragte Nhet entsetzt. "Weil es keine Esialos sind, sondern Irralias-Terroristen", antwortete Yxo, "das ist wahrscheinlich genau der gleiche Kreuzer, der auch dein Schiff angegriffen hat." "Dann suchen sie nach mir?" keuchte die Gfeye. "Oder nach uns", vermutete Sam, "vielleicht auch nach uns allen." "Dann sollten wir jetzt vielleicht langsam abhauen", schlug Nhet aufgeregt vor. "Dann entdecken sie uns", wiedersprach Yxo, "nein, wenn wir jetzt noch eine Weile den Frachtcontainer spielen, dann bemerken sie uns vielleicht nicht." "Vielleicht?!" "Ja, vielleicht."
Der Kreuzer startete ein Andockmanöver mit der Stellar Pearl, schien das kleine Piratenschiff zwischen den Containern zu ignorieren. Langsam näherte sich das Schiff der Terroristen dem Passagierfrachter, um schließlich daran zu koppeln, während die Lebensquell langsam immer weiter weg driftete.
Angespannt warteten die drei im Cockpit der Lebensquell, starrten auf den Sensorenschirm, volle zwei Stunden, bis sich der leichte Kreuzer schließlich von der angeschlagenen Stellar Pearl löste und beschleunigte, um letztendlich den Sub-Hyperantrieb zu aktivieren und in Richtung New Alamogordo zu verschwinden. "Dieser korrupte Kommandant hat sie abgewimmelt", stutzte Sam. "Ja, aber wie", meinte Yxo, "er hat ihnen offenbar gesagt, wohin wir wollten." "Aber sie scheinen zu glauben, dass wir bereits abgeflogen sind", vermutete Nhet. "Und wenn sie merken, dass wir noch nicht auf New Alamogordo sind, werden sie dort auf uns warten", ergänzte die Gfeye kurz darauf etwas demotivierter. "Was sich sehr gut trifft, da wir eigentlich nicht nach New Alamogordo wollen", grinste Sam. Nhet erhob ihren Kamm. "Und wieso geht ihr dann an Bord eines Raumschiffes, das nach New Alamogordo fliegt?" erkundigte sie sich. "Weil wir von dort aus weiter geflogen wären", erklärte Yxo, "von Ceerer aus ging kein Schiff direkt zu unserem Ziel. Jedenfalls sind die Irralias jetzt erst mal auf der falschen Fährte." Der Cilthroide fuhr den Hyperantrieb der Lebensquell hoch und aktivierte ihn. Das Eintrittsleuchten blitzte durchs Cockpit, und nach einigen hundert Lichtjahren nahm Yxo direkten Kurs auf das Reiseziel, während die Stellar Pearl langsam begann, ein Notsignal zu senden.
"Port Silvermoon Flight Control an den Cilthroidschen Transporter. Bitte geben Sie Ihre ID-Kennung an." Yxo, Sam und Nhet hatten sich zum Anflug auf die Terranische Kolonie Port Silvermoon wieder im Cockpit versammelt und beobachteten angespannt die gewaltige, saftig grüne Sichel, die langsam anwuchs. "Jetzt wird sich wohl zeigen, wie zuverlässig dieser Terranische Zollbeamte war", murmelte Yxo leise vor sich hin. "Wir übermitteln Ihnen jetzt unsere ID", sprach der Cilthroide laut und startete die Übertragung der Daten, die Sam auf Ceerer II über Sub-Hyperfunk gegen eine kleine finanzielle Gegenleistung von einem Terranischen Zollbeamten auf New Alamogordo erhalten hatte. Es war fraglich, ob die Daten richtig waren, es war bereits fast zwei Wochen her und die Daten waren ursprünglich für New Alamogordo gedacht, und zwar nicht für ein einfliegendes Schiff, sondern für ein "Frachtstück" an Bord der Stellar Pearl. Es dauerte einige Zeit. "Cilthroidscher Transporter, von welcher Stelle haben Sie diese ID erhalten?" wollte der Flight Controller wissen. "Zollamt New Alamogordo", gab Yxo kaltschnäuzig zu. "Dann ist das soweit okay", lautete die Antwort des Flight Controllers, "Sie haben Glück. Morgen wäre die ID-Kennung abgelaufen. Am besten besorgen Sie sich hier auf Port Silvermoon gleich eine neue. Ich kann alles in die Wege leiten." "Sehr aufmerksam von Ihnen", antwortete Yxo. Flight Control übermittelte der Lebensquell noch die üblichen Informationen zu Kolonie und Gesetzgebung und übernahm dann die Steuerung des Transporters, um ihn in die Atmosphäre zu führen.
Gemächlich sank die Lebensquell tiefer in die Lufthülle des Planeten, glitt durch dünne Wolkenbänder und näherte sich schließlich der nächtlichen Beleuchtung von Port Silvermoon, die wie eine Lichtoase aus dem tiefen, finsteren Dschungel schien. Die beiden großen, silbrig glänzenden Mondsicheln, die zweifellos für die Namensgebung der Kolonie verantwortlich waren, hüllten die Landschaft in ein gespenstisches Spiel aus Licht und Schatten. Der Transporter überquerte dunklen Urwald, hydroponische Farmanlagen und niedrige Wohngebäude, um schließlich im Zentrum der Kolonie auf den Landeplatz nieder zu sinken. Der Raumhafen war nicht groß, doch die wenigen Stellplätze waren fast überfüllt, hauptsächlich mit Landefähren und Kurzstreckentransportern.
Sam war bereits wieder dabei, die Informationen über Port Silvermoon zu verschlingen, die er vom Flight Controller erhalten hatte. "Die Kolonie ist wirklich nach ihren Monden benannt", stellte er fest, während er auf einen der Bildschirme starrte, "es sind insgesamt fünf. Alle glitzern in dem gleichen silbrigen..." "Gibt's auch irgendwas Wichtiges?" unterbrach ihn Yxo, während die Lebensquell sachte aufsetzte. "Naja, nicht unbedingt. Die Monde sind alle sehr mineralreich, auf ihnen wird intensiver Bergbau betrieben. Der Planet selbst ist mineralarm, allerdings ist er sehr lebensfreundlich und idyllisch, deswegen haben sich viele der Bergarbeiter von den Monden hier angesiedelt. Außerdem ist Port Silvermoon der Nahrungsmittelproduzent für die Bergbaukolonien auf den Monden. Interessant, aber nicht wichtig." "Dann gehen wir jetzt", beschloss Yxo und erhob sich. Sam legte seine Waffe ab, wodurch er sich einen schiefen Blick von Yxo einfing. "Bewaffnet kommen wir nicht in die Kolonie", erklärte Sam etwas gereizt. Unwillig folgte Yxo Sams Beispiel. "Nhet, du kannst dich verdünnisieren. Wenn wir wieder zurück kommen, will ich dich hier nicht mehr sehen." "Aber Irralias wollen mich umbringen", schnappte Nhet. "Uns auch, und du bist ein Störfaktor. Also hau' ab." Mit diesen Worten machte Yxo eine ausladende Geste aus dem Cockpit und folgte Nhet und Sam schließlich nach draußen. "Und was soll ich jetzt machen", fragte Nhet draußen ratlos, fast ein wenig flehend, "ich kann jetzt nicht mehr zurück nach Chabsoom." "Ist doch schön hier", meinte Yxo, "lebensfreundlich und idyllisch." Mit diesen Worten zog er sein Kom-Gerät aus dem Overall und schloss damit die Zugangsluke zur Lebensquell. Komm', gehen wir was essen", meinte er zu Sam und machte sich auf den Weg zum Raumhafengebäude, "ich will mir mal ein Bild von den Leuten hier machen." Sam folgte ihm, hielt aber noch einmal inne und drehte sich zu Nhet um, die alleine gelassen vor dem stromlinienförmigen Rumpf des Transporters stand. "Viel Glück, Nhet." "Danke." "Jetzt komm' endlich, Terraner!" Der Mensch wandte sich um und lief Yxo hinterher.
Abschnitt 9
Mit der ID, welche Sam auf Ceerer erkauft hatte, gelangten er und Yxo problemlos durch die Passkontrolle, und auch für Gfeye als Begleitperson hatte diese ID den Weg in die Kolonie geöffnet, falls sie nicht noch immer ratlos vor Yxos Schiff stand. "Endlich sind wir die los", stöhnte der Cilthroide, als die zwei Piraten die von allen Seiten hell erleuchtete, pflanzengesäumte Promenade vor dem Terminal erreichten, "ich hab' schon gedacht, wir müssten sie wirklich bis zum Treffpunkt mitnehmen." Der wirkliche Treffpunkt, den Yxo mit Sod ausgemacht hatte, lag noch einige tausend Lichtjahre weiter entfernt in einem Asteroidenfeld am Rande der Andromeda-Galaxie. Ursprünglich hatte Yxo geplant, mit der Stellar Pearl nach New Alamogordo und von dort aus zum Treffpunkt zu fliegen, doch dann war Nhet wieder aufgetaucht, und die Irralias hatten die Stellar Pearl angegriffen, also war New Alamogordo zu riskant geworden. Da sie nun ohnehin ohne ein Trägerschiff frei fliegen mussten, hätten sie natürlich auch gleich von der Stellar Pearl aus direkt zum Treffpunkt fliegen können, doch Nhet war ein Störfaktor, und man konnte ihr nicht trauen, also hatten sie diesen Zwischenstopp auf Port Silvermoon eingelegt. Sie hätten genauso gut irgendeinen x-beliebigen anderen Planeten wählen können, der Punkt war nur der, dass Nhet nun glaubte, Port Silvermoon sei der eigentliche Treffpunkt, und falls Nhet mit den Irralias kooperierte, wären diese vom Treffpunkt abgelenkt. "Irgendwie tut sie mir leid", gestand Sam. "Ach, jetzt tu' nicht so sentimental. Sie geht mir auf die Nerven, mehr nicht." "Zugegeben, mir auch." "Na bitte. Suchen wir uns erst mal irgendeine Bar, morgen früh können wir weiter fliegen." "Und wenn der Zoll bis morgen früh entdeckt, was wir geladen haben?" Yxo tätschelte sein Kom-Gerät. "Wenn der Zoll versucht, mein Schiff aufzumachen, dann erfahre ich das." "Nur wird es dir dann nicht mehr viel nützen." "Soweit wird es aber gar nicht kommen. Diese gekaufte ID hat uns bisher recht weit gebracht, musst du doch zugeben, Terraner." "Das gebe ich sogar gerne zu, schließlich hab' ich sie uns organisiert."
Yxo erwiderte die stechenden Blicke der Lokalbesucher mit einem gezielt aufgesetzten Lächeln. Man konnte bei dem Etablissement, das Sam und Yxo eben betreten hatten, nicht gerade von der typischen Raumfahrer-Bar sprechen, sondern eher von einem gemütlichen Stadtlokal. Auf den ersten Blick waren alle Besucher menschlich, und Yxo erregte als Cilthroide natürlich Aufsehen. Hinzu kam auch die Einstellung, die viele menschliche Kolonisten der Andromeda-Galaxie gegenüber Cilthroiden hatten, da die hiesigen Kolonien noch bis vor 20 Jahren unter Cilthroidscher Besatzung gestanden waren. Einzig ein Deputy der kolonialen Sicherheitskräfte, der gerade an der Theke wartete, rang sich ein beruhigendes Lächeln ab. Yxo und Sam suchten einen freien Tisch in dem gut besuchten Lokal, und bei einem zweiten Blick in die Besucherschaft fiel auf, dass doch nicht alle Gäste menschlich waren. "Nein, nein, nein", presste Yxo hervor, als könne er damit etwas ändern. An einem Tisch saß Zeycal Gfeye Nhet und winkte den beiden mit einem Tentakel zu. Sam grinste und ging voran zu Nhet. "Warum ist diese verdammte Kolonie so klein?" fragte er nicht ganz ernst. "Ach, es ist gar kein Zufall, dass ich hier bin", gab Nhet zu, "ich hab' euch eine Weile verfolgt und vermutet, dass ihr euch für dieses Lokal entscheiden werdet." "Warum verfolgst du uns?" wollte Yxo kalt wissen. "Weil ihr mir Geld und ein Schiff schuldet." Ein paar Gäste hatten gar nicht erst aufgehört, Yxo anzustarren und hörten nun der Unterhaltung zu. Yxo ertappte sich bei dem Gedanken daran, das Terranerpack etwas aufzumischen, verwarf die Idee jedoch. "Vielleicht ist das nicht der richtige Ort, um darüber zu diskutieren", brachte Sam das Gespräch auf den Punkt. In diesem Augenblick betrat eine kleine Gruppe Menschen den Raum, die Sam auf Anhieb bekannt vorkam. Genauer gesagt, hatte er die orange-weiße Arbeitskleidung der Gruppe schon einmal gesehen. Tankerkonvoi, fuhr ihm der Gedanke durch den Kopf. Diese Leute gehörten zu dem selben Tankerkonvoi, der vor einigen Wochen auf IG-25 angelegt hatte, und mit einem kurzen Blick in die Gesichter der Gruppe erkannte er auch die Frau wieder, mit der er im Starlight geflirtet hatte, wie hieß sie doch gleich - Tiana. "Warum ist dieses verdammte Universum so klein", fluchte Sam, und auch Tiana schien ihn erkannt zu haben, denn sie flüsterte ihren Kollegen etwas zu, woraufhin diese Sam verächtlich anstarrten. Damit lenkten sie auch Yxos und Nhets Aufmerksamkeit auf sich, und der Deputy, der vom Bedienungsroboter gerade ein Tablett mit Milchshakes und Doughnuts erhalten hatte, musterte nun auch die beiden Gruppen. "Deputy", rief Tiana schließlich durch das Gemurmel der Besucher dem Polizisten zu, "der Kerl und der Cilthroide dort drüben, ich glaube, die sind Piraten oder irgendsowas." Der Deputy blickte die beiden abschätzend an und näherte sich ihnen schließlich, offensichtlich bereit, seine Waffe zu ziehen. "Entschuldigung", rief er den Piraten zu, "würden Sie sich bitte ausweisen?" "Natürlich", antwortete Yxo bereitwillig und reichte dem Deputy sein MPC, genau, wie auch Sam. Der Polizist berührte mit seinem MPC die Kontaktfelder und sah sich dann die Daten an. "Die ID ist eigentlich okay, aber irgendwie etwas dürftig", murmelte er vor sich hin und blickte wieder von dem MPC auf, aber nicht rechtzeitig genug, um Yxos Faust ausweichen zu können. Er wurde hart zu Boden geschleudert und blieb bewusstlos liegen. Helle Aufregung brach aus, die sich in Panik zu steigern drohte. Einige Gäste drängten nach draußen. "Gut gemacht", lobte Nhet den Cilthroiden, "jetzt seid ihr ja schon einen bedeutenden Schritt weiter." Yxo packte den nächstbesten Menschen am Kragen. "Du, Terraner, gib ihm die Codes zu deinem Aerojet!" befahl Yxo und deutete auf Sam, der sich gerade die Waffe des bewusstlosen Deputy geschnappt hatte. "Ja, ist ja gut", jammerte der Mensch und kramte nervös in seiner Tasche, bis er schließlich sein MPC heraus zog und zittrig einige Daten eingab. Sam hielt seinen MPC gegen das Kontaktfeld und blickte dann kurz auf den Bildschirm. "Okay, ich hab's", stellte er fest, woraufhin Yxo den Besitzer ihres potentiellen Fluchtfahrzeugs unsanft zurück stieß. "Waffe fallen lassen!" brüllte ein zweiter Deputy, der nun im Eingang stand, vermutlich der Kollege des Bewusstlosen, der draußen auf seine Doughnuts gewartet hatte. Der junge Deputy deutete mit seiner Waffe ungefähr auf die Piraten, und er zitterte leicht. Kurzerhand packte sich Yxo einen von Nhets Tentakeln und zerrte die Gfeye zu sich. "Falsch", rief er, "du nimmst die Waffe runter, oder die Gfeye ist tot!" "Verdammt, lass' mich los!" quietschte Nhet. Nun richtete Sam die erbeutete Impulspistole auf den Deputy. "Tu', was der Cilthroide sagt!" verlangte er. "Damit kommen Sie nicht durch", drohte der Beamte. Sam spielte einen Seufzer. "Wenn ich jedes Mal einen Dollar kriegen würde, wenn mir das jemand sagt..." meinte er und betäubte den Deputy mit einem gezielten Schuss. Yxo grinste Sam an. "Aus dir wird noch mal was, Terraner." "Danke", keuchte Sam und steckte die Waffe ein, "gehen wir. Damit verließ Sam hastig das Lokal, gefolgt von Yxo, der Nhet hinter sich her zog. Am Ausgang blieb Sam stehen und musterte die Jets auf dem Parkplatz. "Das ist unser Fluchtjet", stellte er nach einem Blick auf die Codes auf seinem MPC fest und deutete auf einen klobigen Kleinwagen. "Und warum nehmen wir nicht einfach den?" erkundigte sich Yxo und deutete mit dem MPC des Deputys in der Hand auf den flachen, weiß glänzenden Jet mit der Signalgeber-Anordnung am Dach und der freundlichen Aufschrift "Port Silvermoon Sheriff Department" an der Flanke. "Ja, warum nicht?" grinste Sam. "Du verdammter Cilly, lass' mich los!" keifte Nhet, als Yxo sie zu dem Patrouillenjet schleifte. Sie klatschte mit ihren Tentakeln um sich. "Hör' auf, mich mit dem Grav-Anzug zu treten!" fuhr Yxo sie an und warf sie auf die Rückbank des Polizeijets, als Sam die Türen geöffnet hatte. "Du fliegst", beschloss Yxo und ließ Sam in den Pilotensitz. Während Sam den Jet vom Landefeld aufsteigen ließ und die Sirene aktivierte, trommelte Nhet gegen das Schutzgitter vor sich. "Lasst mich raus, ich hab' kein Lust, für euch die Geisel zu spielen!" "Erst willst du bei uns bleiben, und jetzt wieder nicht", maulte Yxo, "entscheide dich mal!"
Mit blitzendem Signallicht raste der Jet über den Nachthimmel von Port Silvermoon, mit Kurs auf den Raumhafen. Bereits nach wenigen hundert Metern erhoben sich aus den engen Straßen drei weitere Polizeijets, zwei hielten frontal auf die Piraten zu, ein weiterer näherte sich von hinten.
"Let's party", grinste Sam und drückte den Steuerknüppel nach vorne, um den Jet in eine der hell erleuchteten, engen, aber nicht sehr tiefen Schluchten zwischen den Gebäuden abtauchen zu lassen. Wenige Meter über den Köpfen der Passanten fing der Mensch den Sturzflug ab und raste knapp drei Meter über den Boden hinweg.
Die Polizeijets folgten dem Manöver, wagten sich allerdings nicht so tief hinab, sondern blieben über den Gebäuden.
"Hier spricht das Port Silvermoon Sheriff Department", meldete sich eine Stimme über das Kom, "landen Sie den Jet und stellen Sie die Maschinen ab." "Aber klar, sofort doch", entgegnete Sam und beschleunigte den Jet weiter. Keine 30 Sekunden nach dem Start raste Sam über der Terminalgebäude des Raumhafens hinweg und drosselte die Geschwindigkeit, um in der Lebensquell landen zu können. "Yxo, mach die Luke auf!" Während der Mensch direkten Kurs auf die geschlossene Ladeluke der Lebensquell hielt, aktivierte Yxo sein Kom-Gerät, um seinem Schiff anzuordnen, die Luke zu öffnen. "Was zum Henker machst du da, du Terranischer Kolonistendepp", keuchte Nhet, "die Luke ist zu, kapierst du das, ZU, geschlossen!"
Langsam setzte sich das Schott in der Flanke der Lebensquell in Bewegung und fuhr nach oben, um den Weg zum Laderaum freizugeben, quälend langsam, zumindest im Vergleich zu dem gestohlenen Polizeijet der Piraten, der über das Landefeld hinweg fegte und nur unbedeutend an Geschwindigkeit verlor. Schneller war ein anderer Polizeijet, dessen Rumpf sich direkt vor die Ladeluke schob, um diese zu blockieren.
"Der pflanzt sich da hin", schrie Nhet, "ich glaub's nicht, der pflanzt sich uns einfach in den Weg!" Sam beschleunigte wieder, mit direktem Kurs auf den Polizeijet. Je näher das Flugobjekt mit den blinkenden Signallichtern zu kommen schien, desto schneller schien es auch auf die Piraten zuzukommen, genau, wie die Lebensquell und deren Ladeluke. Eine kurze Beschleunigung seitens des blockierenden Polizeijets brachte ihn in letzter Sekunde aus der Flugbahn der Piraten, die Ladeluke der Lebensquell rastete in offener Stellung ein, Sam aktivierte maximalen Gegenschub.
Das änderte nichts daran, dass der gestohlene Jet nicht rechtzeitig zum Stillstand kam. Die Gravitonenpolster des Flugobjekts falteten sich auf, kurz bevor es die Rückwand des Laderaums der Lebensquell rammen konnte. Innerhalb von Sekundenbruchteilen bremsten die Polster den Jet vollständig ab und ließen ihn sachte auf das Deck der Lebensquell sinken.
Einmal mehr dankte Sam dem Erfinder der Trägheitskompensation und rief: "Yxo, mach' die Luke zu!" Der Cilthroide tat, wie geheißen, und erst, als das schwere Schott wieder geschlossen war, gönnte es sich der Mensch, tief durchzuatmen, während Yxo neben ihm Anfing, idiotisch zu lachen. "Was ist so witzig, Cilly?" maulte ihn Sam an. "Terranischer Kolonistendepp", lachte Yxo, "der war gut!" Sam drehte sich zu Nhet um, die schlaff auf der Rückbank lag. "Lasst mich jetzt bitte erst mal zehn Tage schlafen, okay?" keuchte sie. "Meinetwegen", antwortete Yxo, "Terraner, pass' auf sie auf. Ich geh' ins Cockpit und bring' uns hier raus..." Mit diesen Worten stieg der Cilthroide aus dem Polizeijet und verließ den Frachtraum. "Können wir bitte die Schwerkraft runter drehen", murmelte Nhet vor sich hin, bereits im Halbschlaf. Es war ein beneidenswertes Talent der Gfeye, sich nach einem Stresserlebnis einfach entspannen und einschlafen zu können. "'Terranischer Kolonistendepp'..." wiederholte Sam verständnislos.
Abschnitt 10
Sicherheitskräfte hatten die Lebensquell umstellt, als sich der Transporter langsam von seiner Warteposition erhob und die Landestützen einfuhr. Kaum begann das Schiff, aufzusteigen, wurde es von vier Pressorstrahlen, deren Emitter an den Hangars und Terminalgebäuden angebracht waren, erfasst und gestoppt. Die Gravitonentriebwerke im Heck der Lebensquell begannen, heller zu glühen, das Schiff vibrierte, bewegte sich einige Meter vor und zurück, versuchte Fluchtmanöver in alle Richtungen und schien in den Fängen der Strahlen zu zappeln, wie ein Fisch an der Angel. Die Gravitonenemitter heulten laut auf, dann beendete Yxo den Fluchtversuch, so dass sein Schiff wieder ruhig am Himmel schwebte. Die Pressorstrahlen zwangen den Transporter langsam, an Höhe zu verlieren.
"Verdammte dreckige Erdlinge", fluchte Yxo. "Cilthroidscher Transporter", meldete sich eine Stimme über das Kom, "Sie sind verhaftet. Erwarten Sie, geentert zu werden." "Das hättet ihr wohl gerne..." Yxo lud die Waffensysteme und feuerte auf den Emitter des Pressorstrahls, der die Lebensquell frontal erfasst hielt.
Eine Salve Energieladungen blitzte aus den Bugkanonen der Lebensquell, um in dem Hangar einige hundert Meter voraus einzuschlagen. Die Explosion ließ die Vorderwand des Hangars einstürzen und riss den Pressoremitter vom Dach. Der Strahl erlosch sofort, als die Trümmer des Emitters auf das Landefeld stürzten. Wieder versuchte die Lebensquell, mit maximaler Beschleunigung zu entkommen, die übrigen drei Pressorstrahlen ließen dem 40 Meter langen Schiff einen Bewegungsspielraum von knapp 100 Metern. Kurzerhand feuerte Yxo ein Missile ab. Am Nachthimmel drehte die Waffe eine enge Schleife, jagte schließlich gezielt auf den Pressoremitter hinter der Lebensquell zu. Die Sprengkraft war minimal, reichte allerdings, um einen Krater von gut 10 Metern Durchmesser in das Landefeld um den freistehenden Pressoremitter zu reißen. Die übrigen zwei Fangstrahlen hatten keine Chance, die Lebensquell zu halten, und so raste das kleine Transportschiff mit höchster Beschleunigung den silbernen Monden entgegen.
Als Sam das Cockpit der Lebensquell betrat, zog gerade einer der silbrig leuchtenden Monde an den Bildschirmen vorbei, nur wenige tausend Kilometer entfernt. "Wie sieht's aus?" erkundigte sich der Mensch. "Wir sind frei, aber eine Terranische Fregatte ist von der Oberfläche aufgestiegen und verfolgt uns." "Sub-Hyperantrieb?" fragte Sam knapp. "Wir können noch nicht in den Hyperraum gehen, das Fluchtmanöver hat viel Energie gekostet - was machst du überhaupt hier oben? Wo ist Nhet?" "Die schläft friedlich im Laderaum." "Du lässt DIE Zeycal Gfeye Nhet alleine im gleichen Raum mit einer Massenvernichtungswaffe?" "Nhet gehört glaub' ich nicht zu den Verrückten der lebensmüden Sorte." Im gleichen Augenblick vibrierte das Schiff. "Die Fregatte hat auf uns geschossen", stellte Yxo fest, führte aber kein Ausweichmanöver durch, da das Feuer nicht fortgesetzt wurde. "Sie scheinen zu wissen, dass wir eine Singularitätswaffe an Bord haben, und die Geisel wollen sie wahrscheinlich auch nicht gefährden", nahm Sam an. Kurz darauf drängte sich eine Stimme ins Kom: "Hier spricht Captain Nikolaj von der Terranischen Fregatte 'Catharsis'. Deaktivieren Sie Antrieb, Schilde und Waffen und lassen Sie uns an Bord kommen, oder wir müssen Ihr Schiff mit Gewalt entern." "Tja", antwortete Yxo, "was würde ich darauf wohl sagen, wenn ich 30 Jahre jünger wäre: Fang mich doch!"
Vorbei an den silbernen Monden raste der kleine Cilthroidsche Transporter den Sternen entgegen. In mehreren tausend Kilometern Entfernung folgte ihm die "Catharsis", eine leicht bewaffnete Zoll-Fregatte - ein schmales, stromlinienförmiges Schiff mit breiten, gewölbten Pylonen, Vogelschwingen ähnlich. Die Oberseiten der Pylonen waren mit dem Schiffsnamen und dem Schriftzug "UTSF" für "United Terran Space Force" besetzt.
Captain Nikolaj, ein in die Jahre gekommener, dunkelhäutiger Mensch, beugte sich in seinem Kommandostuhl vor und kratzte sich an seinem grün pigmentierten Ziegenbart. "Schießen wir den Transporter manövrierunfähig", beschloss er. "Wenn wir scharf schießen, gefährden wir sowohl die Geisel, als auch den gesamten Planeten", widersprach ihm die erste Offizierin, die gleichzeitig als Schützin diente. "Bist du nicht in der Lage, auf ein paar tausend Kilometer Entfernung ein Triebwerk zu treffen, oder was? Ich hab gesagt: Feuer!" Die Schützin zuckte mit den Achseln und gehorchte dem Befehl. Die Plasmaladungen, die sich von den Pylonen der Catharsis gelöst hatten, schienen auf einen unendlich weit entfernten Punkt zuzurasen. Das Head-Up-Display wurde schließlich vor dem Brücken-Sichtfenster aktiviert und zoomte näher an die Plasmaladungen, um zu zeigen, wie diese ins Heck des Cilthroidschen Transporters einschlugen und dessen Schilde aufblitzen ließen. "Minimaler Schaden verursacht", meldete der Warrant Officer an der Sensorenkontrolle, "das Ziel wendet." Auf dem Head-Up war deutlich zu sehen, wie die Lebensquell regelrecht um ihre eigene Achse geschleudert wurde, um mit den Bugkanonen einige Schüsse abzugeben. Das Ausweichmanöver der Catharsis war zu langsam, die Fregatte schüttelte sich kurz unter dem Beschuss. "Feuer erwidern!" befahl Nikolaj, die Schützin tat, wie geheißen, im gleichen Augenblick führte die Lebensquell ein Ausweichmanöver durch. Als hätte der Cilly das geahnt, dachte sich Nikolaj. Der Cilthroidsche Transporter brach nach rechts weg, die Plasmaladungen der Catharsis verfehlten ihn, im Manöver feuerte die Lebensquell eine Rakete ab, dann noch eine, letztendlich einen ganzen Fächer. "Missile-Alarm, vier zielsuchende Raketen", meldete der Sensorenoffizier. "Ausweichen, Feindmissiles abschießen!" stieß Nikolaj hervor. Doch der Cilthroidsche Transporter beließ es nicht bei den Missiles, sondern wandte der Terranischen Fregatte erneut den Bug zu, um sie mit den Bugkanonen unter Beschuss zu nehmen. "Verfluchter Cilly, dir stopf ich noch das Maul!" rief Nikolaj, als sein Schiff unter dem Energiebeschuss vibrierte und einige Alarmsirenen losgingen.
"Ist das nicht ein bisschen, wie mit Kanonen auf Spatzen Schießen?" erkundigte sich Sam, als Yxo die Raketen auf die Fregatte abgefeuert hatte und das Zollschiff begann, schlecht gezielte Schüsse auf die Raketen abzugeben. "Was auch immer das heißen mag..." ergänzte der Cilthroide.
Etwa auf halber Strecke zur Catharsis detonierte eines der Missiles unter dem Plasma-Geschützfeuer der Fregatte.
"Feuer auf die Raketen einstellen", beschloss Nikolaj wütend, "alle Geschütze auf den Cilly ausrichten!" "Captain, das..." setzte die Schützin zu einem Widerspruch an, doch Nikolaj schnitt ihr das Wort ab: "Knall' ihn ab! Pilot! 180-Grad-Wende nach oben, dann Rotation des Schiffs um die Z-Achse!" Vor einem dreckigen Cilly würde er sich nicht geschlagen geben - nicht noch einmal, nach so vielen Jahren.
Nach wenigen Sekunden, in denen die Bordgeschütze auf die Lebensquell gefeuert hatten, schleuderte die Catharsis den Bug regelrecht nach oben, um schließlich, in die andere Richtung gewandt, weiter zu fliegen. Die Missiles der Lebensquell steuerten kurzzeitig nach oben, bis die Zielcomputer der Raketen wieder dem richtigen Kurs der Terranischen Fregatte folgten und direkt auf ihr Ziel zurasten. Dann begann die Catharsis, sich um ihre Längsachse zu drehen, alle übrigen drei Missiles jagten, von dem Manöver abgelenkt, dicht am Rumpf der Fregatte vorbei, um dahinter eine Schleife zu drehen.
"Gib mir die Waffenkontrolle!" brüllte Nikolaj und verlege kurzerhand die Funktionen des Schützen-Terminals an seine Kommandostation. Mit einer der Raketen machte er kurzen Prozess, die anderen beiden ignorierte er und drehte das Schiff wieder auf den Cilthroidschen Transporter zu, ohne überhaupt erst den Finger vom Feuerknopf zu nehmen. Die Catharsis schüttelte sich ununterbrochen, die Warnung, dass die Schilde weiter fielen, ignorierte Nikolaj.
Der Bordcomputer der Lebensquell meldete erste Schäden an der Elektronik, als das kleine Schiff erneut unter dem Beschuss der Catharsis bebte. Yxo stellte nicht das Feuer ein und raste frontal auf die Terranische Fregatte zu.
Nikolaj stellte nicht das Feuer ein und raste frontal auf den Cilthroidschen Transporter zu. "Friss, du Cilly-Schweinehund!"
"Was macht ihr da oben", rief Nhet, als sie das Cockpit der Lebensquell betrat, offenbar vom Kampfeslärm geweckt, "ihr könnt doch nicht einfach Krieg spielen!" "Der da spielt Krieg", entgegnete Yxo und deutete auf den Bildschirm, der die breiten Schwingen der Catharsis zeigte, frontal, aus beiden Geschützen feuernd. "Ich sag' dir", meinte Sam, "der ist irre, das ist wahrscheinlich so Einer, der seit der Besatzung sowieso nicht mehr ganz dicht ist und jetzt nach 20 Jahren endlich mal ein Cilthroidsches Schiff vor die Nase kriegt, auf das er schießen darf!"
Die Schilde der Lebensquell brachen zuerst zusammen. Einige Salven schlugen in den ungeschützten vorderen Rumpf des Transporters ein und hinterließen deutliche Spuren in der Panzerung, das kleine Schiff geriet ins Trudeln. Keine zwei Sekunden später erreichten die Missiles das Heck der Catharsis, das erste durchbrach die Schilde, das zweite schlug am Antrieb in den Rumpf ein. Die Gravitonenemitter explodierten, die Detonation brachte die Fregatte vom Kurs ab. Haarscharf rasten die Catharsis und die Lebensquell aneinander vorbei.
Sam hatte sich fest an der Lehne des Copilotensitzes festgekrallt und stand immer noch, während Nhet durch das Feindfeuer von den Füßen gerissen worden war. "Bye, bye, Nikolaj", grinste Yxo, als der Sub-Hyperantrieb endlich genug Energie zum Start hatte. Sofort verließ die Lebensquell den Normalraum, und Sam genehmigte sich einige tiefe Atemzüge. Dann blickte er Nhet an, die sich gerade wieder aufraffte. "Terranischer Kolonistendepp..." murmelte er noch einmal geistesabwesend vor sich hin.
Abschnitt 11
Nikolaj hatte zwei Warrant Officers runter in den Maschinenraum der Catharsis geschickt, um den Techniker zu befreien, der zwischen zwei Sicherheitsschotts gefangen war. Nun war außer dem Captain nur noch die Schützin anwesend. Sie schob mit dem Fuß demonstrativ einige Trümmer der Deckenverkleidung beiseite. "Toll, Grandpa, das war ja eine tolle Aktion." "Was hätte ich machen sollen", entgegnete der Captain und wippte mit seinem Kommandostuhl, "ihn laufen lassen? Mitsamt der Geisel und der Waffe?" "Contra ihn abknallen, mitsamt der Geisel und der Waffe. Lass' den Job etwas ruhiger angehen..." "Und das ist genau das, was sie wollen! Ich kann mich noch genau erinnern, was der Admiral gesagt hat: 'Captain, ich denke, ich komme Ihnen entgegen, indem ich Ihnen rate, die UTSF zu verlassen.'" Die Schützin Lieutenant Nikolaj seufzte. Die hätten ihren Großvater damals wirklich entlassen sollen, er war nach seinen Jahren in Gefangenschaft einfach nicht mehr dazu in der Lage, ein Raumschiff zu führen, aber man entlässt eben ungern einen Veteranen, vor allem, wenn ihn die halbe Kolonie vergöttert. "Captain, hier ist der Maschinenraum", meldete sich der Techniker, "ich bin wieder frei. Wir werden hier unten jetzt etwas aufräumen und versuchen, das Triebwerk wieder in Gang zu kriegen." "Verstanden. Nikolaj, Ende. Wo waren wir stehen geblieben?" "Der Admiral hat dir eben geraten, die UTSF zu verlassen", erinnerte seine Enkelin den Captain an den letzten Stand des Dialogs. "Ich will nicht wieder den alten Brei aufwärmen", seufzte Captain Nikolaj, "was ich sagen will, ist..." Ein Piepsen an der Sensorenkontrolle unterbrach das Gespräch. "Rapider Temperaturanstieg auf 15 oben, 25 backbord", stellte die Schützin fest, "irgendetwas passiert da..."
Wenige hundert Kilometer von der Catharsis entfernt öffnete sich ein gewaltiger Trichter im Weltraum, zwei Kanonenboote und ein Transporter - der Transporter, der ursprünglich das Trägerschiff für die Singularitätswaffe war - verließen den Korridor und nahmen Kurs auf die Terranische Fregatte.
"Es ist ein Korridor, schalte Daten aufs Head-Up", meinte die junge Nikolaj, woraufhin das hin und wieder flimmernde Display alle relevanten Daten anzeigte. "Sie feuern!" Kurz darauf bebte das Schiff wieder unter Beschuss, die Hülle gab ein beunruhigendes, knarrendes Geräusch von sich, doch die Irralias stellten das Feuer schnell wieder ein, als sie feststellten, dass ihr Gegenüber ohnehin kampfunfähig war. Das Head-Up-Display fiel aus, und so waren lediglich noch die Lichtpunkte durch die Sichtscheibe zu sehen, welche die unbekannten Schiffe darstellten. Einer der Lichtpunkte kam näher.
Der Transporter steuerte gezielt auf die Catharsis zu, um ein Andockmanöver zu starten. Immer langsamer näherte er sich der Terranischen Fregatte, um schließlich direkt darunter zum Stillstand zu kommen. Mit einer kurzen Triebwerkszündung schob sich das Frachtschiff schließlich näher auf die Catharsis zu, bis die obere Dockluke mit der Rumpfunterseite der Fregatte koppelte.
"Nikolaj an Crew, das Schiff wird geentert!" rief der Captain, als ein dumpfer Schlag am Rumpf zu hören war. Er zog seine Waffe, sprang auf und bedeutete seiner Enkelin mit einer Handbewegung, ihm zu folgen. "Kommen Sie in den Hauptkorridor", befahl der Captain der Crew im Maschinenraum, während er die Brücke verließ und sich an der Zugangsluke zum Mitteldeck verschanzte, "nehmen Sie eine Position Achtern ein, während wir den vorderen Teil..." Ein Geräusch, das verdächtig nach einer Explosion klang, war über das Kom zu hören, gefolgt von dem Schrei des Technikers: "Officer, postieren Sie sich an der Backbord-Seite..." Ein lautes Zischen ließ ihn mit einem Stöhnen verstummen. Waffenfeuer. Schreie. Nach wenigen Sekunden war alles wieder still. "Verdammt, melden Sie sich!" brüllte Nikolaj, und er erhielt sogar eine ruhige Antwort über die Koms: "Sind Sie der Kommandant dieses Schiffes?" "Ich bin derjenige, der dir in den Arsch treten wird", schrie der Captain zurück, "was ist mit meiner Crew passiert?!" "Keine Sorge, die leben noch, die sind nur in unserer Gewalt und nicht bei Bewusstsein..." "Was willst du, kleiner Schweinehund? Was bist du überhaupt? Ein stinkender kleiner Cilly?" "Bitte, Captain, was ich bin, ist unwichtig, was ich will, ist da schon wesentlicher. Was will ich wohl, hm? Ihr Schiff natürlich, und Sie sollten mir ein paar Fragen beantworten." "Nun gut. Ich hätte einen Vorschlag, Cilly." "Ich bin kein Cilly, aber ich höre mir gerne Ihren Vorschlag an, Captain." "Sehr gut. Ich habe folgenden Vorschlag: Ich komm zu dir runter, und dann kannst du mich mal ausgiebig am Arsch lecken, bevor ich dir deinen wegschieße. Verbindung beenden!" "Grandpa!" rief die Schützin außer sich, als der Computer den Kontakt abgebrochen hatte. "Das ist deine Crew, die da unten als Geisel genommen wird!" "Ich weiß, Kleine." Der Captain drückte ihr seine Impulspistole in die Hand, so dass sie zwei Waffen hatte. "Pass' auf die Brücke auf!" Mit diesen Worten schob er seine Enkelin zurück in den Kommandoraum und verriegelte die Tür mit seinem Kommandocode. "Catharsis!" rief er. "Captain?" antwortete das Schiff. "Ich nehme ab sofort keine Kom-Signale mehr entgegen. Du verriegelst gefälligst sämtliche Türen und Schotts, es sei denn, ich erwecke den Eindruck, einen dieser Durchgänge passieren zu wollen." "Verstanden, Captain." Nikolaj kletterte die Leiter nach unten zum Mitteldeck und marschierte, vor sich hin schimpfend, gezielt zu seinem Captains-Quartier, jedes einzelne der schweren Panzerschotts auf dem Weg dorthin öffnete sich vor ihm, um ihm Durchlass zu gewähren und sich hinter ihm wieder zu schließen.
"Verdammt, Catharsis! Mach' die Scheiß-Brückentür auf!" brüllte die junge Nikolaj und trommelte gegen das Schott. "Tut mir leid, Lieutenant, aber der Captain hat diese Tür verriegelt und mit seinem Kommandocode geschützt", widersprach das Schiff. "Was soll die Scheiße, hä? Macht der alte Knacker jetzt auf Kampfopa, oder was?!"
In seinem Quartier angekommen, öffnete der alte Nikolaj einen der Schränke und zerrte die schwere Metallkiste hervor, die dort bereits seit Jahren verstaubte. Das Schloss checkte kurz seine DNS und öffnete dann den Behälter, sofort zog Nikolaj die Bestandteile der Waffe heraus und baute sie in wenigen Sekunden zusammen. Den letzten Handgriff führte er mit wutverzerrtem Gesicht aus, um sein Werk dann ausführlich zu mustern, fast ein wenig glücklich. Er nahm die breite, mit einem seit zehn Jahren veralteten UTSF-Zeichen beschriftete Waffe in beide Hände und verließ dann wieder seine Kabine, dieses Mal schritt er in Richtung Maschinenraum.
"Okay", seufzte der Irralias, der das Enterteam leitete, und blickte demonstrativ auf die Armbanduhr eines der betäubten Menschen, die im Zentrum des kleinen, von Gefechtsschäden völlig zerstörten und verkohlten Maschinenraums lagen, "der Captain will wohl nicht kooperieren. Stürmen wir das Schiff." Er richtete sich gerade auf vier Beine auf und erhöhte die Energiezufuhr zu seiner Waffe, als sich das Schott öffnete, das in den Hauptgang führte. Das Geräusch von 5 Partikelgewehren, die auf den Ausgang gerichtet und durchgeladen wurden, war zu hören, doch niemand betrat den Maschinenraum. "Eine Fehlfunktion?" vermutete einer der Irralias, doch im gleichen Augenblick schwebte eine ovale, höchstens faustgroße Drohne pfeifend in den Raum und blieb in der Luft stehen. Alle Irralias feuerten, das Objekt zerbarst in der Luft unter den Partikelladungen, Trümmer krachten auf den Boden, als die Gewehre der Irralias nur noch die Decke des Maschinenraums bombardierten. Gemütlich betrat Nikolaj den Raum, mit einer Waffe, die fast halb so groß war, wie er selbst. Eine der Aufklärungsdrohnen fehlte aus dem Rumpf des Gewehres, doch das bemerkten die Irralias nicht mehr, die unter dem Streufeuer zusammen klappten, wie Streichholzfiguren. Zumindest diejenigen, die nicht schon vorher von dem EM-Impuls erwischt worden waren, welcher durch die Zerstörung der Drohne verursacht worden war. Wären die drei Crewmitglieder der Catharsis bei Bewusstsein gewesen, wären sie sicherlich sehr überrascht gewesen, dass ihr Captain eben alleine mit einer seit Jahren verbotenen Waffe einen von fünf feindlichen Infanteristen besetzten Maschinenraum zurück erobert hatte.
"Catharsis, gib mir ein Außenbild des feindlichen Kaperschiffes auf irgendeinen funktionierenden Bildschirm", verlangte die junge Nikolaj. "Hier, Lieutenant", antwortete die Catharsis bereitwillig und legte verschiedene Aufnahmen von mehreren optischen Sensoren auf einige Bildschirme. "Besitzt dieses Kaperschiff irgendeinen Schwachpunkt, den wir nutzen könnten, um frei zu kommen, in unserem jetzigen Zustand?" Noch bevor der Computer antworten konnte, drehte sich das Geschütz am Rumpf des feindlichen Schiffes - offensichtlich bereits durch einen vorherigen Kampf beschädigt - ruckartig und begann, die Hülle, auf der es selbst montiert war, mit Dauerfeuer einzudecken. Es dauerte einige Sekunden, bis die Hülle nachgab, und in dieser Zeit war der Computer der Catharsis offenbar derart mit der Verarbeitung der Situation beschäftigt, dass er erst eine plausible Antwort gab, als der selbstzerstörte Rumpf des feindlichen Schiffes gemächlich in alle Richtungen auseinander driftete. "Captain Nikolaj hat sich eben mit meiner Hilfe in den veralteten Bordcomputer des Feindschiffes eingehackt und einen Vorgang eingeleitet, der sich am besten mit 'Selbstzerstörung' beschreiben lässt."
"Mann, Nikolaj, muss ich Sie erst zum Vizeadmiral befördern, damit Sie aufhören, so einen Mist zu verzapfen?" seufzte die Vorgesetzte des Captains. Nikolaj saß in seinem Büro auf Port Silvermoon und sprach mit dem Admiral über das Hyperkom. "Was meinen Sie mit 'Mist'", erkundigte sich Nikolaj verständnislos, "immerhin habe ich die Catharsis gerettet." "Die Catharsis wird im Moment verschrottet, denn indem Sie sich in das Gefecht mit dem Cilthroidschen Transporter verbissen haben, haben Sie das Schicksal des guten Schiffs besiegelt. Und auf Ihrem Feldzug gegen die feindlichen Infanteristen... Ich suche immer noch verkrampft nach einer Vorschrift, die Sie dabei nicht gebrochen haben! Der Gipfel ist ja Ihr persönliches kleines Spielzeug, dass Sie sich aus Kriegszeiten aufgehoben haben! Wenn sich irgendein anderer Offizier das erlaubt hätte, würde ich ihn achtkantig rausschmeißen, mit bester Empfehlung für die Klapse!" "Wollen Sie nicht erfahren, was bei dem Verhör der feindlichen Infanteristen heraus gekommen ist?" lenkte Nikolaj vom Thema ab. "Was?" seufzte seine Vorgesetzte. "Diese Irralias waren hinter dem Cilthroiden-Schiff her, das wenige Minuten vorher von Port Silvermoon entkommen ist", erklärte Nikolaj, "vermutlich wollten sie die Singularitätswaffe." "Ehrlich gesagt bin ich froh, dass wir dieses Problem los sind", gab der Admiral zu, "und die Esialos haben einen Auslieferungsantrag für die Irralias gestellt. Sollen die sich doch um den Mist kümmern und ihre eigene Singularitätswaffe zurück holen."
Abschnitt 12
Aus einiger Entfernung wirkte der schmale Asteroidengürtel wie ein matt glänzendes Band, das vor die regelrecht winzig wirkende, gelb strahlende Sonne gespannt war. Die Nachtseite der Planetoiden wurde von einem nahen, uralten Kugelsternhaufen in rötliches Zwielicht getaucht. Mylanium-Adern in den Asteroiden machten den Einsatz von elektromagnetischen oder Tachyonen-Sensoren nahe dem Asteroidenfeld so gut wie unmöglich, und erst recht darin. Umgekehrt konnte allerdings auch niemand von außerhalb erkennen, wenn sich ein Schiff zwischen den Metall- und Felsbrocken versteckte. Yxo würde exakt am Treffpunkt auftauchen und versuchen müssen, Sods Schiff mit herkömmlichen optischen Mitteln zu finden.
"Sieht irgendwie eindrucksvoll aus", kommentierte Sam das Panorama, das die Bildschirme im Cockpit der Lebensquell boten. "Terranische Ästhetik", kommentierte Yxo, woraufhin Nhet ein knappes "Aha" los wurde. "Wenn jetzt alles glatt geht", fasste Yxo zusammen und steuerte in den Planetoidengürtel, "warten Sod, Svenia und Celtros am Treffpunkt, vielleicht mit ihren Handelspartnern, wir kriegen dann unsere Belohnung und übergeben die Singularitätsbombe." "Und ihr lasst mich frei und entschädigt mich für den Verlust meines Schiffes", ergänzte Nhet. "Aber es geht selten glatt", fügte Sam sofort hinzu.
Langsam glitt die Lebensquell durch das Zwielicht, zwischen Asteroiden, gegen welche der Cilthroidsche Transporter wie ein Spielzeug wirkte. Die ferne Sonne des Systems vor Augen, den Kugelsternhaufen im Rücken. Die Positionslichter der Lebensquell waren abgeschaltet.
Yxo flog nach Sicht. Der Sensorenschirm flimmerte nutzlos und zeigte tausende nicht vorhandene Kontakte an. Es war still auf der Brücke, während der Computer leise mit Hilfe der Außenkameras nach etwas suchte, das ein Raumschiff sein könnte. Überraschenderweise zeigte sich plötzlich ein deutlicher Kontakt auf dem Sensorenschirm, wenn auch nicht deutlich genug, um ihn identifizieren zu können. "Was haben wir denn da?" murmelte Sam vor sich hin, so leise, als könnten seine Worte von Feinden gehört werden. "Das sehen wir uns mal an", antwortete Yxo.
Langsam schwebte die Lebensquell - kaum deutlicher erkennbar, als eine matte Lichtreflexion - näher auf einen mehrere Kilometer durchmessenden Planetoiden zu. Der unförmige Felsbrocken war von tausenden Kratern übersäht, auf deren Grund noch nie ein Sonnenstrahl gefallen war, und er rotierte langsam, aber gleichmäßig. Die Lebensquell näherte sich der Oberfläche bis auf einige hundert Meter und schwebte dann langsam über die zerklüftete Landschaft, der Schatten des Raumschiffs strich über die Krater.
"Wir nähern uns dem Kontakt nun auf einen Kilometer", erklärte Yxo, und er machte sich bereit, einen Suchscheinwerfer auf das unidentifizierte Objekt zu richten. Die zwielichtig beleuchtete Landschaft zog an den Bildschirmen vorbei. Wenige hundert Meter vor dem unbekannten Ziel stoppte Yxo das Schiff und aktivierte den Scheinwerfer, ein greller Lichtkegel leuchtete auf die Asteroiden-Oberfläche und erhellte eine 50 Meter durchmessende, spinnenbeinige Roboterkonstruktion. Ein elastischer, fast organisch anmutender Beutel auf der Oberseite des Roboters war etwa halb gefüllt, von dem Scheinwerferlicht unbeeindruckt förderte die Maschine weiterhin Mylanium aus dem Inneren des Asteroiden. "Ein Bergbau-Roboter", seufzte Yxo, und er klang erleichtert, "hast uns ja ganz schön erschreckt, kleiner Kerl!" "Du kannst aber auch eine Panik bauen", regte sich Nhet auf, "man könnte fast glauben, du erwartest jetzt das Super-Mega-Schlachtschiff, das uns alle zu Sternstaub pustet, aber was ist da? Ein Bergbau-Roboter. Irgendjemand baut ein bisschen Mylanium-Erz ab. Hat der Cilly etwa Angst vor Bergbau-Robotern? Buh, er kommt dich holen!" "Hast du vielleicht eher so etwas erwartet?" erkundigte sich Sam und deutete auf einen der Bildschirme, der den Rumpf des Esialo-Kreuzers zeigte, welcher eben in den äußeren Bereichen des Asteroidenfelds angekommen war. "Verdammt", fluchte Yxo, "ich hasse es, wenn das passiert!" "Er scheint uns noch nicht entdeckt zu haben", vermutete Sam, "er schwebt einfach träge vor sich hin." Der Hyperfunkspruch, der kurz darauf einging, bestätigte diese Vermutung: "Jetzt hört doch mal her, wir wissen, dass ihr irgendwo zwischen diesen Steinbrocken seid. Und wir wissen, dass ihr etwas besitzt, das wir gerne zurück hätten. Die Sieec-Gilde der Irralias und die Wahren Esialos werden es euch danken." Yxo antwortete nicht. Alle drei starrten das Bild der düsteren Kriegsschiff-Silhouette gespannt an, dann löste sich ein Teil vom Bug des Schiffes. "Das hab ich befürchtet", seufzte Sam, "die Esialoschen leichten Kreuzer der zweiten Generation führen im Bug ein kleines Aufklärungsschiff mit sich. Es ist mit dem Modernsten ausgestattet, was die Esialos in Sachen Sensoren-Technologie bieten können." "Sind sie in der Lage, uns hier drin zu finden?" erkundigte sich Nhet. Sie verspürte wenig Lust, noch einmal unsanft mit den Leuten zusammen zu treffen, die ihr Schiff zerstört hatten. "Wahrscheinlich schon", musste Sam zugeben, als das Aufklärungsschiff in das Asteroidenfeld einflog und begann, seine Kreise zu ziehen, "der Aufklärer dürfte aber nicht sonderlich schwer bewaffnet sein. Zumindest laut den letzten Berichten der Esialo-Navy, die der UTSF zugänglich waren." "Wie alt sind diese Berichte?" erkundigte sich Yxo, in der Hoffnung auf eine positive Antwort. "Drei Monate", antwortete Sam. "In der Zeit kann man eigentlich keinen allzu schwer bewaffneten Aufklärer entwickeln und von Terroristen stehlen lassen", hoffte Yxo. Nhet wurde zappelig. Sie blickte sich etwas unsicher im Cockpit um, dann wandte sie sich an die beiden Piraten. "Ich muss mich entspannen", erklärte sie und verließ den Kommandoraum. "Endlich ist die weg", meinte Yxo erleichtert, "die geht mir vielleicht auf die Nerven."
Die Lebensquell deaktivierte den Suchscheinwerfer und entfernte sich wieder etwas von dem Bergbau-Roboter - zwei nahe beieinander liegende Kontakte waren leichter zu entdecken, als weit voneinander entfernte. Yxo hielt die Triebwerksleistung minimal, um sich nicht zu verraten, während er sein Schiff langsam weiter von der Oberfläche des Planetoiden aufsteigen und in den Raum zwischen den Asteroiden driften ließ. Wenige tausend Kilometer weiter entfernt durchkreuzte der Aufklärer den Planetoidengürtel, und der Kreuzer belagerte das kosmische Trümmerfeld regelrecht.
"Sie drehen ab", stellte Sam fest, gebannt auf den Bildschirm starrend, der die Umrisse des Aufklärungsschiffs zeigte. Yxo beobachtete die Flugbahn des kleinen Schiffs eine Weile und meinte schließlich: "Sie drehen wirklich ab. Sie kehren zum Kreuzer zurück." Es dauerte einige Minuten, bis der Aufklärer wieder sein Mutterschiff erreicht und an dessen Bug angedockt hatte. "Ich glaube nicht, dass sie die Suche so einfach aufgeben", überlegte Yxo laut. Der Esialo-Kreuzer der Terroristen setzte sich in Bewegung. Er hielt Kurs auf das Asteroidenfeld. "Was macht der da nur?" murmelte Sam vor sich hin, während der Kreuzer näher kam. "Ich weiß nicht", erwiderte Yxo schließlich, "aber es gefällt mir nicht. Hauen wir lieber ab von hier." Mit diesen Worten erhöhte er den Schub, um tiefer in das Planetoidenfeld einzudringen.
Der Kreuzer beschleunigte ebenfalls und flog in den Asteroidengürtel ein, es bestand kein Zweifel - das Kriegsschiff hatte einen Abfangkurs direkt auf die Lebensquell gesetzt.
Yxo stieß einige Flüche aus, während er konzentriert um Asteroiden herum manövrierte. "Wieso wissen die, wo wir sind?!"
Für die Dichte des Asteroidenfeldes flog der Pilot des Kreuzers unheimlich rücksichtslos. Leichtere Treffer durch Asteroiden wurden von den Schilden zurück gehalten, die Brocken einfach zermalmt. Die Irralias holten auf.
"Verdammt, in dem Asteroidenfeld sind wir nicht schnell genug", rief Sam, in Anbetracht der atemberaubenden, aber umständlichen Ausweichmanöver, zu denen die Lebensquell immer wieder gezwungen war, "bring uns zurück in freien Raum!" "Lebensquell an Kreuzer", rief Yxo und öffnete damit eine Kom-Verbindung, "ihr wisst, dass wir die Bombe an Bord haben. Es könnte ungemütlich für euch werden, wenn ihr auf uns schießt."
Bereits nach wenigen Minuten war der Kreuzer in Waffenreichweite. Alle 12 Ionenblaster-Geschütze feuerten auf den kleinen Transporter, der sofort im Zickzack-Kurs auszuweichen versuchte. Die Schilde der Lebensquell blitzten auf, während sie wie eine Mücke umher tanzte, um dem Feuer zu entkommen. Schlecht gezielte Ionenladungen rasten von allen Seiten an dem stromlinienförmigen Transporter vorbei, einige davon hämmerten auf die Oberflächen von Asteroiden ein, doch genug trafen die Lebensquell. Die Heck-Schilde fielen und legten die Heckpanzerung frei. Die nächsten Ionenpakete besaßen weniger kinetische Energie, waren dafür elektrisch umso geladener, und damit zeigte sich der wahre Vorteil von Ionenwaffen: Die Bordelektronik der Lebensquell wurde komplett lahmgelegt.
Sämtliche Bildschirme erloschen genauso, wie die Beleuchtung im Cockpit der Lebensquell und die künstliche Schwerkraft. Nur noch matter, rötlicher Lichtschein drang durch die schmalen Fenster. "Ich schätze, wir werden gleich geentert", vermutete Sam. "Hast du deine Waffe bei dir?" wollte Yxo wissen. "Klar." "Gut, vor dem Cockpit befindet sich eine Schleusenluke in der Decke. Die gehört dir. Schieße auf alles und jeden, das versucht, hier rein zu kommen." "Ich weiß, wie man ein Schiff vor Enterversuchen schützt", entgegnete Sam tonlos und aktivierte seinen Blaster. "Was ist mit Nhet?" erkundigte sich der Mensch, während er unsicher schwebend das Cockpit verließ. Die Lampe an seiner Waffe warf einen schmalen, viel zu spärlichen Lichtkegel. "Ich geh' sie wecken, die soll uns gefälligst helfen, wenn sie schon unsere Geisel ist", beschloss Yxo und verließ das Oberdeck durch ein finsteres Loch im Boden, ließ Sam allein in dem Korridor. Der Mensch presste sich an die Wand neben der Cockpittür, um möglichst viel Distanz zwischen sich und die Schleusenluke in der Decke zu bringen. Dann stellte er seine Waffe auf Explosivprojektile und richtete sie auf die Luke. In der kleinen Kreisfläche, welche die Waffe erleuchtete, konnte man deutlich die irisartige Struktur der Luke erkennen. Vermutlich würde sie aufgesprengt werden. Doch wer auch immer von dort oben kommen würde, hätte mit einer explosiven Überraschung zu rechnen.
Es dauerte keine 30 Sekunden, bis Yxo zurück kam. "Ich kann Nhet nicht finden", berichtete er. "Es ist ja auch dunkel", entgegnete Sam, "vielleicht schläft sie irgendwo in einer Ecke, oder..." "Es ist mir egal - wenn sie sich in so einer Situation aufs Ohr haut, ist sie selber schuld." In diesem Augenblick fuhr ein starker Ruck durch das Schiff, ein lautes Krachen hallte vom Rumpf wieder. "Sie haben an uns angedockt", stellte Yxo fest, "und zwar eindeutig hier an unserer Oberseite." Er begab sich an das Sam gegenüber liegende Ende des Korridors und richtete sein Gewehr auf die Deckenluke. Sie öffnete sich, irgendwer hatte scheinbar die Codes überbrückt, Yxo deckte die Schleusenkammer mit einem Hagel aus Energieladungen ein, Schatten tanzten durch den Korridor, der mit jedem Schuss erhellt wurde. Sam feuerte ein Projektil ab. Innerhalb von Sekundenbruchteilen erreichte der kleine Flugkörper die Schleuse und detonierte, eine Explosionswolke erfüllte die Kammer für gut eine Sekunde, doch es stürzten keine feindlichen Infanteristen aus der Schleuse, sondern eine Granate. Ein greller Blitz war das Letzte, was die Raumpiraten noch wahrnahmen.
Abschnitt 13
Licht. Das Erste, das Yxo nach seiner Bewusstlosigkeit bemerkte, war gleißendes Licht. Es strahlte ihm von vorne genau ins Gesicht, offenbar aus mehreren Scheinwerfern. Nach Sekunden kristallisierten sich undeutliche Schatten heraus, die lebendig zu sein schienen. Yxo war sich nicht ganz im Klaren, ob er saß, stand, oder lag, doch bei dem Versuch, sich zu bewegen, musste er feststellen, dass es ihm unmöglich war. Er spürte keinen einzigen Teil seines Körpers. "Da ihr nun endlich beide wieder aufgewacht seid, können wir vielleicht vernünftig miteinander sprechen", sagte jemand und gab ein klackendes Geräusch von sich. Es war womöglich einer der Schatten, doch ganz klar war es nicht. "Was geht hier vor?" formulierte Yxo. Er konnte sprechen. Er konnte sprechen, sehen, hören, er besaß fast alle seine Sinne, doch er konnte sich nicht bewegen. "Das sollte ich eher fragen", antwortete die Stimme und kam näher, genau wie ein Teil des Schattenspiels. Der Schatten hob sich nun halbwegs deutlich von den anderen hervor, und als er näher kam, konnte Yxo mit etwas Phantasie das Gliedmaßen-Gewirr eines Irralias daraus machen. "Wo ist die Bombe?" wollte der Unbekannte bestimmt wissen. "Kommt darauf an, von welcher Bombe du sprichst." "Frag nicht so idiotisch", antwortete die Stimme ruhig, und der Schatten zog sich wieder etwas zurück. "Wer suchet, der findet", sagte eine weitere Stimme. Die Stimme gehörte eindeutig Sam, der Mensch schien sich direkt neben Yxo zu befinden. Wenn er doch nur den Kopf drehen könnte... "Halt's Maul, Erdling, ich rede jetzt mit dem Cilly", sprach der Unbekannte. "Wo ist die Singularitätswaffe, Yxo? Das ist doch dein Name, oder? Yxo, sag mir doch bitte, wo ich meine Singularitätswaffe finden kann. Und bei der Gelegenheit könntest du mir auch erklären, was ihr hier damit anstellen wolltet." Yxos Verstand funktionierte ungewöhnlich träge, doch allmählich begann er, sich zu wundern, warum er überhaupt nach der Waffe gefragt wurde. Die Irralias-Terroristen hatten die Lebensquell gekapert, und die Waffe war groß und deutlich im Laderaum der Lebensquell verankert. Es gab für die Irralias keinen Grund, nach der Bombe zu fragen, Sam hatte mit seinem "Wer suchet, der findet" vollkommen recht. Es könnte natürlich sein, dass die Irralias die Kooperationsbereitschaft der Piraten testen wollten, doch wozu? Weshalb ließen sie Sam und Yxo überhaupt noch am Leben? Yxos Gedankengänge mussten wohl einige Zeit in Anspruch genommen haben, denn der Schatten wurde ungeduldig: "Na, willst du mir nicht antworten? Yxo?" Und dann war da noch die Frage des Schattens, was sie hier mit der Singularitätswaffe anstellen wollten. Offenbar wussten die Irralias nicht über Sod bescheid. Allerdings müssten sie eigentlich auch darüber bescheid wissen, wo die Waffe war. Vielleicht machte es den Irralias ganz einfach Spaß, mit ihren Opfern zu spielen. "Ich kann mich dem Terraner nur anschließen", meinte Yxo schließlich, "wer suchet, der findet. Darf ich auch mal Fragen stellen?" "Du darfst das Maul halten", änderte der Schatten seine Meinung und bewegte sich ein wenig, vermutlich wandte er sich an Sam, denn er sagte nun: "Dann unterhalten wir uns eben ein wenig, Erdling." Das Licht wurde greller. "Du würdest jetzt bestimmt gerne die Augen schließen, Erdling", hörte Yxo die Stimme sagen, "ich werde das Licht ein wenig dimmen, wenn du mir verrätst, wo meine Bombe ist." "Sie ist nicht da, hm", vermutete Sam zynisch, "ich würde mal mit deinen eigenen Leuten reden. Sieht so aus, als hätte sich jemand vor dir deine Bombe gekrallt." "Du zeigst dich auch so unkooperativ." Das Licht wurde noch etwas gleißender. Yxo konnte nicht sehen, wie Sam reagierte. "Hast du sonst noch was auf Lager", erkundigte sich Sam, "ich meine, wenn wir tot sind, hast du zwar die gleichen Chancen, zu erfahren, wo deine Waffe ist, aber niemand kann dir dann mehr sagen, woher wir überhaupt von deinem Singularitätswaffen-Transport gewusst haben. Das ist es doch, was du wissen willst, oder? Frag doch mal ganz nett." "Dann sag es mir doch bitte." Mehr Licht. "Ich geb' dir einen Tipp", beschloss Sam, "hör gut zu: Du kannst mich mal." "Das ist aber kein sehr nützlicher Tipp", widersprach die Stimme und klackte hektisch. Plötzlich war das leise Geräusch einer Tür zu vernehmen, und ein weiterer Schatten kam hinzu. "Haben sie's schon verraten?" erkundigte sich der neue Schatten. Yxo erkannte die Stimme dieses Schattens. Es war Zeycal Gfeye Nhet. "Nein, die beiden sind nicht sehr kooperativ", widersprach der Unbekannte, "ich fürchte, wir müssen zu anderen Maßnahmen greifen." "Nhet, du Miststück..." murmelte Sam vor sich hin. An seiner Stimme war erkennbar, dass er die gleiche merkwürdige Müdigkeit verspürte, wie Yxo. "Tja, es geht selten glatt", zitierte Nhet Sams Worte, "und ich weiß sogar, woran es liegt: Es gibt immer jemanden, der sich rechtzeitig auf die richtige Seite stellt." "So läuft es nun mal", kommentierte die fremde Stimme, dann näherte sich der Schatten, der vermutlich Nhet gehörte, dem anderen Schatten, ein Geräusch war zu vernehmen, ähnlich dem Bersten von Holz. Danach verschwammen die Schatten irgendwie miteinander, als nächstes ein krachendes Geräusch. Dann Stille. "Ja, so läuft es nun mal", wiederholte Nhet, "Mistkrabbler!" Das Licht wurde nun immer weniger intensiv, bis es schließlich zu einem Zwielicht herab gedreht war. Yxo sah noch immer alles verschwommen, was auch immer seine Muskeln lähmte, schien auch einen Einfluss auf sein Sehvermögen zu haben, doch er konnte deutlich genug sehen: Es war ein enger Raum, dessen gegenüberliegende Wand aus einem einzigen Scheinwerfer zu bestehen schien. Oder zumindest einem Bildschirm, der sich als Scheinwerfer einsetzen ließ. Ein kleiner Tisch stand in der Mitte des Raumes, dahinter Zeycal Gfeye Nhet, mit dem langen, dünnen Gewehr eines Irralias-Infanteristen in den Tentakeln. Sie trug es verkehrt herum, vermutlich weil sie mit dem Schaft den ursprünglichen Träger des Gewehrs nieder geschlagen hatte. Dieser lag regungslos am Boden, genau wie ein weiterer Irralias, der eindeutig der Fragesteller gewesen war. Nhet hatte ihm das Kopf-Glied gebrochen. Auf dem Tisch lagen Yxos und Sams Waffen, sowie eine Art Injektionsgerät. "Die haben euch irgendwas eingeflößt", erklärte Nhet hastig und legte das Gewehr auf dem Tisch ab, um das Injektionsgerät zu nehmen, "was auch immer es war, das hier ist das Gegenmittel. Wie muss man es euch verabreichen?" "Keine Ahnung", antwortete Sam, "am besten in die Vene. Ich lass mir ungern irgendein Zeug in die Vene spritzen, aber versuch's!" Nhet begab sich zu Sam, und damit an den Rand von Yxos Sichtfeld. "Wo ist deine 'Vene'?" "Unter meinem Armgelenk", erklärte der Mensch. Ein zischendes Geräusch war zu hören. "Das war nicht ganz die Vene", seufzte Sam, "aber es scheint trotzdem zu wirken. Ich habe jetzt Schmerzen überall, vorher hab ich überhaupt nichts gespürt." Yxo konnte aus den Augenwinken eine Bewegung von Sams Arm ausmachen. "Jetzt ich", meldete sich Yxo zu Wort, "irgendwohin." Nhet verabreichte dem Cilthroiden die Substanz an der gleichen Stelle am Unterarm, wie Sam, und innerhalb von Sekunden zeigte sich auch bei Yxo eine Wirkung. Mühsam konnte er aufstehen, die Umgebung erschien wieder schärfer. "Okay, was zum Tixem ist jetzt los?" erkundigte sich der Cilthroide und schnappte sich sein Gewehr. Auch Sam nahm seinen Blaster vom Tisch. "Schwierige Geschichte", erklärte Nhet und nahm wieder das erbeutete Irralias-Gewehr in die Tentakeln, "ich erklär' sie euch auf dem Weg zurück zur Lebensquell."
Als die drei den Verhörraum verließen und den mit grauen Plastikplatten verkleideten Gang betraten, merkte Sam sofort an: "Wir sind auf dem Irralias-Kreuzer, Deck 5." "Woher kennst du dich so gut aus?" erkundigte sich Yxo. "Freund- und Feind-Schiffskunde, UTSF-Akademie", antwortete der Terraner knapp. "Gut", meinte Nhet, "ich hatte wenig Gelegenheit, mir den Weg gut zu merken. Yxo, dein Schiff hat an Luke 3 angedockt." "Das ist drei Decks höher", erklärte Sam, "es müsste irgendwo einen Schacht geben..." Er blickte sich unsicher im Korridor um. "Da vorne irgendwo, wenn ich mich nicht irre", glaubte er schließlich, erkannt zu haben, und rannte den Korridor entlang. Nhet folgte ihm dicht. Yxo teilte nicht unbedingt die Zuversicht der Terraners, folgte ihm aber ebenfalls. "Also, Nhet, falls das dein richtiger Name ist, was ist jetzt los?" wollte der Cilthroide bestimmt wissen. "In Kurzfassung", erklärte die Gfeye, "ist Folgendes passiert: Zwei Piraten nehmen mich als Geisel und schleppen mich in ein Asteroidenfeld, wo der Kreuzer, der mein Schiff zerstört und versucht hat, mich umzubringen, bereits nach ihnen sucht. Diese Piraten wollen sich verstecken, doch der Kreuzer führt ein Aufklärungsschiff mit sich, und der Mensch sagt selbst, dass sie vermutlich gefunden werden. Also beschließe ich, das Beste aus der Situation zu machen: Ich behaupte, schlafen zu gehen, in Wahrheit schnappe ich mir das Kom-Gerät, das der Cilthroide im Frachtraum hat liegen lassen, um damit den Kreuzer zu kontakten. Ich gebe unsere genaue Position an, denn so bin ich bei den Irralias-Terroristen fein raus und habe eine Möglichkeit, den Piraten, die mir irgendwie leid tun, bei der nächsten Gelegenheit zu helfen, wie zum Beispiel jetzt. Wenn der Kreuzer uns einfach so gefunden hätte, wären wir alle Gefangene gewesen, und wir hätten keine Chance gehabt, zu entkommen. So haben die Irralias aber geglaubt, ich wäre auf ihrer Seite." Noch bevor Yxo antworten konnte, erreichte die kleine Gruppe einen vertikalen Schacht, in dem eine Leiter nach oben und unten führte. Der Haken war lediglich, dass der Schacht von zwei Irralias-Terroristen bewacht wurde. Diese hoben sofort ihr Gewehre, als sie die ungebetenen Gäste bemerkten, doch Nhet und Sam waren schneller und betäubten die Irralias mit ihren Waffen. "Gut gemacht", musste Yxo zugeben, und ließ offen, ob er sich dabei auf den Sieg gegen die beiden Wachen, oder auf Nhets Plan bezog. "Jetzt kenne ich mich wieder aus", stellte Nhet fest, "hier haben sie mich runter geführt. Oben an diesem Schacht müsste die Lebensquell angedockt sein." "Wir können nur hoffen, dass sie die Elektronik der Lebensquell wieder in Betrieb genommen haben, sonst kommen wir mit dem Schiff nicht sehr weit", erinnerte Yxo und starrte nach oben in den Schacht. Er kletterte als Erster hinauf, gefolgt von Nhet, Sam bildete das Schlusslicht. "Spätestens nach diesem kleinen Feuergefecht weiß die Crew hier, dass wir auf der Flucht sind", vermutete der Cilthroide. "Dann passen wir eben auf, und vor allem, beeilen wir uns", schlug Sam vor, "und währenddessen kann uns Nhet ja gleich erzählen, warum die Irralias nicht wissen, wo die Singularitätswaffe ist." "Ganz einfach, weil sie nicht mehr im Frachtraum der Lebensquell ist." "Was?!" Yxo hielt kurz vor Schreck inne, kletterte dann allerdings doch zügig weiter. "Ich hab dir doch erzählt, dass ich mir dein Kom-Gerät geschnappt habe", erklärte Nhet hastig, "ich hatte dir bei unserer Flucht vor den Bullen auf Port Silvermoon dabei zugesehen, wie du damit die Ladeluke der Lebensquell geöffnet hast, mit allem, was dazu gehört, Druckausgleich, und so weiter. Es war ein Kinderspiel, die Luft aus dem Frachtraum abzusaugen, die Singularitätswaffe in den freien Raum zwischen den Asteroiden auszuladen und die Luke wieder zu schließen." "Das hätte ich im Cockpit bemerkt, wenn jemand das Frachtschott geöffnet hätte!" "Ja, aber ich hab ein bisschen rumgespielt, bis ich rausgefunden habe, wie ich die Warnmeldung im Cockpit verhindern kann. Mein ganzer Plan, die Waffe in den freien Raum auszuladen und damit zwischen den Asteroiden zu verstecken, und euch danach auch noch hier raus zu holen, wäre in Gefahr gewesen, wenn ihr davon erfahren hättet. Natürlich weiß ich genau, wo ich die Bombe ausgesetzt habe." "Wie kannst du einfach die Sicherheitssysteme meines Schiffs umgehen?" fragte Yxo verständnislos. "Eure Reise an Bord meines Schiffes hat wohl den Eindruck erweckt, ich wäre technisch nur minder begabt. Da muss ich euch leider enttäuschen. Mit einer alten ST-300 kann ich spielen, wie mit ein paar Drähten." "Jedenfalls war das verdammt gute Arbeit!" lobte Yxo die Gfeye. Die drei waren bereits ein Deck unter der Dockluke, als sich Infanteristen unten im Gang versammelten. Sam richtete seine Waffe nach unten und feuerte ein Projektil ab, dessen Explosion den halben Korridor gut 15 Meter tiefer frei fegte, jedoch war die Flugzeit des Projektils lange genug, als dass die feindlichen Infanteristen vorher noch einige Schüsse abgeben konnten. Nhets Grav-Anzug wurde getroffen, wie von einem Stromschlag geschockt hielt die Gfeye inne, rutschte mit den Tentakeln von der Leiter ab und stürzte in die Tiefe. Yxo blickte schockiert nach unten und sah, wie Sam gerade noch einen von Nhets oberen beiden Tentakeln zu fassen bekam. Die Gfeye schrie auf. Gravitation, fuhr es Yxo durch den Kopf, es hatte hier fast 1,5 g, und die Gfeye war an viel weniger Schwerkraft gewöhnt. Ihr Tentakel war nicht dazu gedacht, ihr gesamtes Körpergewicht bei 1,5 g zu halten. "Mein Tentakel!! Lass mich los!!" brüllte Nhet, und sie schrie laut und schmerzerfüllt, was Sam offenbar derart schockierte, dass er Nhet tatsächlich fallen ließ. Sie stürzte an die 15 Meter tief, um dann regungslos auf dem Boden liegen zu bleiben. Sam starrte ihr entsetzt nach. "Verdammt", fluchte er, "was hab ich getan?!" Dann blickte er zu Yxo. "Geh weiter zur Lebensquell", meinte er Mensch, "ich seh' nach Nhet!" Mit diesen Worten ließ er sich die Leiter nach unten rutschen, nur jede fünfte Sprosse benutzend. "Das ist doch zum Fressen..." murmelte Yxo wütend vor sich hin und stieg ebenfalls die Leiter herab. "Du sollst die Lebensquell übernehmen", rief Sam nach oben, "keine Sorge! Wenn du an Bord bist, wirst du gefälligst abdocken, ich weiß, was ich tu'!" Yxo konnte nicht nachvollziehen, was der Terraner vorhatte, doch er war in einer Krisensituation noch nie von ihm enttäuscht worden, also kletterte er tatsächlich weiter nach oben, in der Hoffnung, der Mensch wisse tatsächlich, was er tat. Als er an der Luke der Lebensquell ankam, warf er noch einen Blick nach unten, um zu sehen, wie Sam sich die Gfeye, deren Tentakeln sich hin und wieder bewegten, auf die Schultern warf und dann in den Korridor rannte. Eventuell hatte der Grav-Anzug der Gfeye das Leben gerettet, doch wo der Mensch nun hin wollte, war dem Cilthroiden schleierhaft. Trotzdem öffnete er die Luke seines Schiffes und sprang in die Schleusenkammer. Er sprang praktisch von einem Schwerkraftfeld in ein direkt entgegen gerichtetes, da die Schiffe Oberseite an Oberseite gedockt hatten, was aber mit etwas Übung kein Problem mehr darstellte. Ohne Zeit zu verlieren, schloss Yxo die Außenluke seiner Schleuse und öffnete die Innenluke, um sofort von Waffenfeuer aus Richtung Bug beschossen zu werden. Die Energieladungen hagelten auf die Wand der Schleusenkammer ein, Yxo presste sich an die gegenüberliegende Wand. Schließlich wurde das Feuer eingestellt, als der Infanterist unten im Korridor bemerkte, dass er niemanden traf. Reaktionszeit. Yxo schätzte die Position des Infanteristen ab und stürzte sich dann seitwärts in die Bodenluke, noch im Sturz feuerte er sein Gewehr ab, der Irralias, der sich im Gang postiert hatte, wurde getroffen, noch bevor Yxo hart am Boden des Korridors aufschlug. Der Cilthroide spürte leichten Schmerz in seiner Schulter, doch er raffte sich schnell wieder auf, um das Cockpit zu betreten. Ein kurzer Überblick über die Sicherheitssysteme verriet ihm, dass keine weiteren feindlichen Truppen an Bord waren. Offensichtlich waren sich die Irralias sicher gewesen, dass Yxo nicht ausbrechen konnte. Und es machte ohnehin wenig Sinn, ein kleines Schiff zu bewachen, das nicht einmal mehr die Singularitätswaffe im Laderaum trug. Erfreut stellte Yxo fest, dass die Irralias - offenbar der eigenen Bequemlichkeit halber - wieder sämtliche Systeme der Lebensquell in Betrieb genommen hatten, nur die Schilde waren noch etwas schwach, und natürlich klaffte noch immer ein Loch in der Bugpanzerung, das vom Gefecht mit der 'Catharsis' stammte. Aber ansonsten war das Schiff flugtauglich. Um einem weiteren Enterversuch zu entgehen, dockte Yxo von dem Kreuzer ab, wie Sam es gesagt hatte, jedoch entfernte er sich nicht weiter als zehn Meter vom Rumpf des Feindschiffes, um nicht in dessen Waffenradius zu sein. Im Prinzip die perfekte Lage. Auf dieser Position, so nahe am Feind, war die Lebensquell sicher vor Beschuss, und sie könnte die Position relativ zum Kreuzer jederzeit halten, falls die Irralias versuchen sollten, die Lebensquell auszumanövrieren, denn der kleine Transporter war in Sachen Manövrierfähigkeit einem ausgewachsenen Kriegsschiff haushoch überlegen. Nur fragte sich Yxo, ob Sam und Nhet genauso in Sicherheit waren.
Abschnitt 14
In den letzten Sekunden, in denen Sam durch die Korridore des Kreuzers bugwärts rannte, war dem Menschen eine Sache aufgefallen: Das Schiff war absolut unterbemannt. Die Infanterie, die sich ihnen bei dem Versuch, die Lebensquell zu erreichen, in den Weg gestellt hatte, war geradezu jämmerlich gewesen, und seither war niemand mehr aufgetaucht. Sam schätzte nach dem Widerstand, auf den sie bisher gestoßen waren, die momentane Besatzung auf vielleicht 20 bis 30, was für einen Esialo-Leichtkreuzer der zweiten Generation nicht einmal eine Rumpfcrew war, aber natürlich konnte er sich auch total verschätzen. "Du bist ein Idiot!" meldete sich Nhet zu Wort, die von Sam immer noch auf der Schulter getragen wurde und nun offenbar zu Bewusstsein gekommen war. Sie war mit ihrem Grav-Anzug viel schwerer, als sie aussah. "Warum?" "Erst willst du mir den Arm ausreißen, und dann wickelst du ihn um mein Gewehr!" "Willst du hier etwa nicht bewaffnet sein?" entgegnete der Mensch und ließ Nhet unsanft zu Boden fallen. Diese raffte sich schnell wieder auf und nahm, den einen Tentakel in einer etwas verkrümmten Haltung, ihr Gewehr wieder in die Tentakeln. "Freut mich echt, dass dir nichts passiert ist", seufzte er. "Was heißt hier 'nichts'? Wo gehen wir überhaupt hin?" "Zu dem Aufklärungsschiff im Bug des Kreuzers", erklärte Sam knapp und rannte weiter, Nhet folgte ihm dicht. "Die Idee ist eigentlich brillant", gab Nhet zu, "wie weit ist es noch?" "Vielleicht fünfzig Meter, hör' auf zu quasseln!" Sam glaubte, das klackende Geräusch von Irralias-Beinen und ihre klickenden Laute irgendwo hinter sich zu hören. Wenn die gesamte Infanteriebesatzung im hinteren Bereich des Schiffes stationiert war, würde das Einiges erklären, und was Sam am besten gefiel, es würde bedeuten, dass sich er und Nhet nur ein wenig zu beeilen bräuchten und mit keinem weiteren Widerstand zu rechnen hätten. Er lag richtig. Nach wenigen Sekunden erreichten sie eine Schleusentür, die mit Esialoschen Schriftzeichen und noch irgendeiner anderen Bildersprache, wahrscheinlich Irralias, beschriftet war. Sam richtete seinen Blaster auf das Kontrollpaneel neben der Tür, doch Nhet schlang ihren Tentakel um seine Waffe. "Bist du verrückt", rief sie, "so kommen wir bestimmt nicht rein. Lass mich machen!" Sie zerrte ein dünnes, nadelartiges Gerät aus ihrem Grav-Anzug, das offenbar elektrische Impulse aussenden konnte, und begann, damit gezielt an dem Paneel zu arbeiten. Sam fragte sich, wie viele technische Spielereien sie wohl in dem grauen, aus metallischen Teilen bestehenden Kleidungsstück versteckt hatte, vermutlich hatte sie irgendetwas davon auch genutzt, um Yxos Frachtluke unbemerkt zu öffnen. "Halte mir den Rücken frei!" forderte die Gfeye den Menschen auf, während sie ihrer Arbeit an der kleinen Schalttafel nachging. "Nichts lieber, als das", versicherte ihr Sam und feuerte ein Projektil in den gekrümmten Gang, aus dem sie gekommen waren, als die klingenden Geräusche von langen, dünnen Beinen lauter wurden. Das Geschoss traf die Wand des Korridors und baute für Sekundenbruchteile eine Feuerfront auf, die den Gang blockierte, doch das reichte, um die Schritte vorerst verstummen zu lassen. "Beeilung!" forderte Sam Nhet auf. "Nur nicht hetzen, in der Ruhe liegt die Kraft", antwortete sie, während sie schön langsam mit dem Instrument elektromagnetische Impulse an bestimmte Stellen des Paneels schickte, was jedes Mal durch einen winzigen, bläulichen Lichtblitz erkennbar war. Wieder die Beine, dieses Mal klangen sie langsamer und geordneter, als würden sie sich in eine taktische Position begeben. "Nhet, das gefällt mir nicht!" "Mir auch nicht", antwortete sie, fast ein wenig unbeteiligt. Sie konzentrierte sich voll und ganz auf das, was sie tat. Was Sam konnte, konnten die Irralias offenbar auch. Der Mensch glaubte, ganz kurz ein helles, surrendes Geräusch am Rande seines Wahrnehmungsbereiches gehört zu haben, bevor ein Projektil in die Wand einschlug, nur wenige Meter von ihm entfernt. Eine gigantische Hitzewelle schlug ihm entgegen, er warf sich die Hände vors Gesicht, als die Explosion aufblitzte, doch der Einschlag hatte weit genug entfernt stattgefunden, um weder ihn noch Nhet zu verletzen. Eine Platte der verkohlten Wandverkleidung baumelte lose an einem Kabelstrang. Sam antwortete auf den Beschuss mit einem eigenen Geschoss, und drückte sich so dicht wie möglich an die Schleuse, die zu dem Aufklärungsschiff führen musste. Dieser Korridor war eine Sackgasse, er endete mit dem Schleusentor, und auf der anderen Seite lauerten die Irralias. Zur Sicherheit schickte er ihnen gleich noch ein Projektil. "Nhet!" "Ich hab's", triumphierte die Gfeye, "das Schott ist offen!" Ein kurzer Blick auf die geschlossene Schleuse verriet ihr, dass sie sich geirrt hatte. "Das kann ich mir jetzt aber nicht erklären", meinte sie baff und widmete sich wieder dem Paneel, um mit akribischer Genauigkeit daran herum zu fuhrwerken. "Verdammt!" ließ Sam verlauten. Ein Zischen aus dem Korridor. Als ehemaliger UTSF-Offiziersanwärter kannte Sam dieses Zischen. Es verhieß nichts Gutes. "Runter!!" brüllte er und warf sich auf den Boden, Nhet riss er mit sich. Die ferngelenkte Rakete raste um die Gangbiegung und traf genau über Sam und Nhet in das Schott, riss einen Krater von gut einem Zentimeter Tiefe hinein. Sam brüllte, Nhet gab einen quiekenden Laut von sich, als die Hitzewelle auf die Rücken der beiden schlug, doch die Explosion besaß bei Weitem nicht die Intensität eines der Projektile. Die Rakete sollte keine Teile des Schiffes beschädigen, sondern direkt die beiden Flüchtenden treffen, und das hatte sie nicht getan. Sam richtete sich wieder auf und zerrte die Gfeye mit nach oben. Sein Nacken fühlte sich verbrannt an, doch das Iso-Material seiner Pilotenjacke hatte wenigstens seinen Rücken geschützt. Nhets Kamm sah irgendwie trockener aus, als vorher, doch sie wandte sich schnell wieder ihrer Arbeit zu. Der Mensch erinnerte sich daran, dass die Gfeye kein Temperaturempfinden besaß. Das Paneel war durch die Explosion, die direkt daneben stattgefunden hatte, geschmolzen, zusammen mit einem Teil der nun frei liegenden Elektronik. "Das erlaubt ganz neue Einblicke", meinte sie optimistisch und setzte ihre Arbeit fort, dieses Mal direkt in der Elektronik, während Sam erneut auf den Abzug tippte, um ein Projektil abzufeuern. Die Waffe gab einen tiefen, summenden Ton von sich, was der Mensch mit "Scheiße, Scheiße, Scheiße!" beantwortete. Die Projektilmunition war verbraucht. Das Schleusenschott fuhr in die Decke, zusammen mit dem Schott auf der anderen Seite der nun zum Vorschein kommenden Schleusenkammer, und damit war der Weg in das Aufklärungsschiff frei. "Das wär's!" rief Nhet und sprang durch die Schleuse, Sam folgte ihr, rückwärts, einige EM-Impulsschüsse in den Gang des Kreuzers abgebend. Von der Innenseite ließen sich die Schleusentore mit einem einfachen Knopfdruck schließen. "Kannst du so ein Ding fliegen?" erkundigte sich die Gfeye bei Sam und warf einen Blick bugwärts. Ein kurzer Korridor führte direkt zum Cockpit, steuerbord, backbord und im Boden war je eine weitere Luke zu finden. "Theoretisch ja, aber ich hab nie wirklich am Steuer eines Esialo-Schiffes gesessen", erklärte der Mensch, machte sich aber bereits auf den Weg zum Cockpit. "Ich versuche hier, die Schleuse dicht zu halten, bis wir gestartet sind!" rief ihm Nhet hinterher und bearbeitete mit ihrem Kolben das Paneel, das auch auf dieser Seite der Schleuse zu finden war, um zu verhindern, dass sich die Irralias Zutritt verschafften. Einer war ohnehin schon an Bord. Eine Partikelladung schoss aus dem Cockpit und verfehlte Sam nur um Haaresbreite. Der Mensch richtete seinerseits die Waffe auf die offene Tür in den Kontrollraum und feuerte einen Impuls ab, er traf in die Lehne des Pilotensitzes, der dadurch unter Strom gesetzt wurde. Der Irralias, der sich in dem Sessel versteckt hatte, fiel schlaff auf den Boden, dabei krachten seine Gliedmaßen. Sam betrat das Cockpit, vergewisserte sich, dass er nun alleine war, und setzte sich in den Pilotensitz. Der Sitz war für Esialos gedacht, unbequem. Der Mensch verbrachte einige Sekunden damit, sich einen Überblick über die Kontrollen zu verschaffen, dann hatte er die wesentlichen Steuerungselemente gefunden.
Nhet tippte mit der Impulsnadel so hastig auf dem Paneel herum, als wäre es ein Geschicklichkeitsspiel. Sie versuchte praktisch, ohne Zugriff auf die Benutzeroberfläche, nur durch Manipulation der elektrischen Impulse, einen neuen Code in den Öffnungsmechanismus einzuprogrammieren, um zu verhindern, dass die Irralias die Schleuse erneut öffneten, gleichzeitig versuchten ihre Feinde auf der anderen Seite offenbar das Gleiche, nur mit Zugriff auf alle Funktionen des Paneels. "Können wir endlich starten?" rief sie vor ins Cockpit. "Wir haben jetzt zwei Möglichkeiten", antwortete der Mensch, "entweder, wir warten, bis die Irralias freundlicherweise die Andockklammern lösen und uns gehen lassen..." - Er machte eine bedeutungsvolle Pause, die Nhet gar nicht billigen konnte - "... oder wir sehen, was passiert, wenn wir vollen Schub geben!" Das Geräusch anlaufender Aggregate war zu hören, dann begann das kleine Schiff, zu zittern.
Yxo lehnte sich zufrieden zurück, als er sah, wie der Bug des Kreuzers zu vibrieren begann. Irgendwer versuchte, das Aufklärungsschiff zu starten, und der Cilthroide konnte sich vorstellen, wer das war.
"Mach schon", redete Sam auf das Schiff ein, "es kann doch nicht so schwer sein, die billigen Andockklammern in Stücke zu fetzen!"
Der Aufklärer riss sich vom Kreuzer los. Mit gewaltiger Beschleunigung raste der Bug des Kriegsschiffes davon und schien einen Teil aus dem Kreuzerinneren mit sich zu ziehen. Die Überreste der Andockklammern trieben durchs All, während der Aufklärer selbst davon raste. Das kleine Schiff bestand aus zwei Segmenten: Eine knapp zehn Meter lange Bugsektion, welche die Form eines Fingerhuts hatte, und daran anschließend eine etwa 20 Meter lange Hecksektion in der Form eines abgeflachten Eies. Die auf voller Kapazität laufenden Gravitonentriebwerke leuchteten im Heck.
Nhet kam hastig auf die Brücke gestürzt. "Wow, das hatte Stil!" rief sie. "Falsch, wenn wir hier lebend wegkommen, DAS hätte Stil!" entgegnete der Mensch im Pilotensitz, als das Schiff durch Beschuss erschüttert wurde. Nun kam er auf die Idee, die Schutzschilde zu aktivieren.
Yxo beschleunigte ebenfalls, um in Formation mit dem Aufklärungsschiff überzugehen, auf der Flucht vor dem Kreuzer. "Lebensquell an Aufklärungsschiff! Nette Aktion, wer auch immer gerade fliegt, im freien Raum haben wir vielleicht sogar eine Chance, zu entkommen." Die Lebensquell erzitterte. "Natürlich fliegt der beste Pilot der Lokalen Gruppe, und natürlich werden wir entkommen!" rief Sam übermütig. "Falsch", widersprach eine Stimme aus dem Kom, "der beste Pilot der Lokalen Gruppe kommt HIER, und wir werden nicht entkommen, sondern den Irralias in den Arsch treten!" "Sod!" riefen Yxo und Sam fast gleichzeitig, ziemlich überrascht über die Ankunft des Esialos.
In wenigen hundert Metern Abstand rasten die Lebensquell und der von Sam gestohlene Aufklärer durch den freien Raum, gefolgt von dem Kreuzer, auf den nun wiederum drei weitere Schiffe zusteuerten: An der Spitze der Flotte die "Rattlesnake", das Schiff von Sod, Svenia und Celtros, ein Terranisches Kanonenboot mit seiner Stromlinienform und den beiden an Pylonen sitzenden Hyperraum-Strukturbrecher-Kanonen. Dicht folgten der "Rattlesnake" zwei mit Raketenmagazinen schwer bewaffnete Cilthroidsche Korvetten.
Sam blickte auf den Sensorenschirm. Die Anzeigen waren ungewohnt, aber es war offensichtlich, dass die Piraten eben Verstärkung von drei Schiffen erhalten hatten. Sods Rattlesnake mit ihrer antiautoritären Graffiti-Bemalung erkannte Sam sofort, die beiden Korvetten hatte er noch nie zuvor gesehen, doch im Augenblick war ihm relativ egal, von wem er Hilfe bekam. "Party on!" rief er und probierte die nächste technische Spielerei des Aufklärungsschiffes aus:
Die Flanken des Hecksegments des Aufklärers falteten sich auseinander und bildeten zwei je 20 Meter lange, bewegliche Pylonen, die sich, insgesamt zwei Gelenke pro Pylon, in jede beliebige Richtung kippen und drehen ließen. Jeder Pylon war mit einer ganzen Phalanx aus zig kleinen Ionenblastern besetzt. Die Pylonen drehten sich in ihrem Hauptgelenk um 180 Grad, dann feuerten die Blaster nach achtern und beschossen den Kreuzer. Das Kriegsschiff erwiderte das Feuer, der Aufklärer flog einige Ausweichmanöver, so dass die feindlichen Ionenladungen um Haaresbreite am Rumpf des kleinen Schiffes vorbei schossen. Die Pylonen des Aufklärers kompensierten die Ausweichmanöver für das eigene Feuer und hielten trotz des taumelnden Kurses weiterhin den Kreuzer als Ziel fixiert.
"Leute, ich hab mich eben in dieses Schiff verliebt!" rief Sam. "Dann sorgen wir mal dafür, dass es dir nicht unterm Hintern weggeschossen wird!" antwortete Yxo...
Die Lebensquell schleuderte regelrecht um ihre Querachse, wandte den Bug dem Kreuzer zu und feuerte die Bugkanonen ab. Gleichzeitig drehte sich auch der Aufklärer um 180 Grad - die Pylonen blieben auf den Kreuzer als Ziel fixiert, gaben Dauerfeuer - und beschleunigte direkt auf den Feind zu. In Formation rasten Sam und Yxo über den Rumpf des Leichtkreuzers hinweg und bombardierten dessen Schutzschilde, die Geschütze des Kreuzers konnten der schnellen Bewegung der kleinen Schiffe nur schwer folgen. Damit begannen auch die Rattlesnake und ihre beiden begleitenden Korvetten den Angriff, auf das Heck des Kreuzers fixiert. Während die Rattlesnake ihre schweren Kanonen abfeuerte und grell blitzende Hyperraumfelder in die Schilde des Kriegsschiffes jagte, nutzten die beiden Korvetten ihre schwere Raketenbestückung und schossen Missiles auf den Kreuzer ab. Hinter dem Kreuzer wendeten Sam und Yxo in weiten, synchronen Bögen, um in Formation mit den anderen drei Schiffen zu gehen und an deren Angriff teilzunehmen. Erst jetzt hatten sich die Geschütze des Kreuzers nach Achtern gedreht und konnten das Feuer auf die kleine Flotte eröffnen. Es waren genug Geschütze für jeden da, doch es war auch genügend Piraten-Feuerkraft für jedes Geschütz da.
Während Sam versuchte, feindlichem Feuer auszuweichen und die Bugschilde immer wieder aufblitzten, konzentrierte Nhet ihre volle Aufmerksamkeit auf das bisher ungenutzte Terminal im hinteren Bereich des Cockpits und zauberte einige technische Instrumente aus ihrem Anzug hervor. "Ich logge mich mal in unseren Hauptcomputer ein und ändere sämtliche Sicherheitscodes, damit wir keine bösen Überraschungen erleben", beschloss sie. "Sag' mal, wieso hattest du es nötig, dich als Händlerin in einem fliegenden Schrotthaufen zu betätigen?" erkundigte sich Sam, während er, aus allen Rohren feuernd, wieder über den Kreuzer hinweg jagte. Eine schwere Erschütterung riss das kleine Schiff fast vom Kurs, Sam brachte es allerdings schnell wieder unter Kontrolle. "Untere Schilde offline", stellte er besorgt fest, doch Nhet beantwortete munter seine letzte Frage: "Im Prinzip hab ich all diese Spielereien mit Esialo-Technik erst während meines Jobs als freie Händlerin gelernt."
Einige Missiles der Korvetten schlugen in den Kreuzer ein und brachten dessen obere Schilde zum Kollaps, während die Piratenschiffe einen bizarren Tanz um das 300 Meter lange Kriegsschiff aufführten. Nun konzentrierten sie sich auf den ungeschützten Teil des Kreuzers. Eines der schweren Geschütze explodierte in einem gewaltigen Feuerball.
Sod hatte Schwierigkeiten, dem Feindfeuer auszuweichen und gleichzeitig mit den großen, kaum beweglichen Kanonen das Ziel anzuvisieren. "Schilde runter auf 30 Prozent", meldete Celtros am technischen Terminal. "Die Kühlmittelversorgung protestiert hier unten", meldete Svenia aus dem Maschinenraum über das Kom, "irgendeine Zugangsleitung muss geplatzt sein. Unsere Spule läuft heiß!" Schwere Vibrationen erfassten das Kanonenboot. "Wir haben Probleme", rief Sod den anderen Piloten über das Kom zu.
"Kann ich mir vorstellen!" presste Yxo hervor. Ihn hatte die Zerstörungswut gepackt. Mit feuernden Energiekanonen raste er direkt auf eines der Geschütze des Kreuzers zu. Das Geschütz erwiderte das Feuer und hämmerte auf die Lebensquell ein. Yxo beschloss, die Taktik zu ändern, wählte noch ein zweites Geschütz als Ziel aus und schoss Raketen auf beide Geschütze ab, um dann sein Schiff steil nach oben zu ziehen, hinter ihm detonierten beide Blastertürme.
Unter dem Feuer der übrigen Ionenblaster verwandelte sich eine der Cilthroidschen Korvetten in einen leuchtenden Feuerball, die Trümmer stoben in alle Richtungen auseinander. Die Rache der zweiten Korvette ließ nicht lange auf sich warten. Einige Missiles rissen große Teile der Panzerung vom Rumpf des Kreuzers, sofort konzentrierten sich der Aufklärer und die Rattlesnake auf die beschädigte Stelle im Rumpf, während Yxo einen weiteren Geschützturm außer Gefecht setzte. Erst, als ein weiterer Ionenblaster von einem Missile aus dem Magazin der Lebensquell zerrissen wurde, und die Lebensquell selbst eine Fontäne aus austretendem Kühlmittel hinter sich her zog, besann sich Yxo darauf, die Schwachstelle des Kreuzers anzugreifen. Das Leck in der Panzerung vergrößerte sich schnell durch die vereinte Feuerkraft der Piraten, Teile der Rumpfversteifungsstreben wurden sichtbar, um Sekunden später durch Beschuss zerfetzt zu werden. Von einem Augenblick auf den nächsten verstummten sämtliche Geschütze des Terroristen-Kreuzers. Das Leuchten der Gravitonentriebwerke erlosch. Ganze Ketten von Explosionen rissen den Rumpf des Kreuzers immer weiter auf, regelrechte Schluchten bildeten sich in der Metallhülle des Ungetüms.
"Wenn ihr in der Hölle seid, Irries, sagt Tixem einen schönen Gruß von mir, ich lass' noch eine Weile auf mich warten!" rief Yxo ins Kom und setzte einen Fluchtkurs von dem Kreuzer.
Die anderen Schiffe folgten der Lebensquell, die eine lange Kühlmittelfahne hinterließ, alle brachten so viel Distanz wie möglich zwischen sich und den Kreuzer, dessen Oberfläche nun blitzte, wie ein Feuerwerk, bis schließlich der gesamte Rumpf von innen heraus zerfetzt wurde. Riesige Trümmerstücke, darunter noch ganze Geschütztürme, wurden in alle Richtungen davon geschleudert. Das Schauspiel dauerte wenige Sekunden, dann hatte das Vakuum des Weltraums die Feuerwolke erstickt und ließ nur noch ein Trümmerfeld von dem einstigen Stolz der Irralias-Terroristen zurück.
Abschnitt 15
"Gute Arbeit", wurde Nhet los, während Sam tief durchatmete. "Danke, gleichfalls", antwortete der Mensch und entspannte sich. "Ein Schiff krieg' ich ja doch nicht wieder", begann die Gfeye, "könnt ihr dann zufällig noch jemanden gebrauchen, der euch jede Tür öffnen kann? Fast jede." "Jemand, der sich ein wenig mit der Technik dieses Schiffs hier auskennt, wäre auch nicht schlecht", meinte Sam vielsagend. "Tja, wo findet ihr jetzt am besten jemanden, der sich mit Verschlüsselungssystemen und gleichzeitig auch noch mit gröberer Esialo-Technik auskennt?" seufzte Nhet. "Eines sag' ich dir gleich", erwiderte Sam. "Was?" "Das hier ist jetzt mein Schiff. Die Schwerkraft bleibt mindestens auf 0,5 g, und wenn du jemals auf die Idee kommen solltest, den Luftdruck zu senken, dann fliegst du durch die Luftschleuse!" Nhet ließ ihren Kamm hin und her taumeln. Sam vermutete, dass sie sich freute. "Da mach' dir mal keine falschen Hoffnungen", entgegnete sie vergnüglich, "das kann ich auch für gut zehn Minuten überleben." "Sehe ich das richtig", meldete sich Yxo über das Kom zu Wort, "das Aufklärungsschiff ist jetzt die neue 'Savage Eagle'? Und Nhet hat sich uns eben angeschlossen? Hab ich als Big Boss da nicht auch noch ein Wörtchen mitzureden?" "Hast du also was dagegen? Nicht vergessen, ich hab euch von Chabsoom nach Ceerer gebracht, ich hab euch vor den Irralias gerettet, und ich hab eure Singularitätswaffe vor den Irralias beschützt." "Na gut, Nhet, du bist meine Heldin", antwortete Yxo betont gelangweilt, "du kriegst für den Anfang mal 10 Prozent von allem, was wir erwirtschaften." "Ist das viel?" "Ich kriege normalerweise 30 Prozent, und den ganzen Rest kassiert Yxo", erklärte Sam, "aber man kann ganz nett davon leben. An dieser Stelle möchte ich aber nicht die Gelegenheit versäumen, unseren Oberboss Yxo noch mal daran zu erinnern, dass er mir für diesen Coup 60 Prozent des Gewinns versprochen hat." "Und das ist auch schon das Stichwort", drängte sich Sod nun in die Konversation, "Geld. Bombe. Erinnert ihr euch, wir sind aus einem bestimmten Grund hier!"
Alle vier Schiffe schwebten gemächlich im matten Licht zwischen den Asteroiden. An der Lebensquell hatten die Gefechte deutliche Spuren hinterlassen, dünne Risse und Brandspuren zogen sich über die gesamte äußere Panzerung des Transporters. In den Gravitonenemittern am Heck des flachen, stromlinienförmigen Schiffes klaffte ein Leck, aus dem noch immer letzte Reste von Kühlmittel austraten.
Der Rumpf der Rattlesnake war an einigen Stellen geschwärzt, doch ansonsten war das Schiff kaum sichtbar beschädigt.
Die übrige Cilthroidsche Korvette hatte eines ihrer drei Raketenmagazine verloren, war ansonsten aber voll einsatztauglich. Diese Cilthroiden waren die Handelspartner von Sod, Svenia und Celtros, die Endabnehmer für die Bombe. Sod hatte erwähnt, es handle sich um abtrünnige Militärs, die mit dem Kurs der Cilthroidschen Regierung nicht einverstanden waren und Anschläge auf militärische Stützpunkte der Cilthroiden verüben wollten. "Ich bin mit dem Kurs der Cilthroidschen Regierung auch nicht zufrieden, aber deswegen brauche ich keine Singularitätswaffe", hatte Yxo angemerkt, war aber clever genug gewesen, den Kommentar vor den anderen Cilthroiden zurück zu halten. Sie zahlten gut, 2 Millionen Trenomien, davon 700 000 für Sod, Celtros und Svenia als Zwischenhändler, und der Rest für Yxo, Sam und Nhet. Sam nutzte jede Gelegenheit, um Yxo daran zu erinnern, dass der Cilthroide von diesem Coup lediglich 30 Prozent hatte. Der Mensch war aber zu faul, sich auszurechnen, wie viele Trenomien das waren.
Das vierte Schiff in der kleinen Flotte war der ehemalige Esialo-Aufklärer der Irralias, nun im Besitz von Sam. Die Pylonen waren wieder friedlich an den hinteren Rumpf gefaltet, und die tief dunkelgraue Panzerung ließ das Schiff wie ein Schatten im finsteren Weltraum wirken. Sam hatte es auf den Namen "Faint" getauft, Ohnmacht. Er fand die Ironie zu dem, was die "Faint" mit dem Terroristen-Kreuzer gemacht hatte, ganz treffend.
Sam betrachtete, nicht ohne eine gewisse Gier in den Augen, die Zahl auf dem Kom-Bildschirm. 910 000 Trenomien waren nun auf den Computer der Faint überspielt, in kleinen, minimal zertifizierten Geldeinheiten. Und der größte Teil davon wäre für ihn. Als Gegenleistung hatte Yxos Vielzweck-Roboter die Waffe in den Frachtraum der Cilthroidschen Korvette verladen und machte sich nun zurück auf den Weg zur Lebensquell.
"Wir danken für die Kooperation", meldeten sich die anarchistischen Cilthroiden ein letztes Mal, dann brachte sie ihr Schiff mit einer kurzen Beschleunigung aus dem Asteroidenfeld und starteten in einem gleißenden Lichtblitz in den Sub-Hyperraum. "Das wär's dann", stellte Yxo fest, "wir können die Operation wohl als vollen Erfolg betrachten." "Und wer kriegt wieder mal am wenigsten ab", seufzte Sod, "natürlich diejenigen, die alles eingefädelt haben." "Und wer kassiert am meisten ab", ergänzte Yxo, "merkwürdigerweise unser Terraner hier! Hunderttausende Trenomien, und ein neues Schiff!" "Und was für eins", kommentierte Sam, "flexible Waffenpylonen, nicht-leitende Panzerung gegen Ionenwaffen, mehr als 600 Kubikmeter Ladevolumen! Das Einzige, das fehlt, ist ein richtig bequemer Pilotensessel." "Und eine Null-Schwerkraft-Kammer", ergänzte Nhet. "Sei froh, dass ich mich wenigstens nicht über die 0,5 g beschwere", erwiderte Sam. "Tja", meinte Svenia, "ihr drei braucht jetzt eigentlich auch einen Namen..." "Wie?" wollte Yxo wissen. "Na, drei Piraten, zwei Schiffe. Jede richtige Piratenbande hat einen Namen." "Und warum habt ihr dann keinen Namen?" "Nerv' mich nicht." "Aber im Prinzip hat sie Recht", stimmte Sam der Terranerin zu, "wir sollten uns irgendeinen Namen ausdenken." "Wenn ich einen Rat geben darf", mischte sich Celtros ein, "benennt euch nicht nach irgendwelchen Tieren. So furchterregend das Tier auch für manche Spezies sein mag, andere könnten es als Schoßtierchen benutzen, und das wirkt immer lächerlich." "Danke für diesen sehr nützlichen Beitrag", meinte Sam. "Ich hab einen Vorschlag", lachte Svenia, "nennt euch 'Dick und Doof und die giftige Qualle'." "Terranerin, ich warne dich", brummte Yxo, "wir können mehr Feuerkraft aufbringen, als ihr." "Ist ja gut, war nur ein Vorschlag..." "Hey, hey, ich hab's", fiel Sam ein, "wie wär's mit 'Fadeaway'?" "'Fadeaway'?" wiederholte Yxo. "Wie kommst du darauf?" erkundigte sich Nhet. "Tja", grinste Sam, "sind wir jemals nicht ganz dezent vom Tatort verschwunden?" "Klingt eigentlich gar nicht so schlecht", musste Yxo zugeben, "es kommt in Frage." "Also, ich wäre für 'Fadeaway'", stimmte Nhet zu. "Weitere Vorschläge?" erkundigte sich Sam. "Und ihr zieht mein 'Dick und Doof und die giftige Qualle' wirklich gar nicht in Erwägung?" bohrte Svenia vergnügt nach. "Also, dann ist 'Fadeaway' jetzt offiziell", beschloss Yxo, "und damit sollten wir uns langsam auf den Weg machen, bevor noch jemand auf die Idee kommt, nachzusehen, was in diesem System passiert ist. Fliegt ihr Richtung IG-25?" "Nein, noch nicht", meine Sod, "wir bleiben vorerst mal hier und versuchen, uns ein paar von diesen Mylanium-Bergbaueineiten zu schnappen. Könnte ein ganz schönes Sümmchen für uns rausspringen, wenn wir uns genug Mylanium unter den Nagel reißen." "Na dann mal noch viel Spaß", antwortete Sam schadenfroh, "das ist wohl das Los derer, die nicht fast eine Million Trenomien kassiert haben." "Wir machen uns jetzt erst mal ein paar gemütliche Tage auf IG-25", beschloss Yxo, "Kurs setzen. Wir sehen uns dort mal wieder." Die Piraten verabschiedeten sich knapp voneinander.
Während die Rattlesnake sich gemächlich in Bewegung setzte und begann, in dem Planetoidengürtel nach Bergbau-Robotern Ausschau zu halten, formierten sich die Faint und die Lebensquell, um aus dem kosmischen Trümmerfeld zu rasen und das matt leuchtende, milchige Band der Andromeda-Galaxie hinter sich zu lassen.
ENDE